in diesem untern Gezweig des gebogenen Baumes saß das schöne Kind der schönen Marie und lachte zum zweitenmal den Knaben hell an und der geschickt geworfenen Mütze nach . Es ist schon gesagt worden , wie sich das Fräulein von Saint-Trouin den ganzen Sommer hindurch bemüht hatte , seinem Zögling einen gehörigen Abscheu vor der kleinen Vagabundin einzuflößen , und wie viele treffliche Lehren und Folgerungen sich für ihn an dieses winzige , zierliche Persönchen knüpften . Also war es kein Wunder , daß der Junker ziemlich dumm zu dem Vöglein auf dem Ast emporsah und eine nicht kleine Sehnsucht nach dem schützenden Rock des Fräuleins verspürte . Allein noch schlug das Herz zu hoch in der jungen Freiheit , als daß nicht auch dieses Unbehagen überwunden werden konnte . » Guten Tag , Hennig ! Komm herauf , hier ist Platz für mehr Leute ! « rief Antonie Häußler . » Eh , eh , er fürchtet sich , und er kann nicht klettern , und die gelbe Frau leidet ' s nicht . Hu , wie kommst du in den Wald , wenn ' s regnen will , und ohne die gelbe Frau ? Komm herauf , oder ich komme herunter und fliege mit dir fort , daß du in deinem Leben nicht wieder in dein Dorf den Weg zurückfindest . « » Untersteh dich ! « rief der Knabe , sehr bestürzt und hastig einen dürren Ast vom Boden aufgreifend . » Er fürchtet sich wirklich ! « jauchzte das kleine Mädchen . » Soll ich dir auf den Kopf fallen , dummer Junge ? « » Ich fürchte mich nicht ! « schrie der Knabe , mit Tränen in den Augen den Stock fortwerfend . » Ich will mich nicht fürchten ! Komm herunter , du ; ich tue dir auch nichts , und das Frölen ist weit genug , vor dem brauchst du dich auch nicht zu fürchten . « Einen kurzen Moment zögerte das Kind , dann stand es auf seinem Aste leicht auf den Füßen , und im nächsten Augenblick glitt und trat es blitzschnell von dem knorrigen Stamm hinunter und stand vor dem Junker von Lauen in seinem flatternden Röckchen , dessen Stoff aus der Plunderkammer der gnädigen Frau stammte und dessen Zuschnitt und solide Arbeit der alten Frau vom Siechenhause alle Ehre machten . Um diese Jahreszeit fängt der Rehbock an , sein Gehörn abzuwerfen , und ein solches Gehörn zog die Kleine hervor und bot es gleichsam als Friedensunterpfand dem Knaben an . » Das findet man im Holze , und ich schenke es dir . « » Das ist nichts Großes , aber gib es nur her , du kannst es doch nicht gebrauchen « , sagte Hennig . » Wir haben zu Hause einen Saal mit Geweihen von Hirschen , einen ganzen Saal voll , die solltest du einmal sehen ! « » Ich frage nichts danach ! « war die Antwort , und das Gespräch stockte bedenklich , bis Hennig es zuletzt von neuem in Gang brachte , und zwar durch die schlaue Frage : » Bist du immer im Walde ? Was tust du im Walde ? Bist du immer allein im Walde ? « Antonie lachte wieder ganz lustig . » Ich denke mir was dabei ; aber das geht dich nichts an , Schafskopf ! Hab ich dich gefragt , weshalb du hierherkommst ? « Nun hätte die Unterhaltung füglich wieder zu Ende sein können und diesmal mit vollem Recht ; allein der gegenseitige Reiz , sie fortzuführen , war doch zu groß . » Was schimpfst du ? « fragte der Knabe . » Habe ich dich geschimpft ? « » Nein . Ich sage auch nur , was mir einfällt ; aber mich schimpfen sie in der Schule und im Dorf , und ich mache mir nichts daraus . Mach du dir auch nichts daraus ! « » Du , Tonie Häußler , weshalb will Frölen Trine nichts von dir wissen ? Weshalb schimpft sie dich und fürchtet sich vor dir ? « » Ich weiß nicht . Frage deinen guten Herrn , den Herrn Ritter . Frag meine Pflegemutter , die alte Frau im Armenhause . Du weißt ja , daß ich im Armenhause wohne , wenn ich nicht im Walde bin . « » Das weiß ich . Ich habe dich selbst mit den andern hingebracht , als du in Krodebeck ankamst , und ich habe mit dem Fräulein Adelaide vor der Tür gewartet , bis der Herr von Glaubigern mit der kranken Frau und dir drinnen fertig war . « » Meine Mutter ist tot , und ich wohne im Siechenhause , und ich wünsche mir kein besser Leben . Fürchtest du dich vor mir , dummer Junge ? « » Nein - du gefällst mir ! « » So laß uns laufen . Ich laufe gern . Ich laufe gern mit dem Winde um die Wette . Horch , da oben geht er in den Wipfeln und ruft uns hier unten am Erdhoden . Husch - he , weshalb hast du deinen alten Herrn nicht mitgebracht ? - Der liefe mit uns und lachte wie ich über die gelbe , lange Frau . « » Ich bin ihnen weggelaufen ! « sprach Hennig mit kuriosem Selbstgefühl . » Dem mürrischen Fräulein ? Hussa , das ist recht ! Da , komm , du bist kein dummer Junge . Das wirst du nun noch öfters tun ! « » Läufst du oft weg , Tonie ? « » Jeden Tag , denn sie sind an jedem Tag hinter mir her , sobald die Schule zu Ende ist . Sie machen es schon arg in der Schule , wenn der Kantor den Rücken wendet ; aber auf dem Kirchhof sind sie sehr schlimm . Ich habe keinen , der mir hilft , und deshalb laufe ich - laufe immerzu , immerzu . O ich kann schnell laufen , ich habe