seine verschwenderische Freigebigkeit gewissermaßen das Recht erworben hatte , der einzige zu sein . Er wußte , daß Eleonore ihm nicht eine rigorose Treue bewahrte , und kümmerte sich nicht eben darum ; aber er liebte es nicht , mit seinen Nebenbuhlern in derselben Wohnung zusammenzutreffen , die er mit fürstlicher Pracht für seine Maitresse hatte herrichten lassen . Ich bitte mir eine Erklärung dieser Scene aus , Mademoiselle , sagte er , sich von mir zu Eleonoren wendend , in einem Ton beleidigender Geringschätzung , der mir alles Blut aus den Wangen zum Herzen trieb . Ich öffnete den Mund zu einer heftigen Antwort , aber Eleonore kam mir zuvor . Sie war , sobald sie den Eingetretenen erblickte , emporgesprungen und stand jetzt , mich ein wenig zurückdrängend , zwischen mir und ihm . Dieser Herr , sagte sie , auf mich deutend , hat sich ein Recht erworben , hier zu sein . Wodurch ? Durch das Unglück , mich einmal geliebt zu haben . Ah , Mademoiselle , erwiderte der junge Mann mit ironischem Lächeln , dies Unglück theilt Monsieur mit vielen Anderen . Mein Herr ! sagte ich , welche Ansprüche Sie auch an Mademoiselle haben mögen , ich habe ältere Rechte , und ich werde es nicht dulden , daß Sie eine Dame , mit der ich einst verlobt war , in meiner Gegenwart beschimpfen . Ah , sagte der junge Mann ; Sie waren mit Mademoiselle verlobt ? In der That ! da werden Sie sie auch wohl noch heirathen und ich - mit einem Blick in dem Zimmer umher - werde die Dummheit haben , Mademoiselle auszustatten ? Sehr gut ausgedacht , in der That . Halten Sie ein , mein Herr ! rief Eleonore , sich zu ihrer ganzen Höhe emporrichtend ; es ist genug . Sie denken mich halten zu können , mich beleidigen zu können , weil ich Geschenke von Ihrer Hand entgegennahm . Hier haben Sie zurück , was Sie mir gaben . Da ! und da ! und da ! und sie riß mit fieberhafter Hast die goldenen Armbänder und das andere Geschmeide , das sie trug , ab und warf es dem jungen Mann vor die Füße . Die Leidenschaft , mit der sie dies Alles that , war zu augenscheinlich , um verkannt zu werden , und imponirte dem Dandy sichtlich . Ich habe genug von dieser Scene , murmelte er ; wir sprechen uns wieder , Mademoiselle ; hier ist meine Karte , Monsieur ! und er eilte zur Thür hinaus . Komm , komm ! rief Eleonore ; nicht einen Augenblick länger bleibe ich hier ; lieber auf dem Grund der Seine als hier . Ich nahm sie beim Wort . Ich bat sie , sich umzukleiden , während ich in ihrem Namen an den Marquis de Saintonge ( so hieß der Liebhaber Eleonorens ) schrieb und ihm die Wohnung , die er für Eleonoren gemiethet und Alles , was er ihr sonst geschenkt , wieder zur Verfügung stellte . Wir verließen die Wohnung , übergaben die Schlüssel dem Portier und den Brief einem Commissionair zur sofortigen Bestellung , und einige Stunden später hatten wir , nachdem ich meine Angelegenheiten geordnet und von meinem Freunde Abschied genommen , die Stadt hinter uns . Unsere Reise sollte vorläufig nicht weit gehen . Schon wenige Stationen von Paris erkrankte Eleonore so , daß wir in einem Städtchen Halt machen mußten . Der herbeigerufene Arzt , glücklicherweise ein geschickter Mann , erklärte , daß sich bei der Mademoiselle , meiner Schwester ( dafür galt Eleonore ) alle Symptome einer Gehirnentzündung zeigten . Seine Diagnose war nur zu richtig gewesen . Schon am folgenden Tage kam die fürchterliche Krankheit zum Ausbruch . Während die Aermste von den heißen Orgien im Jardin aux Lilas und dem kühlen Schatten ihrer heimischen Wälder , vom Marquis de Saitonge und anderen Pariser Bekanntschaften und von mir , der ich ihr bald als ein rettender Engel , bald als ein Rachegott erschien , phantasirte , hatte ich , an ihrem Lager sitzend , Zeit genug zur Ueberlegung . Bei meiner hartnäckigen Verfolgung der Spur Eleonorens war ich viel mehr von einem dunklen Drange als von klaren Absichten geleitet gewesen , am wenigsten hatte ich an die Möglichkeit einer so wunderlichen Situation , als in welcher ich mich jetzt befand , gedacht . Aber in der Rathlosigkeit war der eine Gedanke über jeden Zweifel erhaben : daß ich Eleonoren , wenn sie die Krankheit überstehen sollte , nimmer wieder verlassen dürfe . In der That stellten sich nach einiger Zeit Zeichen der Besserung ein , und eines Morgens verkündete mir der Arzt , daß eine glückliche Krisis eingetreten und Eleonore vorläufig aus aller Gefahr sei . Indessen , fügte er mit ernster Miene hinzu , ich glaube Ihnen nicht verhehlen zu dürfen , daß nach menschlicher Berechnung die Zeit , welche Ihrer Schwester noch zu leben bleibt , nicht mehr sehr lang sein wird . Ich habe eine Lungenkrankheit diagnosticirt , die schon entsetzliche Fortschritte gemacht hat . Ich kenne Ihre Verhältnisse nicht und weiß nicht , ob dieselben Ihnen erlauben werden , meinem Rathe zu folgen . Mein Rath ist aber der : gehen Sie mit Ihrer Schwester in ein südliches Klima , nach Italien , wo möglich Aegypten . Einem rauheren Klima würde Mademoiselle in der kürzesten Zeit erliegen . Mein Entschluß war sofort gefaßt . Ich hatte in Deutschland , wo mir als Nachcur meiner fünfjährigen Kerkerhaft jede öffentliche Lehrthätigkeit untersagt war , nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren . Mein Vermögen war im Verlauf meiner Irrfahrten bis auf einen sehr bescheidenen Rest zusammengeschrumpft ; aber ich konnte diesen Rest eben so gut in Italien ausgeben , als anderswo ; überdies glaubte ich im Auslande meine Sprachkenntnisse noch am besten verwerthen zu können ; und schließlich - ich hatte keine Wahl . Ich würde lieber das Aeußerste erduldet , als etwas , das zu Eleonorens Wohl dienen konnte ,