. Und über diesen Punkt , über den ich jetzt soviel hören muß , auch von dir , muß ich dir mal ein ernstes Wort sagen . Aber du mußt auch aufmerksam sein . Denn ich weiß wohl , wenn dir etwas nicht paßt , so hast du Wachs in den Ohren und antwortest , ohne gehört zu haben . « » Sprich nur ; ich höre schon . « » Ob ich meiner sicher sei ! Ja , liebe Hannah , wer ist schließlich seiner sicher , ganz sicher ? Aber sicher oder nicht , du darfst mir nicht immer mit Betrachtungen und einer Angst und Sorge kommen , als ob ich sechzehn wäre , mit anderen Worten also , du darfst nicht sprechen , gerade du nicht , als ob ich , wenn nicht direkt in Passionen steckte , so sie doch jeden Tag zu gewärtigen hätte . Du mußt schließlich am besten wissen , wie ' s steht . Oder müßtest es wenigstens wissen . Ein für allemal also , ich habe keine großen Passionen , ganz gewiß nicht , und wenn ich sie vor Jahr und Tag vielleicht hatte - vielleicht , sag ich , denn ich habe nicht Lust und Mut , jedes Bagatellgefühl für eine große Passion auszugeben - , so liegen sie hinter mir . « » Du mußt dich nicht so hineinreden , Franziska ; das zeigt nur , daß ich doch vielleicht recht habe . Wenn aber auch nicht , denn wer sieht ins Herz , so hab ich doch in dem einen recht , um das sich ' s hier überhaupt nur handelt . Es ist etwas mit dem jung und alt , und dabei bleibt es . Und nun gar in der Ehe . « » Gewiß ist es was damit . Aber aus einem ganz andern Grunde , wie du glaubst . « » Und der wäre ? « » Weil die Jahre , wenn sie doppelt und dreifach auftreten , auch das Maß der Unfreiheit verdoppeln und verdreifachen , jener Unfreiheit , in die man sich ohnehin in jeder Ehe begibt . Und da liegt es . Nur da . Früher , als ich noch in meines Vaters Hause war , hab ich viele Traureden mit angehört , und immer war es dasselbe Thema : Begrabt euer eigen Ich . Immer Unterordnung , immer Opfer um des andern willen . Davor , meine liebe Hannah , erschreck ich . Zu dem Grafen konnt ich in diesem Sinn nicht sprechen und sprach ihm deshalb von Kränkungen und Nadelstichen , die meiner vielleicht harren würden und gewiß auch harren werden , aber der eigentliche Grund ist doch der , den ich dir eben genannt habe , die Freiheitsfrage . Jetzt beherrsch ich ihn . Ob ich ihn als Gräfin auch noch beherrschen werde , dünkt mir zweifelhaft , ohne daß ich deshalb an einen Oger oder Blaubart denke . Durchaus nicht . Er ist innerlich viel zu fein und vornehm und nebenher auch viel zu sehr von mir eingenommen , um jemals den launenhaften Tyrannen zu spielen ; er wird mir immer zuliebe leben und meine Wünsche belauschen und erfüllen . Aber je mehr er das tut , je weniger frei werd ich sein und mich auch meinerseits schicken müssen . Ich weiß wohl , daß man das soll . Aber ob ich ' s auch immer können werde ? Nimm eine Kleinigkeit . Du weißt , ich liebe Nelken , und hätt ich mir nicht eben erst all und jede Passion abgesprochen , so hätt ich nicht übel Lust , mir eine regelrechte Nelkenpassion zuzuschreiben . Und nun stelle dir vor , daß er vielleicht Nelken nicht leiden oder wenigstens den Geruch davon nicht ertragen kann . Was würde geschehen ? Ich würde natürlich sofort auf meine Lieblingsblume verzichten , aber doch zugleich den Wunsch und das Verlangen darnach nie mehr loswerden . Und so könnt es sich ereignen , daß ich aus Sehnsucht nach einer Blume krank und unglücklich würde . Lache nicht , solche Torheiten kommen vor . Alles in allem , ich bin zu lange meinen eigenen Weg gegangen ; Unterordnung und Ehe sind immer schwer , aber sie werden schwerer , wenn zu der eheherrlichen Autorität auch noch die der Jahre kommt . « » Und warum willst du ' s , wenn du so denkst ? Warum tust du ' s ? « » Weil unser Herz ein kompliziertes Ding ist , ein Ding mit vielen und oft widerstreitenden Wünschen , und weil die Freiheit , so hoch ich sie stelle , doch schließlich nicht alles in der Welt bedeutet . Es gibt eben auch anderes noch , Dinge , die gelegentlich noch mehr bedeuten oder wenigstens bedeuten können . « » Ja , bei gewöhnlichen Leuten . « » Auch bei sehr nicht-gewöhnlichen . Umgekehrt ; je höher hinauf , je mehr hab ich recht . Oder glaubst du beispielsweise , daß es leicht sei , der Freund eines Prinzen oder Erzherzogs zu sein ? Du schüttelst den Kopf . Nun gut , also nicht leicht . Und nun sieh dir den Grafen Pejevics an , den du ja kennst und gern hast und der mir ganz wundervoll hieher paßt , wie gerufen . Wie steht es nun mit dem Grafen ? Er ist ein großer Magnatensohn , einer der Allerreichsten und Vornehmsten , also natürlich auch der Freiesten , und wenn er auf seine Güter geht , so küßt ihm alles den Rockschoß und , wenn er will , auch die Steigbügel . Und doch ist er hier und spielt den Erzherzogsadjutanten und Galopin . Und warum das alles ? Einfach , weil die Abhängigkeit von einem Erzherzog ihm schließlich doch noch mehr bedeutet als seine ganze Magnatenfreiheit , Rockschoß- und Steigbügelkuß mit eingeschlossen . Und ähnlich ergeht es mir . Offen gestanden , ich hätt es vor kurzem noch nicht gedacht und mich anders taxiert . Aber tritt erst mal