, daß man ihr den Fuß auf den Nacken setzt ! « Felicitas sprach fest , mit tiefer klangvoller Stimme . Welche Gewalt hatte dieses merkwürdige , junge Geschöpf über sein Aeußeres ! - kaum , daß es die Hand hob bei den leidenschaftlichen Worten , die über seine Lippen strömten . » Der Gedanke , daß ich jenem Steingesichte wieder gegenüber stehen soll , regt mich mehr auf , als ich dir sagen kann , Tante ! « fuhr sie nach einem tiefen Atemholen fort . » Er wird mit der Stimme ohne Herz und Seele alles wiederholen , was er seit neun Jahren schriftlich an mir verbrochen hat ... Wie der grausame Knabe , der ein armes , geflügeltes Geschöpf am Faden flattern läßt , so hat er mich an dies schreckliche Haus gebunden und dadurch den letzten Willen des Onkels in einen Fluch für mich verkehrt ... Kann es etwas Grausameres geben , als seine Handlungsweise mir gegenüber ? Ich durfte keine geistigen Fähigkeiten , kein weiches Herz , kein empfindliches Ehrgefühl haben - das alles war unstatthaft bei einem Spielerskinde ; seine schmachvolle Abkunft konnte nur gesühnt werden dadurch , daß es eine sogenannte Magd des Herrn werde , eines jener armen Geschöpfe mit möglichst engbegrenztem Gesichtskreise . « » Nun , darüber sind wir hinausgekommen , mein Kind ! « sagte Tante Cordula mit einem feinen Lächeln . » Uebrigens wird jedenfalls mit seiner Ankunft ein Wendepunkt für dich eintreten , « fügte sie ernst hinzu . » Nach verschiedenen Kämpfen sicher - Frau Hellwig gab mir heute den Trost , es werde dann alles ein Ende haben . « » Nun , und dann werde ich dir nicht mehr zu wiederholen brauchen , daß du drunten ausharren müßtest , um den letzten Willen dessen zu ehren , der dich in sein Haus genommen und wie ein eigenes Kind geliebt hat ... Dann bist du völlig frei und wirst die Pflegerin deiner alten Tante vor aller Welt , und wir dürfen nicht mehr fürchten , auseinander gerissen zu werden , denn die drunten haben sich ihres Rechtes begeben . « Felicitas sah mit leuchtenden Augen auf , sie ergriff rasch die kleine , welke Hand der alten Mamsell und zog sie an ihre Lippen . » Und denke nicht schlimmer von mir , Tante , seit du tiefer als bisher in mein Inneres gesehen hast , « bat sie mit weicher Stimme . » Ich liebe die Menschen und habe eine sehr hohe Meinung von ihnen , und wenn ich mich so energisch gegen geistigen Tod gewehrt habe , so hat mich zum Teil auch der Gedanke angetrieben , in ihrem Kreise mehr zu sein , als ein gewöhnliches Lasttier ... Werde ich auch durch einzelne mißhandelt , so bin ich doch weit entfernt , meine Anklage über die gesamte Menschheit auszudehnen - ich habe nicht einmal Mißtrauen gegen sie ... Dagegen bin ich nicht im stande , meine Feinde zu lieben und die zu segnen , die mir fluchen . Ist das ein dunkler Punkt in meinem Charakter , so kann ich ' s nicht ändern , und , Tante - ich will auch nicht , denn hier ist die haarscharfe Grenze zwischen Milde und Charakterlosigkeit ! « Tante Cordula schwieg und heftete den trüben Blick auf den Boden ... Hatte sie auch einen Moment in ihrem Leben , wo sie nicht oder nur mit unsäglicher Ueberwindung verzeihen konnte ? ... Sie ließ das Gespräch absichtlich fallen , nahm selbst Nadel und Faden zur Hand , und nun wurde ununterbrochen gearbeitet , und als der Abend hereindämmerte , war ein stattliches Bündel fertig . Tief in seinem Innern steckte der silberne Kern , jenes kleine Kapital , das der arme Tischlermeister von den » Gottbegnadeten « vergebens erfleht hatte und welches er nun unbewußt empfing aus den Händen der sogenannten Ungläubigen . Als Felicitas die Wohnung der alten Mamsell verließ , war es schon lebendig im Vorderhause . Sie hörte das Kind der Regierungsrätin , die kleine Anna , lachen und plaudern , und der Vorsaal im zweiten Stockwerke hallte wider von kräftigen Hammerschlägen . Das junge Mädchen flog durch den Korridor , der in den Vorplatz mündete . Dort stand Heinrich auf einer Leiter und befestigte Guirlanden über einer Thür . Bei Felicitas ' Erblicken schnitt er eine urkomische Grimasse , in welcher Grimm , Spott und Laune um die Oberhand stritten , und schlug noch einigemal heftig auf die unglücklichen Nägelköpfe , als sollten sie zu Brei zermalmt werden , dann stieg er herunter . Die kleine Anna hatte mit feierlichem Ernste die Leiter gehalten , damit sie nicht umfallen sollte , als sie aber Felicitas erblickte , da vergaß sie ihres wichtigen Amtes , wackelte schwerfällig auf sie zu und schlang zärtlich die Aermchen um deren Knie . Das junge Mädchen hob sie vom Boden auf und nahm sie auf den Arm . » Thun die Leute nicht , als ob morgen eine Kopulation im Hause wäre , « sagte Heinrich halblaut und geärgert , » und derweil kommt einer , der nicht rechts , noch links sieht und den ganzen Tag ein Gesicht macht , als ob er Essig verschluckt hätte « ... Er hob das eine Ende der Guirlande auf . » Gucke da , Blümelein Vergißmeinnicht ist auch d ' rin ... na , die das Dings da gebunden hat , die wird schon wissen warum ... Aber Feechen , « unterbrach er sich ärgerlich , als er sah , daß das Kind seine Wange an Felicitas ' Gesicht legte , » thue mir doch den einzigen Gefallen und nimm das kleine Scheusälchen nicht immer auf den Arm - es hat ja keinen gesunden Tropfen Blut im Leibe , und vielleicht steckt ' s doch an . « Felicitas legte rasch die Linke um die kleine Gestalt und drückte sie voll tiefen Erbarmens an ihre Brust . Das Kind fürchtete sich vor Heinrichs feindseligem Blicke und versteckte sein