Vor drei Wochen etwa , wenige Tage nachdem Cappadox auf das Gut geschickt war , es für seinen Herrn , der auf längere Zeit in die Marmorbrüche von Luna verreist war , zu verwalten , kam von Tifernum her ein vornehmer Römer mit einem Troß von Sklaven und Arbeitern und mit hochbepackten Lastwagen an . Er fragte , ob dies die Besitzung sei , welche der Steinmetz Corbulo von Perusia für die Witwe des Boëthius gekauft . Und als dies bejaht wurde , gab er sich als den Hortulanus Prinzeps d.h. als Oberintendanten der Gärten zu Ravenna zu erkennen . Ein alter Freund des Boëthius , der aus Furcht vor den gotischen Tyrannen seinen Namen nicht zu nennen wage , wünsche , sich insgeheim der Verfolgten anzunehmen und habe ihm den Auftrag gegeben , den Aufenthalt derselben mit allen Mitteln seiner Kunst zu schmücken und zu verschönern . Der Sklave dürfe die beabsichtigte Überraschung nicht verderben und halb mit Güte , halb mit Gewalt hielt man den staunenden Cappadox auf der Villa fest . Der Intendant aber entwarf sofort seinen Plan , und seine Arbeiter gingen unverzüglich ans Werk . Viele benachbarte Grundstücke wurden zu hohen Preisen hinzugekauft und nun hob an ein Niederreißen und Bauen , ein Pflanzen und Graben , ein Hämmern und Klopfen , ein Putzen und Malen , daß dem guten Cappadox Hören und Sehen verging . Wollte er fragen und dreinreden , so lachten ihm die Arbeiter ins Gesicht . Wollte er sich davonmachen , so winkte der Intendant und ein halb Dutzend Fäuste hielten ihn fest . » Und « - schloß der Erzähler - » so ging ' s bis vorgestern morgen . Da waren sie fertig und zogen davon . Anfangs war mir angst und bang , da ich die kostspieligen Herrlichkeiten aus dem Boden wachsen sah . Ich dachte : am Ende , wenn Meister Corbulo das alles bezahlen soll , dann weh über meinen Rücken ! Und ich wollte dir ' s melden . Aber sie ließen mich nicht und obenein wußt ' ich dich fern von Haus . Und wie ich nachgerade das unsinnig viele Geld des Intendanten verspürte und wie der mit den Goldstücken um sich warf wie die Kinder mit Kieseln , siehe , da beruhigte sich allmählich mein Gemüte , und ich ließ alles gehen wie es ging . Nun , o Herr , weiß ich wohl : du kannst mich dennoch in den Block setzen und prügeln lassen . Mit der Rebe oder sogar mit dem Skorpion . Du kannst es . Denn warum ? du bist der Herr und Cappadox der Knecht . Aber gerecht , Herr , wäre es kaum ! bei allen Heiligen und allen Göttern ! Denn du hast mich gesetzt über ein paar Kohlfelder und siehe , sie sind geworden ein Kaisergarten unter meiner Hand . « Kamilla war längst abgestiegen und davongeschlüpft , ehe der Sklave zu Ende . Mit vor Freude hochklopfendem Herzen durcheilte sie den Garten , die Lauben , das Haus : sie schwebte wie auf Flügeln , kaum konnte ihr die flinke Daphnidion folgen . Ein Ausruf der Überraschung des freudigen Schreckens jagte den andern : so oft sie um eine Ecke des Weges , um eine Baumgruppe , bog , wieder und wieder stand ein Bild aus jenem Garten von Ravenna vor ihrem entzückten Auge . Als sie aber ins Haus gelangte und ein kleines Gemach desselben genau so bemalt , ausgerüstet , geschmückt fand wie jener Raum im Kaiserschloß gewesen war , in dem sie die letzten Tage der Kindheit verspielt und die ersten Träume des Mädchens geträumt , dieselben Bilder auf den bastgeflochtenen Vorhängen , die gleichen Vasen und zierlichen Citruskästchen und auf dem gleichen Schildpattischchen ihre kleine zierliche Lieblingsharfe mit den Schwanenflügeln , da , überwältigt von so vielen Erinnerungen , und noch mehr von dem Gefühl des Dankes gegen so zarte Freundschaft , sank sie schluchzend in freudiger Wehmut auf den weichen Teppichen des Lectus zusammen . Kaum konnte sie Daphnidion beruhigen . » Es gibt noch edle Herzen , noch Freunde für das Haus des Boëthius « , rief sie wieder und wieder . Und sie sandte das innigste Gebet des Dankes gegen Himmel . - Als am Tage darauf die Mutter eintraf , war sie kaum weniger ergriffen von der seltsamen Überraschung . Sogleich schrieb sie nach Rom an Cethegus und fragte , welcher Freund ihres Gatten wohl in diesem geheimnisvollen Wohltäter zu suchen sei ? Es war ihr eine stille Hoffnung , an ihn selbst dabei zu denken . Aber der Präfekt schüttelte nachdenklich den Kopf über ihren Brief und schrieb ihr zurück : er kenne niemand , an den ihn diese zartfühlende Weise mahnen könne . Sie möge scharf jede Spur beachten , die zur Lösung des Rätsels führen könne . Es sollte sich bald genug enthüllen . - Kamilla wurde nicht müde , den Garten zu durchstreifen und immer neue Ähnlichkeiten mit seinem trauten Vorbild zu entdecken . Oft führten sie diese Gänge über den Park hinaus und in den anstoßenden Bergwald . Dabei pflegte sie die muntre Daphnidion zu begleiten , die ihr gleiche Jugend und treue Anhänglichkeit rasch zur Vertrauten gemacht . Wiederholt hatte diese der Patrona bemerkt , ein Waldgeist müsse ihnen nachschleichen . Denn vielfach knacke es hörbar in den Büschen und rausche im Grase hinter oder neben ihnen . Und doch sei nirgends Mensch oder Tier zu sehen . Aber Kamilla lachte ihres Aberglaubens und nötigte sie immer wieder in die grünen Schatten der Ulmen und Platanen hinaus . Eines Tages entdeckten die Mädchen , vor der Hitze tiefer und tiefer in die Kühle des Waldes flüchtend , eine lebhafte Quelle , die reichlich und klar von dunkeln Porphyrfelsen traufte . Doch sie rieselte ohne bestimmtes Rinnsal , und mühsam mußten die Durstenden die einzelnen Silbertropfen erhaschen . » Wie schade , « rief Kamilla , » um das köstliche Naß ! Da hättest du die Tritonenquelle sehen sollen im