das Mathisle wohnte . Nein - ich war noch nicht dort . Wir gingen erst hinauf , ich und die Mutter . Sie , mit dem eingepackten Mittagsessen für die Holzhacker , kam nur langsam , mir viel zu gemach , vorwärts . Mit einem großmächtigen Butterbrot in der Hand sprang ich voran über Stock und Stein . Da begegnet mir ein Mädchen , noch kleiner als ich , und richtete die schönen Augen auf meine Hand , daß sie mich beinahe zu brennen schien . Ich wußte nicht , wie weh der Hunger tut , aber ich hatte das Gefühl , die gute Dorothee möchte mein Butterbrot . Anfangs wollte ich teilen , aber als ich sie darüber so erfreut sah , schenkte ich ' s ihr ganz . Sie sprang heim , ich zur Mutter zurück . Als wir nun mitsammen zu Mathisles oder eigentlich zu unserm Häuschen kommen , da steht Dorothee vor der Tür und weint die hellen Tropfen , will es aber mich und die Mutter durchaus nicht merken lassen . Erst als ich frage , ob sie mit meinem Butterbrot schon fertig sei , kann sie sich nicht mehr zwingen und weint nun überlaut . Die Mutter aber hat darum den Lärm in der Stube doch noch gehört , denn ihr ist das bei weitem nicht so zu Herzen gegangen wie mir . Zuerst blieb sie stehen und horchte . Da war wohl zu merken , daß man stritt , aber worum es sich handelte , das konnte man aus den einzelnen Worten nicht erlesen . Just das aber wollte die Mutter wissen . Sie ging in die Stube , ohne lange anzuklopfen , und da hat sie denn sogleich den ganzen Sachverhalt erfahren . Voller Freuden war Dorothee mit ihrem Butterbrot heimgeeilt . Das Mathisle wollte eben auch ins Feld , obwohl es noch nicht zu Mittag gegessen hatte . So , sagte es , als es Dorotheens guten und ihm so seltenen Bissen sah , da gäb ' es jetzt noch etwas zum Mitnehmen für die Langeweile . Ja , nimm nur , soll das Mädchen schnell gesagt haben . Der Vater hat schon nach dem gelangt , was das Mädchen ihm gibt , mit weggewendetem Gesichte wohl , aber doch schnell und ohne zu teilen . Das ist denn seiner Mutter gewaltig zu Herzen gegangen . Er sei herzloser , unverschämter als ein wildes Tier , hat sie ihn angewettert , sonst würde er dem hungrigen Tröpflein doch nicht so den ersten guten Bissen , den es bekomme , wegnehmen dürfen . Nun klagte auch der Mann seine Not und behauptete , das Kind könne doch nicht einzig von diesem Butterbrot , wohl aber von seiner Arbeit leben . Ich weiß nicht mehr , was alles die beiden sich nun im Zorn sagten , wenn schon es mir und der Mutter lang und breit erzählt wurde , wobei denn der Streit von neuem anging , obwohl sie sich im ersten Schrecken recht ordentlich zusammengenommen hatten . Es war , als ob sie nun miteinander zu rechnen angefangen hätten , und mir ist wohl noch nie etwas so nahe gegangen als diese Rechnung . Und doch dachte ich dabei nur an Dorotheen , die zitternd neben dem Vater stand , nicht auch an ihren Bruder und an die ältere Schwester , die während des Lärms miteinander spielten , als ob sie so etwas lange gewohnt waren oder als ob es sie rein gar nichts angehen tät . Mir kam es ganz unbegreiflich vor , daß meine Mutter heute so lange still sein und ganz geduldig zuhören konnte . Dafür aber fuhr sie dann auch endlich um so wilder auf : Euch ist nicht zu helfen , ihr Elenden , denn jede Gabe brächte nur neuen Krieg ins Haus . Dem Kinde aber soll geholfen , es darf durch euer Beispiel nicht auch noch verderbt werden . Wie konnte nur Gott euch ein so schönes , unschuldiges Wesen anvertrauen ? Es wär ' ihm von Herzen zu gönnen , daß es euch gehören tat , murmelte das Mathisle . Gott hat es mir gezeigt , sagte meine Mutter , wie wenn sie beten täte , so feierlich , wie ich sie nie gehört hab . Sein heiliger Schutzengel hat deutlich genug zu mir gesprochen . Wenn ihr selbst mir das Mädchen wünscht , so will ich es nehmen , bevor ihr es noch gar an eine Zigeunerbande verkauft . So hat meine Mutter gesagt . Vom Mathisle und seinem Weib ist dann noch viel mehr Wesens gemacht worden , als man hätte vermuten können . Besonders dem Weib ist es schwer gefallen , daß man ihr das Kind nehmen wollte und daß sie zu seiner Erziehung nichts mehr sagen , ja es nur höchst selten einmal besuchen sollte . Trotzdem hat sie am Abende des nämlichen Tages das Mädchen und sein kleines Bündelein in unser Haus gebracht . Die gute Mutter Dorotheens - - Gott tröste sie im ewigen Leben - hat im voraus für alles Gute mit feuchten Augen gedankt und dem Mädchen zugesprochen zum Abschied , daß mir dabei ganz kalt worden ist . Nun , sie könnte zufrieden sein mit dem Mädchen , wenn sie noch lebte , und mit uns auch , und meine Mutter hat ihre Güte auch nie bereuen müssen . « Jetzt erst bemerkte Hans , daß er und Jos und der Heuwagen noch beinahe auf demselben Platze standen , wo er seine Erzählung begonnen hatte . Jos , der alles lebhaft vor sich sah , was er hörte , hatte immer schwächer gezogen und dachte auch jetzt noch nicht an seine Arbeit . » Nun « , sagte er herzlich , » jetzt begreife ich , warum dir das heute wieder einfallen mußte . « Zu einer anderen Zeit hätte es den Jos ordentlich ärgern können , hier wieder ein neues Band zu sehen , welches das Mädchen an dieses Haus fesseln mußte . In