... für ihn wohl alles ... Eine Weile danach erschien Halwig - ein anderer als derjenige , den Lotti am selben Morgen bei sich gesehen . Freudig und sorgenlos begrüßte er sie , sprach viel , war der liebenswürdigste und aufmerksamste Wirt . Beim Dessert gab er eine lustige Geschichte zum besten , die ihm Papa , dem er unterwegs begegnet , erzählt hatte . Seine Heiterkeit schien natürlich und ungezwungen , und dennoch , ohne sich erklären zu können , warum , vermochte Lotti nicht recht froh zu werden . Das Mittagessen war vorüber , und man begab sich zum schwarzen Kaffee nach dem Zimmer des Hausherrn . Es hatte einen eigenen Eingang durch das Vorgemach . Als Lotti dieses an Hermanns Arme betrat , erhob sich plötzlich ein kleines Männchen von einer der Bänke an der Wand und nahte mit höflicher Begrüßung . Bei seinem Anblick fuhr Halwig leicht zusammen : » Sie selbst ... Sie warten ? ... « » Oh , nicht lange . Die Herrschaften hatten schon beinahe abgespeist , als ich kam , und ich beschwor den Diener , Sie nicht zu stören . « » Treten Sie doch jetzt ein ! ... Kommen Sie - « sprach Halwig , und Lotti fühlte seinen Arm zucken unter ihrer Hand . » Wenn Sie erlauben , Herr Baron , allein ich habe Eile ... und nur weil der Zufall mich eben hier vorbeigeführt , und um Ihnen die Mühe des Schickens zu ersparen - bin ich da , um ... um das Versprochene abzuholen . « » Kommen Sie denn ! - Kommen Sie ! ... « » Oh , ich bitte ! ... Erst die Damen - « Er stellte sich mit einem langen Schleifschritt seiner schiefen Beine neben die Tür , die Halwig aufgestoßen hatte , und machte ein einladendes Zeichen . Seine vorquellenden Augen leuchteten vor zynischer Bewunderung , als Agathe an ihm vorüberschritt . » Die Frau Gemahlin ? « flüsterte er Halwig vertraulich zu - » ganz superb - ich gratuliere ! « » Einen Augenblick , Fräulein Feßler ! - Einen Augenblick , Agathe « , sprach Hermann gepreßt und scharf , und winkte den beiden , an dem Tische Platz zu nehmen , auf welchem der Kaffee serviert war . Er selbst trat an den Schreibtisch , zog die unterste Lade heraus , nahm ein versiegeltes Paket und reichte es seinem Besucher . Der ergriff oder vielmehr riß es mit einer hastigen Bewegung an sich . » Es ist doch das rechte ? - Sie verzeihen - ich breche die Siegel ... Eine Irrung ist so leicht geschehen . « » Überzeugen Sie sich « , sagte Halwig in einem Tone , den mühsam bezwungener Ingrimm beben machte . Der Kleine hatte sich an die Fenstervertiefung begeben und begann dort den Inhalt des Pakets zu untersuchen . » Alles in Ordnung . Hingegen da - auch alles in Ordnung . « Er überreichte Halwig einen zusammengefalteten Bogen , den dieser auf den Schreibtisch warf . » Nicht so , Herr Baron , bitte sich gleichfalls zu überzeugen . Bitte um pedantische Genauigkeit in Geschäften . Bitte um Vorsicht , bitte sogar um Mißtrauen . « Er stieß ein leises , widerwärtiges Gekicher aus und blinzelte Halwig halb höhnisch , halb mitleidig an , während der das Schriftstück durchflog . » Sie sind mit mir zufrieden , hoffe ich . Haben auch alle Ursache . Für Sie ist gesorgt . Wie ich dabei wegkomme , das ist eine andere Frage . Allein für Sie ... was täte ich nicht für Sie , Herr Baron ? « Er empfahl sich , von Hermann bis an die Tür begleitet . Agathe lachte ihm herzlich nach : » Was war denn das für ein Ungeheuer ? Oh , Fräulein Feßler , haben Sie seine Füße gesehen und seinen Gang bemerkt ? ... Mir scheint nein . Warten Sie , ich will das herrliche Schauspiel vor Ihnen erneuern . Sie müssen sich noch einmal daran erquicken . Einwärts ! noch einwärtser ! so - nicht wahr ? « Sie begann im Zimmer umherzuhumpeln , ihrem Manne entgegen und ließ sich , mit Absicht ausgleitend , in seine Arme fallen . Er umschlang sie und drückte einen langen leidenschaftlichen Kuß auf ihre Lippen . » Meine Agathe ! mein Herz , mein Glück , mein Leben ! « Mit schwerer Selbstüberwindung entzog er sich ihrer Umarmung und trat an ihrer Seite vor Lotti hin . Diese fragte : » Halwig , war das der Mann , der Ihnen einen Vertrag anbietet , in welchem ... « Er fiel ihr ins Wort : » In welchem ich zehn Jahre meines Lebens verschreibe ? Nein . Dem nicht einen Tag . Aber wer hat Ihnen gesagt - du ? « wandte er sich an seine Frau , die bejahend nickte und dann sprach : » War ' s nicht recht ? « » Ganz recht . Wir haben kein Geheimnis vor Fräulein Lotti . « » Das meinte ich auch und setzte ihr die ganze Angelegenheit auseinander . Sie wird dir ihre Gedanken darüber sagen . « Halwig hatte ihr zerstreut zugehört : » Ich vergesse , ich habe eine Botschaft von Papa an dich . « » Der arme Papa , du vergissest ihn immer . « Die Stirn Hermanns verfinsterte sich einen Augenblick , aber er fuhr fort , ohne etwas auf den Vorwurf zu erwidern : » Deine Eltern sehen heute einige Bekannte beim Tee . Sie zählen auf dich . Sie werden den Wagen schicken , um dich abzuholen . Ich habe in deinem Namen zugesagt . Du wirst meinem Wort doch Ehre machen ? « » Ungern , du weißt , wie lästig mir diese Soireen sind « , entgegnete sie und lehnte die Wange an seine Schulter . » Laß mich bei dir bleiben , Hermann . « » Was fällt dir ein ? Du darfst nicht bleiben . Nicht