sollten , in ihrer gefährlichen Lage keineswegs wie im Himmel befinden mochten . Zwei der schönsten Jungfrauen standen oder schwebten vielmehr auch nur auf hohen Piedestalen zu den Seiten dieses kleinen gothischen Baues . Die tadellosen Gestalten waren nur wenig von dünnen , flatternden Gewändern und Blumenguirlanden verhüllt und trugen goldene , blumengefüllte Füllhörner , deren Inhalt auf den Erwarteten zu schütten . Andere , minder anstößig gekleidete Mädchen standen zum Blumenstreuen bereit . Der Magistrat hatte sich in glänzender Amtstracht auf dem Rathhaus versammelt , dem König entgegenzuziehen . Voran die beiden Loosunger Hans von Tucher und Wilhelm Holzschuher , dann die drei obersten Hauptleute , die sieben älteren Herren , alle Bürgermeister und Schöppen , der ganze große und kleine Rath , darunter auch Christoph Scheurl , sein Schwiegervater Martin Behaim und Gabriel Muffel . Auch die Genannten und Patriziersöhne hatten sich eingefunden , im Reichthum einer ausgesuchten Tracht einander gerade so wie die Frauen überbietend , und unter ihnen war es Stephan Tucher gelungen , sich am meisten hervorzuthun . Alle Zünfte mit ihren Fahnen standen bereit , die Meister voran , gefolgt von dem langen Schweif der Gesellen und Lehrlinge . Auch die Steinmetzen der Nürnberger Baubrüderschaft fehlten nicht , der blonde Hieronymus trug ihre Fahne und hielt sie hoch empor , damit sie mit den goldenen Zirkeln auf strahlendem Himmelblau dem König entgegenwinke , der schon einst auf einem Hüttentag zu Wien sich selbst als Mitglied der Bauhütte hatte aufnehmen lassen und ein Baubruder geworden war . Von allen Häusern zogen sich grüne Festons über die Straßen oder unter den Fenstern hin , aus vielen derselben hingen kostbare Teppiche nach venetianischer Sitte , welche man hier so gern nachahmte , und im gewähltesten Putz schauten die Frauen daraus hervor . Durch die Straßen , durch welche der Zug kommen mußte , drängte sich die Menschenmenge Kopf an Kopf , kaum in Schranken gehalten von den Rathsdienern , Stadtschützen und Bütteln , die seit einem Jahrzehent mit Wehren versehen worden waren , um sich mehr Respekt verschaffen zu können . Ein dreimaliger Stoß in ein großes Horn auf der Veste , das Kaiser Friedrich bei seiner letzten Anwesenheit daselbst hatte anbringen lassen , das seitdem aber außer Gebrauch gekommen , gab endlich das Zeichen von der Ankunft des Ersehnten . Alles gerieth in Bewegung , selbst die Rathsherren auf dem Rathhaus , die Züge ordneten sich , die Volkshaufen auf den Straßen machten den Stadtschützen immer größere Noth , und die Frauen legten sich so weit aus den Fenstern , daß man von manchen fürchten konnte , sie möchten gar hinausfallen . Der Zug kam nicht durch die Straße , in welcher Ursula wohnte , darum war sie zu Elisabeth gegangen . Da standen sie wieder Beide in dem zierlichen Chörlein , von dem aus sie so bequem auf die Straße sehen konnten und den Ankommenden gerade in ' s Gesicht . Sie hatten die großen Fenster ganz geöffnet und wurden so auch hier mehr gesehen , als an jedem andern Platz . Unwillkürlich lenkten sich schon alle Blicke nach dem überhaupt noch ganz neuen und darum ganz blank aussehenden Hause , an dem auch jetzt sein Besitzer nichts gespart hatte , die bleibende Pracht desselben noch durch nur auf diesen Tag berechneten Schmuck zu erhöhen . Um die durchbrochene Arbeit an dem Chörlein noch schöner hervortreten zu lassen , waren Blumen dahinter angebracht , und durch Grün und Blumen das Ganze in einen Blumentempel verwandelt . Die Fenster waren ausgehoben und nur die oberen buntgemalten Bogenfenster strahlten im Sonnenglanz , golddurchwirkte Teppiche deckten die Brüstung , und hinter dieser standen die beiden Damen , Ursula in zartes Rosa gekleidet , Haar und Kleid mit weißen Rosenguirlanden geschmückt , und Elisabeth in grünen golddurchwirkten Brokat von auffallendem Schnitt nach portugiesischer Art. Ein dünner Schleier war durch ein funkelndes Stirnband gehalten und gleiche kostbare Steine in Gold gefaßt glänzten an ihren weißen Armen und ihrer Brust . Wohl Wenige zogen vorüber , ohne einen Blick auf die beiden mehr als alle andern sichtbaren Schönheiten zu werfen , und sowohl vor ihnen als vor der Gattin des hochangesehenen Christoph Scheurl neigten die Fahnenträger ihre Fahnen ; selbst Hieronymus that es und flüsterte dem neben ihm gehenden Ulrich zu : » Das ist nicht nur die schönste , sondern auch die aufgeklärteste Frau in Nürnberg . « Unwillkürlich weilten Ulrich ' s Augen mit ihrem begeisterten Ausdruck lange auf der schönen Frau , so daß diese halb von einem höhern Gedanken entzündet , halb von dem ihr zuweilen eigenen Muthwillen erfaßt , eine weiße Rose aus einem für den König bereitgehaltenen Blumenkorb nahm und sie gutzielend in Ulrich ' s Gesicht warf , indem sie zu Ursula lächelnd sagte : » Ich bin eine begeisterte Anhängerin dieser Baubrüder , und ärgere mich doch über sie , daß sie keine Frauen unter sich dulden . Ich glaube , dieser hübsche Geselle mit der stolzen Haltung verdient schon eine Strafe , daß er mich seines Blickes gewürdigt . « » Und Du giebst sie ihm selbst durch diese Handlung oder verdoppelst sie , indem Du die Aufmerksamkeit auf ihn lenkst ? « sagte Ursula erschrocken und vorwurfsvoll . Ulrich hatte indeß die Rose aufgefangen und antwortete mit einem stolzen verweisenden Blick . Die Rose aus profanen Frauenhänden annehmen mocht ' und durst ' er nicht , und gleichwohl mochte er sie auch nicht zertreten lassen . Er warf sie auf gut Glück zur Seite unter die Volksmenge . Elisabeth ' s Augen flammten . Das war ihr noch nicht begegnet , daß ein Mann , der eine Blume von ihr empfangen , dieselbe weggeworfen . Ursula sagte : » Sieh dort das hübsche kleine Mädchen mit den schwarzen Zöpfen , das Deine Rose aufgefangen und jetzt mit glücklichem Lächeln sich ansteckt ? « » Welcher Schimpf ! « rief Elisabeth und starrte das kleine Mädchen an , als habe sie ein Gespenst gesehen . Es war wirklich ein hübsches Kind von