reicher , als ich glaubte jemals wieder werden zu können . Ich hatte auf alles Glück verzichtet , und nun erblüht es mir von neuem . Ich blickte in die Zukunft wie in trübes , einförmiges Dunkel , und nun steht sie in lichter Schönheit vor mir . Er begann diese Zukunft auszumalen . Nicht alles war sonnig darin . Wir werden uns vereinsamen oder kämpfen müssen um unser Glück , sagte er . Versöhnung mit unserm Bunde ist von den Meinen nicht zu hoffen - ich ertrage ihren Tadel , ich weiß , was ich gewinne und was ich verliere , ich kenne die Welt und habe ihre Freuden genossen und deren Wert gewogen . Aber du - Er wollte mich nicht betrügen , er sprach offen mit mir , er schilderte mir getreulich alle Bitternisse , die mir bevorstanden . Ich gedachte der Großmutter Ankas , und wie ihr niedriger Verdacht gegen mich nun gerechtfertigt sei in ihren Augen und in denen der vielen , die durch diese Augen sahen . Sie war ja die größte Egoistin und darum die Herrin in der Familie . Frei von diesem tyrannischen Einfluß fühlte sich nicht einmal der Mann , der um mich warb , den Vorurteilen seines Standes zum Trotz . Ist dir bange ? fragte er . Du wirst manches erleiden , gegen das ich dich nicht zu schützen vermag ; es ist ja nicht zu greifen , nicht zu erweisen , es hat keinen Namen und verwundet doch bis in die innerste Seele . Willst du es um mich erleiden ? Erleiden ! ... O Gott , alles um ihn - und mit himmlischer Wonne ! « Die Greisin erhob das Haupt , ihr Gesicht erschien mit einem Mal verjüngt und verklärt . » Noch sehe ich das Leuchten seiner Augen , ich fühle seinen reinen glühenden Kuß noch auf meinen Lippen . Ich habe lange Jahre in einer zufriedenen Ehe gelebt , ich habe Kinder geboren und Freude an ihnen gehabt - jenen einzigen Augenblick hat nie ein andrer überboten , kein dauerndes Glück hat die Erinnerung an dieses flüchtige verlöscht ... Und du wolltest uns verlassen ? Das Kind und mich ? Und mit welchem Mißklang , begann er plötzlich , mit welcher Täuschung , mit welcher Verleumdung deiner selbst ! ... Du konntest sagen , daß du mein Kind nicht liebst ? ! Er hielt inne - er sah mich zagend und staunend an . Ich hatte mich erbleichen gefühlt , die Arme waren mir gesunken , und wie ein Hauch des Todes überlief es mich . Helene , fuhr er fort , es war eine Ausflucht , ich bin davon überzeugt , ich schwöre dir : ich zweifle nicht - aber schwör auch du , daß ich nicht zu zweifeln brauche ! Es ist nur eine Laune , eine Grille - aber aus Liebe zu mir , aus Erbarmen gib ihr nach ! Nun - - ich konnte nicht . Ich konnte nur weinen und flehen : Erlaß es mir ! Er fuhr heftig auf : Die Stunde trennt uns oder vereinigt uns für immer ... Die mein Kind nicht liebt , liebt mich nicht ... Helene , so war es keine Lüge ? ... Nun , dann war alles , was mich rührte , was Ihnen meinen Dank gewann , Heuchelei ! Lieblosigkeit im Gewande der Liebe , dem kalten Herzen mühsam abgerungene Pflichterfüllung ? ... Sagen Sie mir , wie kann man bei Ihnen unterscheiden zwischen Liebe und ihrem Gegenteil - der Pflicht ? ... Sie sind furchtbar ... Der Mann , der am Altar Ihren Schwur empfängt , wird sich ewig fragen müssen : Folgt sie dem eigenen Herzenszug , oder hält sie nur gewissenhaft ein gegebenes Wort ? Was jetzt folgte , was er sprach , was ich erwiderte - nicht einmal in Gedanken vermag ich dabei zu verweilen . Meine schwer erkämpfte Ruhe , Selbstüberwindung und Selbstverleugnung - zu meinem Unheil hatte ich sie ausgeübt . Was ich für das Beste an mir gehalten , erhob sich gegen mich und klagte mich an . Wie hätte ich mich gegen diese Zeugen verteidigen sollen ? Er sah , was ich litt , und in der letzten Sekunde noch hatte er eine Regung des Mitleids . Wir trennen uns , aber wir gehen nicht aus der Welt . Prüfen Sie sich ... Wenn Ihre Gesinnungen sich ändern sollten , wenn Ihnen die Abneigung gegen Anka vielleicht doch in einiger Zeit nicht mehr so unbesiegbar scheinen sollte wie jetzt , wenn Sie noch einen Versuch wagen wollten - dann geben Sie mir ein Zeichen ! Ich werde es begrüßen wie einen Boten des Lichts . Helene ! werden Sie mir das Zeichen geben können ? Glauben Sie es ? Darf ich darauf hoffen ? Noch einmal zog er mich an seine Brust , aber ich empfand nur Qual , Beschämung und Reue . Wie ein Raub erschien mir jedes Wort der Zärtlichkeit , das er an mich verlor , und Schrecken flößte die stürmische Heftigkeit mir ein , mit der er mich plötzlich umfaßte . Angstvoll entzog ich mich seiner Umarmung ... Auf seine letzte Frage hat er keine Antwort erhalten - mein letzter Blick hat den seinen vergeblich gesucht . Stumm , unbeweglich stand er da und starrte mit düsterer Entschlossenheit vor sich nieder . Auf halbem Wege nach meinem Zimmer kam mir der Doktor entgegen . Es bleibt doch dabei ? Wir reisen ? sprach er hastig . Sie haben Abschied genommen für immer ? Nun , Gott sei Dank ! Ein Freund sagt Ihnen das , ein Vater ! Er geleitete mich durch sein eigenes Gemach , das von dem Anka und mir bestimmten nur durch ein leerstehendes getrennt war . Einen andern Eingang schien unsere Stube nicht zu haben . Auf der Schwelle blieb der Alte stehen , empfahl uns , sogleich zur Ruhe zu gehen , und schloß die Tür . Anka war noch hellmunter und spielte