hastig überstürzt , von dem Tage , an dem er , Wut und Verzweiflung im Herzen , den Ulanen nachgefahren war . Wie er sie in der Hauptstadt eingeholt und , von dem Obersten empfangen , diesem seine Klage vorgebracht habe . Der Oberst hörte ihn mit einer Gelassenheit an , die ihn entrüstete , ließ den Auditor rufen und ersuchte Heißenstein , diesem » die fatale Geschichte « gleichfalls mitzuteilen . Und der Kaufmann sah - oder glaubte zu sehen - , wie seine beiden Zuhörer , während er sprach , einander lächelnd zublinzelten . » Was befehlen Sie , daß nun geschehe ? « fragte der Auditor - Heißenstein wußte nicht , ob ihn oder den Oberst . Der letztere schien sich zu besinnen und sagte dann nachlässig , zu dem Kläger gewendet : » Wollen Sie , daß der Leutnant Fehse unglücklich , daß ihm der Prozeß gemacht werde ? Wollen Sie ihn auf die Festung bringen ? « » Das können Sie « , fügte der Auditor ernsthaft hinzu . » Freilich ! « bestätigte der Oberst ; » und Ihre Tochter nach Hause führen - triumphaliter . « Ja , dieses Wort hatte er gebraucht , und spöttisch gebraucht . Heißenstein besann sich dessen ganz genau , jetzt noch , und jetzt noch durch die Tränen , in denen seine Augen schwammen , funkelte ingrimmiger Zorn . Der Oberst fuhr fort : » Sie können das alles tun , aber glauben Sie mir : lassen Sie es bleiben . Gehen Sie zu Ihrer Tochter , sie soll , wie ich höre , bei der Frau des Regimentsarztes - einer sehr anständigen Person - untergebracht sein , und lesen Sie dem jungen Mädchen tüchtig den Text . Ich will indessen den Herrn Leutnant gehörig verreißen . Und dann , bin ich der Meinung , ziehen wir beide andere Saiten auf , halten das Maul und verheiraten die Leutchen in aller Stille . Schicken Sie die Kaution , ich komme um die Heiratsbewilligung ein . Sie kriegen einen prächtigen Kerl zum Schwiegersohn , und ich bekomme eine bildhübsche und steinreiche Frau Leutnant ins Regiment , wir können beide zufrieden sein . « Wieder lächelte der Auditor , und Heißenstein war überzeugt , man habe ihn zum besten . Die reiche Weinhändlerstochter wurde als eine gute Beute angesehen , einem armen Leutnant , der von der Gage lebt , wohl zu gönnen . Abgekartet war alles zwischen diesen Leuten , und seine Tochter war vielleicht weniger ihr Opfer , als ihre Mitschuldige ... » Mansuet « , sagte der alte Mann , » als ich nach Hause fuhr , meinte ich immer hinter mir herlachen zu hören , und ich dachte nicht mehr an Strafe für mein ungeratenes Kind , ich dachte Rache an ihm zu nehmen ... Und doch « - er schluchzte leise , und seine Stimme wurde immer schwächer - , » hätte sie damals mein Erbarmen angefleht - hätte sie sich damals an mich gewendet - mein Schmerz war noch jung - mein Groll hatte sich mir noch nicht so in die Seele eingefressen wie später ... vielleicht hätte ich verziehen ... Ich hoffe es von mir , Mansuet , daß ich verziehen hätte ! ... « Der Kranke weinte bitterlich , und Weberlein trocknete ihm die Augen mit einem Tuche und sagte : » O ganz gewiß , lieber Herr , ganz gewiß ! « » Aber sie schrieb nicht « , sprach Heißenstein , indem er tief aufseufzte . » Sie ließ mich in dem Glauben oder in dem Wahne , daß sie mit jenen Leuten einverstanden sei , die meiner spotteten . « » Es hat niemand Ihrer gespottet « , beschwichtigte Mansuet , » am wenigsten der Herr Oberst , so etwas kommt nicht vor bei einem braven Ulanen , Sie werden sich ' s in der Aufregung nur eingebildet haben . Und was die Rosa betrifft , so meine ich immer , daß sie damals geschrieben hat . Bozena wenigstens berief sich in ihrem ersten Briefe auf ein Schreiben , das die junge Frau an Sie gerichtet hatte , gleich nach ihrer-gleich nach dem Unglück ... « » Nein , nein « , sagte Heißenstein , » ich habe nichts bekommen : nicht ein einziges Wort . Ich wartete einen Tag - zwei Tage ... Oh , sehnlich , Mansuet ! ... Dann war es aus . Der Advokat mußte ihr schreiben , daß sie enterbt und verstoßen sei . - Das wenige , das ihre Mutter hinterlassen hatte , schickte man ihr . « Weberlein schüttelte ungläubig den Kopf : » Nur das ? Sie irren ... das hätte ja nicht einmal gereicht , die Leutnantskaution ... « » Es reichte auch nicht ! « flüsterte Heißenstein . » So mußten sie den armen Haushalt auf Schulden gründen . Grausam , grausam ! « seufzte Mansuet , setzte sich auf einen Schemel neben Heißensteins Bett und verschränkte seine langen unruhigen Finger so fürchterlich fest , als wollte er sie brechen . Eine Zeitlang schwiegen die beiden Greise . Endlich wurde es Tag . Mansuet stand auf , löschte die Lampe und beugte sich über seinen regungslos daliegenden Herrn . Der sah ihn fragend an : » Das Kind - nicht wahr ? - die elternlose Kleine - « sprach er . » Freilich , Herr ! an der wollen wir alles gutmachen ! « rief Mansuet . » Ich bin jetzt ruhig über Sie , lieber Herr , und bitte um Urlaub . Ich will gehen , die Bozena aufsuchen und ihren Pflegling ... wenn Sie es erlauben . In acht Tagen bin ich wieder da . « » Gehen Sie , mein guter Mansuet - bringen Sie mir das Kind meiner Rosa « , bat Heißenstein . Weberlein küßte die Hand seines Gebieters , und Frau Nannette trat ein . Sie trug einen Schlafrock aus vergilbter Mousseline de laine und auf dem Kopf ein Häubchen mit meergrünen