hergerichtet ; neben der Suppenschüssel leuchtete eine purpurrote Pyramide , die ersten Walderdbeeren , die der kleine Ernst , aber auch die große Elisabeth mit lautem Jubel begrüßte . Der Oberförster lachte über den Enthusiasmus des großen und des kleinen Kindes und meinte , er dürfe doch nicht hinter Sabine und ihrer Extraüberraschung zurückbleiben ; er wolle deshalb den Braunen einspannen und Elisabeth , wie längst versprochen , nach L. fahren , wo er ohnehin Geschäfte abzumachen habe . Der Vorschlag wurde von dem jungen Mädchen mit heller Lust aufgenommen . Bei Tische erzählte Elisabeth vom gestrigen Abend . Der Onkel wollte sich ausschütten vor Lachen . » Kourage hat der Doktor freilich gezeigt , « rief er lachend , » aber was hilft ' s ihn , es war doch die letzte Tasse Thee , die er gestern in Lindhof getrunken hat . « » Unmöglich , Onkel , es wäre empörend ! « rief Elisabeth , » das kann und wird Fräulein von Walde nicht zugeben , sie wird sich aus allen Kräften widersetzen . « » Nun , « sagte er , » ich wünschte nur , wir könnten auf der Stelle das Fräulein um ihre heutigen Gesinnungen gegen den Doktor befragen , da solltest du dein blaues Wunder hören ... Wie sollte auch in solch einem gebrechlichen Gehäuse eine starke Seele stecken ; mit der wird das herrschsüchtige Weib bald fertig , und jeder andere Zügel fehlt , denn der Himmel ist hoch und der Zar ist weit , sagen die Russen ... Gelt , Sabine , wir haben schon gar wunderliche Dinge erlebt , seit die Frau Baronin das Regiment führt ? « » Ach , ja wohl , Herr Oberförster , « entgegnete die Alte , die eben ein neues Gericht auf den Tisch setzte , » wenn ich nur an die arme Schneider denke ... Das ist eine Taglöhnerswitwe aus Dorf Lindhof , « wandte sie sich an die anderen , » sie hat immer rechtschaffen gearbeitet , um sich durchzubringen , und hat ihr auch niemand was Unrechtes nachsagen können ; aber sie muß vier kleine Kinder ernähren , das arme Weib , und lebt nur von der Hand in den Mund ... Und da ist ' s ihr einmal im vorigen Herbst recht schlecht gegangen ; sie hat nicht gewußt , wie sie die Kinder satt machen soll , nu , da hat sie sich etwas zu schulden kommen lassen , was freilich nicht recht war - sie hat von einem herrschaftlichen Acker eine Schürze voll Kartoffeln mitgenommen . Der Verwalter Linke aber hat hinter einem Busche gestanden ; das sehen , vorspringen und auf die Frau losschlagen ist eins gewesen . Ja , wenn er ' s bei einem kleinen Denkzettel hätte bewenden lassen , da wollte ich nichts sagen ; aber er hat gar nicht wieder aufgehört und hat sie sogar wütend mit dem Fuße getreten ... Ich hatte dazumal gerade etwas in Lindhof zu besorgen , und wie ich da unter den Kirschbäumen beim Dorfe hingehe , sehe ich einen Menschen an der Erde liegen , es war die Schneider ; sie hatte ein erschreckliches Blutbrechen , konnte kein Glied mehr rühren , und keine Menschenseele war bei ihr . Da hab ' ich Leute gerufen , und die haben mir geholfen , sie nach Hause zu bringen . Der Herr Oberförster war zwar damals verreist , aber ich habe mir gedacht , er würde mir ' s auch nicht verwehren , wenn er da wäre , und habe das arme Weib verpflegt , soviel in meinen Kräften stand ... Die Leute im Dorfe waren wütend über den Verwalter , aber was konnten sie denn machen ? Es wurde zwar gesagt , die Sache käme vor Gericht ; ja , da kann man warten ... Der Linke ist einer von den Frommen ; er ist die rechte Hand bei der Baronin , verdreht die Augen und thut alles im Namen des Herrn . Es durfte doch um keinen Preis unter die Leute kommen , daß so ein Frommer mitunter auch recht unmenschlich sein könne , und da ist die Frau Baronin alle Tage in die Stadt gefahren und hat sich sehr herabgelassen ; kurz und gut , die Geschichte ist vertuscht worden , und die Schneider , die noch immer nicht ordentlich fort kann , hat ihre Schmerzen leiden müssen , und ist ihr und ihren Kindern weder ein Trank noch ein Bissen Brot vom Schlosse aus gereicht worden während ihrer schweren Krankheit ... Ja , der Verwalter und die alte Kammerjungfer bei der Baronin , die treiben ' s arg zu Lindhof . Die sitzen in der Bibelstunde und in der Schloßkirche und schnüffeln und merken sich fleißig , wer fehlt , und das hat schon manchen ordentlichen Menschen um die Arbeit im Schlosse gebracht . « » Na , jetzt wollen wir uns aber nicht weiter ärgern , « sagte der Oberförster . » Mir wird jeder Bissen im Munde bitter , wenn ich an diese Geschichten denke , und unser schöner Sonntag , auf den ich mich die ganze Woche freue , soll keinen anderen Schatten haben , als den sich die schuldlosen , weißen Wölkchen da droben erlauben . « Bald nach dem Essen rollte die kleine Equipage vor das Haus . Der Oberförster stieg hinauf , und wie ein Blitz war Elisabeth an seiner Seite . Indem sie den Zurückbleibenden noch einmal grüßend zunickte , flog ihr Blick über das Haus ; aber sie erschrak bis ins innerste Herz vor den Augen , die aus dem oberen Stockwerke auf sie niederstarrten . Freilich verschwand der Kopf gleich wieder , allein Elisabeth hatte die stumme Bertha erkannt , hatte gesehen , daß der Blick voll Haß und Ingrimm ihr gegolten , obgleich sie sich die Ursache dieser Feindseligkeit nicht denken konnte . Bertha hatte bisher in der strengsten Zurückgezogenheit der Familie Ferber gegenüber beharrt ; nie kam sie zum Vorschein , so oft auch