die Zung ab , eh ich ein unbedacht Wort sag ; dadrauf könnt ihr euch verlassen « , beteuerte die Alte . » Kannst dich überhaupt in allm und jedn af mich verlassen ; bist ja mein bravs , gscheits Kind ! « Sie tätschelte zärtlich den vollen Nacken der Dirne , dann fuhr sie fort : » Ich muß nur lachen , wann ich mir vorstell , was seinzeit wohl die Kleebinderischen für Gsichter dazu machen werden ! Wir warn uns nie freund , und ich vergönn ' s ihnen , daß s ' nachher voll Gift und Neid ' m auskommenen Vogel da hinauf nachschaun können , wo er z ' Nest sitzt , afm Sternsteinhof . « Und nun begannen beide eifrig zu schwätzen , zählten die Annehmlichkeiten des » Nestes « auf , planten , wie sie sich ' s in selbem wollten behagen lassen , und wurden es nicht müde bis gegen Morgengrauen ; da sank das Kerzenstümpfchen verlöschend in den Leuchter , und sie saßen im fahlen Zwielichte . Der Winter kam mit aller Strenge ins Land . Wenn die gefrorene Erde unter der Sohle klingt , so braucht , wer auf verstohlenen Wegen geht , nur sachter aufzutreten , um nicht gehört zu werden ; ein Übel ist in dem Falle freilich der Schnee , denn der behält die Tritte auf mit allen Schuhnägelspuren und verrät , woher sie kamen und wohin sie gingen . Die alte Kleebinderin schüttelte öfter den Kopf , wenn sie an manchem frühen Morgen den Schnee , der über Nacht gefallen war , vor der Zinshoferischen Hütte rein , gegen den Bach zu , weggefegt sah , während er andere Male dort Tage über gut liegen hatte , aber sie dachte nichts Arges ; derlei Wunderlichkeiten bestätigten nur , was ihr seit langem für ausgemacht galt , daß es in den Köpfen der Nachbarsleute nicht ganz richtig sei . Auch die alte Kathel auf dem Sternsteinhofe schüttelte den Kopf , aber sie dachte dabei Arges , und eines Tages nahm sie sich das Herz und zog den Bauer zur Seite und fragte : » Wirst mir ' s nit für übel nehmen , wann ich dir was sag ? « » Kommt darauf an , was ' s sein wird « , entgegnete er . » Red ! Fürs Übelnehmen kann mer doch nit zun voraus einstehn . « » Dein Sohn soll ' s mit einer von da unten halten . « » So ? Könnt ja sein . Laß ihm die Freud . « » Aber bedenkst denn auch ? ' s is doch sündhaft . « » Laß dir was sagen . Da heroben af mein Hof schau ich af Zucht und Ehrbarkeit , wie mir zukommt , und unter mein Augen leid ich kein Lotterei und kein schandbarn Verkehr ; aber für das , was sich etwa eins auswärts hinter mein Rücken beigehen laßt , hab ich nit aufzkommen ! Mag ' s Knecht oder Dirn oder mein leiblicher Sohn sein , ' s is dann jedm sein eigene Sach , und derwegen mag er sich auch abfinden , mit ihm selber , mitm andern , was mithalt , und mitm Beichtvatern . « » No nimmst mir ' s halt doch übel , daß ich gredt hab . « » Gar nit . ' s war recht , daß d ' redst , was d ' weißt ; aber ich weiß von nix , und da stünd mir ' s Reden übel an . « » Aber schau , könntst nit daraufhin den Bubn doch ins Gebet nehmen ? « » Daß ich vor ihm dasteh wie ein Narr , wann er mir ' s ableugnet ? Nein , da wart ich lieber ruhig ab ; is was an der Sach , dann kommt er mir schon von selber . Gschehne Sünden beicht mer ' m Pfarrer und gmachte Dummheiten ' m Vadern . « » Dann könnt ' s etwa z ' spät sein . « » Z ' spät ? Möcht wissen , in welcher Weis ? Wie tief er sich auch einglassen haben mag , dafür können wir aufkommen . « Der Bauer schlug mit der Rechten an die Stelle , wo er an Markttagen den Geldgurt trug . » Und auf das , was er sich etwa sonst in Kopf setzt , da gib doch ich nix ? ! Nit so viel ! « Er schnippte mit den Fingern und schritt spreitbeinig über den Hof . IX Je näher der Fasching kam , desto nachdenklicher zeigte sich der Zwischenbüheler Wirt , endlich mußte sein besorgliches Wesen auch der Wirtin auffallen . » Vater « , sagte sie , » ich merk dir schon lang an , dir will was nit recht zusammengehn . Was hast denn ? « Seine Stirne bewölkte sich noch mehr ... » Mutter « , seufzte er , » meine Ahnungen hab ich . « » Jesus ! Es geht dir doch nit vor , daß eins von uns versterben sollt ? « » Das verhüt Gott ! Nein , darauf hab ich kein Gedanken . Schaden fürcht ich . Du weißt , af der letzt Kirchweih is kein Glas zerschlagen worden außer wie in Unachtsamkeit , was mer nachher bei der Zech mit angekreidt hat , kein Zaun haben s ' umgebrochen , kein Sesselhaxen ausgdreht ; alles is glatt und schön sauber verlaufen . « » Gott sei Dank , ja ! ' s wird dir doch nit leid sein , daß dösmal nit grauft wordn is ? « Der Wirt schüttelte bedenklich den Kopf . » Hast du ' s d ' Jahr her , die wir da af der Wirtschaft sitzen , nur einmal erlebt , daß ' s ohne Rauferei abgangen wär ? « » Dös nit , ' s is jedmal grauft wordn . « » No eben , so haben sie ' s letzt Mal a Glegenheit zum