er zwei einfache Goldreifen von seiner Hand , steckte den einen an seinen eigenen Ringfinger , den anderen an den seiner Braut und sprach : » Die Trauringe meiner Eltern ! Wenn ich eines Tages , diesen Reif am Finger , Ihnen gegenübertreten werde , Dorothee , dann wissen Sie , ohne Wort , daß ich in Treuen und Ehren mein Ziel erreichte . Und wenn ich den anderen dann an Ihrer Hand gewahre , dann weiß ich , ohne Wort , daß ich in Treuen und Ehren mein Weib zum Altare führen darf . « Der Wagen der Eltern fuhr in diesem Augenblick vor . Langsam schritt ich meinem Hause , rasch und fröhlich , Arm in Arm , schritten die beiden anderen dem des Brautvaters zu . Ein kaum bärtiger Jüngling , ein Feldschergehilfe , der abenteuerlich ins Blaue zieht und sein Erbteil verschenkt , um sich damit das Herz eines unflüggen Mädchens zu erkaufen ; eine Verlobung wie aus der Pistole geschossen ; ein zweites halbflügges Mädchen als Zeugin und Bürgin des wunderlichen Bundes aufgerufen : - meine Freunde , wie ich dieses Bild aus der Erinnerung fast eines halben Jahrhunderts hervorgekramt habe , da mag es wohl recht töricht , vielleicht läppisch vor Euren Augen stehen . Ich sage Euch aber : hättet Ihr den Siegmund Faber gekannt , Ihr würdet meine ernsthafte Bewegung nicht belächelt haben . Und nicht die unerfahrene Tochter allein , auch die erfahrenen Eltern sahen kein Kinderspiel in Siegmund Fabers rascher Tat . » Ein Sonntagskind , unsere kleine Dorl ! « rief froh gerührt der Papa . » Ein Sonntagskind , dem das Glück wie im Traume in das Schürzchen fällt . Und ein Tausendsassa , dieser Mosjö Per-sé , so sein Vögelchen an einer goldenen Kette festzulegen ! « Die bedachtsame Mama aber , die wohl schwerlich ohne einen Anflug mütterlichen Neids die kleine Schenkendirne wohlhäbig und früher Braut werden sah als ihre Hardine , sie erklärte nicht minder : » Kein Advokat hätte es schlauer auszutüfteln gewußt als dieser junge Pfiffikus . Wohl oder übel : das Fideikommiß bis zur Volljährigkeit , das heißt , bis über die gefahrvolle Jugend hinaus , bannt den Flatterling , und am Traualtare erhält der großmütige Verschenker sein Eigentum zurück . « Der gerichtliche Akt ward genau nach der Angabe am anderen Tage vollzogen , und mit dem Morgengrauen des übernächsten war der wunderliche Bräutigam hoch zu Rosse auf und davon . Der letzte Heimatsgruß ward nach Fräulein Hardines Dachfenster hinaufgewinkt und von dort aus erwidert . » Hattest du Herrn Faber schon gestern abend Lebewohl gesagt ? « fragte ich Dorothee , als sie bald darauf in meine Kammer trat . » Ach nein , Fräulein Hardine , « stammelte sie verlegen , » ich wollte es heute früh , aber - ich habe es verschlafen . « So war denn selber eine Anstandszähre beim Abschied unserem glücklichen Bräutchen erspart worden . Wie flink ging es nun aber noch selbigen Tages an ein Scharwerken und Räumen ! Das Unterste wurde zu oberst gekehrt in dem Zimmer , vor dessen Fenster noch im Winter Meister Fabers Scherbecken gefunkelt hatten ; getüncht , gescheuert , das alte Mobiliar blank auflackiert und frisch bezogen . Bald stand , schneeweiß verhüllt , ein zierliches Himmelbett auf der Stelle , wo Siegmund Faber sich auf hartem Strohsack eine kurze Nachtruhe gegönnt hatte . In der Ecke , die seine ungehobelten Bücherbretter gefüllt , prangte ein Schränkchen mit Puppen und Tändelwerk aus der Kinderzeit der kleinen Dorl ; luftige Gardinen , Blumen , immer frisch gepflückt , schmückten den Fensterplatz ; im grünberankten Käfig schnäbelte sich ein Zeisigpaar . Keine Bürgerstochter hatte ein zierlicheres Stübchen aufzuweisen , und wie kahl und wie dürftig erschien nebenan Fräulein Hardines nüchterne Mädchenkammer ! Die kleine Wirtin aber , im kurzen Röckchen und flittergestickten Hackenschuhen , flatterte fröhlich treppauf , treppab . In der einen Tasche bauschte sich die Tüte mit dem Kandis und Zuckerbrot , welche die Näscherin niemals ausgehen ließ ; in der anderen klapperte das Beutelchen , aus welchem jedem Bettelkinde ein Pfennig oder Kreuzer zugeworfen ward . So gings hinüber in die Kellerei , wo zu Nutz und Frommen der Wirtschaft eine handfeste Magd vorgesetzt worden war ; dann durch die Heckenlücke in den Garten ; hinauf in die Brautlaube ; ein Husch in die Nachbarschaft ; ein Guck in Fräulein Hardines Kammer ; ein Knicks und Handkuß in Reckenburgs Familienzimmer , lächelnd und tänzelnd und trällernd vom Morgen zur Nacht : die echte , rechte , unermüdliche , kleine Dorl . Drittes Kapitel Die schwarze Reckenburgerin Ich hatte übrigens nur kurze Zeit das glückselige Treiben unserer neuen Hauswirtin zu beobachten , denn auch mein eigenes Leben sollte in jenen Sommerwochen einen unvorhergesehenen Wechsel erfahren . Ich habe schon zu Anfang der alten Gräfin als meines Vaters und meiner eigenen Patin erwähnt und hinzugefügt , daß keines von beiden sich jemals einer zeitgemäßen Pflicht- und Gunstbezeigung von seiten ihrer hohen Namensverleiherin zu erfreuen , sich einer solchen indes auch nicht von ihr versehen hatte . Anders vielleicht , wenn der letzte Sprößling des alten Stammes ein männlicher gewesen wäre . Aber ein Mädchen , die Tochter eines verarmten Seitenzweigs , wie hätte die » schwarze Häuptlingin « in ihrer fürstlichen Hoheit sich einer erinnern sollen , mit welcher der Name voraussichtlich in Dunkelheit erlosch ? Wer auch immer die Erben der wunderlichen Greisin sein mochten , der bescheidene Rittmeister von Reckenburg und sein dürftig erzogenes Fräulein , wir wußten es , waren es nicht . Groß , über allen Ausdruck groß war daher das Wunder , als im Laufe des Spätsommers ein eigenhändiges Schreiben der Gräfin , das erste seiner Art , die weiße Vetternsippe beehrte . Das Schreiben lautete , aus dem Französischen übersetzt : » Wenn die Freifrau und der Freiherr von Reckenburg geneigt sein sollten , ihre Tochter Eberhardine der Gräfin von Reckenburg als Gast während des nächsten Winters zu überlassen , so wird