Kessel ein Reisigfeuer entfacht hatte , in tiefer , wohllautender Stimme , an dem Kessel schaffend und ab- und zugehend , eines jener slavischen Volkslieder , deren süß-melodische Klage uns Wehmuth in ' s Herz und Thränen in die Augen lockt . Oswald saß da , den Kopf in die Hand gestützt und hörte und schaute zu , wie im Traum . Es war , als ob die nie zuvor gehörten melancholischen Töne ganz neue Gefühle in ihm wach riefen , ein tiefes Mitleid mit seiner , mit aller Wesen Existenz und doch auch ein Sehnen und Schmachten nach einem unendlichen , namenlosen Glück . Das Lied war zu Ende . Oswald fuhr empor . Er sah auf seine Uhr . Schon drei Stunden waren vergangen , seitdem er den Wald betreten ; er durfte , wollte er noch heute Melitta sehen , keinen Augenblick zögern . Kann mich der Cziko den Weg nach Berkow führen ? sagte er , auf die Frau zutretend und ihr ein paar Geldstücke bietend . Die Zigeunerin strich das Geld aus der flachen Hand , als ob es ihr nur darauf ankomme , die Linien derselben genauer zu sehen , und sie an den Fingerspitzen festhaltend , schien sie eifrig darin zu lesen . Nun , sagte Oswald lächelnd , da steht wohl nicht viel Gutes ? Viel Gutes , viel Schlimmes , sagte die Zigeunerin , den Kopf schüttelnd . Das ist meistens so im Leben , sagte Oswald , und worin bestände denn das Gute ? Viel Gutes , viel Schlimmes , wiederholte die Zigeunerin . Jede gute Linie von einer schlimmen durchkreuzt ; kann das Gute nicht nennen , ohne das Schlimme . Nun , so nenne es , wie es kommt , sagte Oswald , der anfing , ungeduldig zu werden . Viel zum Glück , und doch nicht glücklich , murmelte die Zigeunerin . Männern Feind und Frauen Freund ; rasch im Hassen , rasch im Lieben ; buntes Leben , früher Tod . Nun , sagte Oswald , das läßt sich ja noch hören . Aber wie war das mit den Frauen ? das interessirt mich . Viel Gutes , viel Schlimmes , wiederholte das Weib , den Kopf noch tiefer beugend , als sollte ihr auch die feinste Linie nicht entgehen ; viel , sehr viel Liebe und doch wenig , ach ! so wenig Glück ! Liebe ich jetzt ? Ja . Und wen ? Eine sehr vornehme , sehr schöne und sehr reiche Dame . Hm ! und liebt sie mich auch ? Mehr , viel mehr , als Du sie ! Und wo steckt denn das Schlimme ? Viel , viel Schlimmes ; denn Du kannst nicht treu sein . Woher weißt Du das ? Die Wahrsagerin zuckte mit den Achseln . Hier steht noch eine Dame und hier noch eine - Du liebst sie alle ; das sollte nicht sein ; bringt Dir kein Glück . Aber mit dem bunten Leben und dem frühen Tode hat es doch seine Richtigkeit ? Nun denn , so kann ja auch das Unglück so groß nicht sein . Und hier hast Du noch etwas zum Lohn für die gute Kunde . Danke , nehme nur für das Glück , das ich verkünde , nichts für das Unglück . Da wundert es mich freilich nicht , daß Sie so arm sind , gute Frau ! So nehmen Sie ' s als Botenlohn für den Cziko . Die Zigeunerin nahm mit wirklichem oder nur geheucheltem Widerstreben das Geld und rief dem Kinde , das während dieser Zeit fortwährend , in sich versunken , auf seinem Instrument leise phantasirt hatte , in ihrer Sprache ein paar Worte zu . Das Kind sprang auf , trat vor Oswald und sagte : Willst Du kommen , Herr ? Adieu , liebe Frau ! sagte Oswald , nicht ohne Theilnahme dem Zigeunerweib in die dunklen , glänzenden Augen schauend ; wenn Sie nach Grenwitz kommen , vergessen Sie nicht , nach dem Doctor Stein zu fragen . Die Frau kreuzte die Arme über dem vollen Busen und neigte sich tief . Oswald ergriff seinen Hut und folgte dem Kinde , das schon hinter den Bäumen fast verschwunden war . Zwölftes Capitel Nicht so schnell , Cziko ! rief Oswald , den Schooß seines Rockes von den Dornen eines Busches los machend ; nimm Rücksicht auf meinen civilisirten Zustand . Das Kind ging langsamer , hielt sich aber immer in scheuer Entfernung von dem Fremden . Vergebens suchte es Oswald in ein Gespräch zu verwickeln , während er mühsam die Büsche auseinander drückte , durch die der kleine Zigeuner wie eine wilde Katze schlüpfte . So waren sie vielleicht eine Viertelstunde gegangen , als sie plötzlich aus dem dichten Wald in ein Gehölz gelangten , das schon zu dem Parke von Berkow gehören mußte . Reinlich gehaltene Wege , hier und da eine grüne Bank oder eine verwitterte Hermensäule ; überall die Spuren ordnender Menschenhand . Dann traten sie auf einen breiteren Fahrweg , der wohl die Fortsetzung desselben Weges sein mochte , von welchem Oswald abgekommen war , und der mit einem eisernen Gitterthor endigte , das unmittelbar auf den Hof des Gutes führte . Cziko blieb stehen , deutete stumm auf das Thor ; dann , nachdem er sich vor Oswald mit verschränkten Armen verneigt hatte , sprang er in die Büsche zurück und war im nächsten Augenblicke verschwunden . Ein geheimnißvoller Anfang , sprach der junge Mann bei sich , während er langsam , fast zögernd auf das Thor zuschritt . Ist es die Nachwirkung der seltsamen Zigeunerwirthschaft , oder die Vorahnung dessen , was mir hier in diesem Schloß der Zauberin begegnen soll - aber mir ist wunderlich zu Muthe . Ich hätte am Ende doch besser gethan , den Wagen , welchen mir gestern der alte Baron anbot , nicht auszuschlagen . Ich wäre dann vielleicht dem Pastor und seiner Primula entgangen , und auf jeden Fall käme