ich in der Tat eine Schreinerwerkstätte vor mir , in welcher tätig gearbeitet wurde . An den Fenstern , durch welche reichliches Licht hereinfiel , standen die Schreinertische , und an den übrigen Wänden , welche fensterlos waren , lehnten Teile der in Arbeit begriffenen Gegenstände . Hier fand ich wieder eine Ähnlichkeit mit meinem Vater So wie er sich einen jungen Mann abgerichtet hatte , der ihm seine altertümlichen Geräte nach seiner Angabe wieder herstellte , so sah ich hier gleich eine ganze Werkstätte dieser Art ; denn ich erkannte aus den Teilen , die herumstanden , daß hier vorzüglich an der Wiederherstellung altertümlicher Gerätschaften gearbeitet werde . Ob auch Neues in dem Hause verfertigt werde , konnte ich bei dem ersten Anblicke nicht erkennen . Von den Arbeitern hatte jeder einen Raum an den Fenstern für sich , der von dem Raume seines Nachbars durch gezogene Schranken abgesondert war . Er hatte seine Geräte und seine eben notwendigen Arbeitsstücke in diesem Raume bei sich , das andere , was er gerade nicht brauchte , hatte er an der Hinterwand des Hauses hinter sich , so daß eine übersichtliche Ordnung und Einheit bestand . Es waren vier Arbeiter . In einem großen Schreine , der einen Teil der einen Seitenwand einnahm , befanden sich vorrätige Werkzeuge , welche für den Fall dienten , daß irgend eines unversehens untauglich würde und zu seiner Herstellung zu viele Zeit in Anspruch nähme . In einem andern Schreine an der entgegengesetzten Seitenwand waren Fläschchen und Büchschen , in denen sich die Flüssigkeiten und andere Gegenstände befanden , die zur Erzeugung von Firnissen , Polituren oder dazu dienten , dem Holze eine bestimmte Farbe oder das Ansehen von Alter zu geben . Abgesondert von der Werkstube war ein Herd , auf welchem das zu Schreinerarbeiten unentbehrliche Feuer brannte . Seine Stätte war feuerfest , um die Werkstube und ihren Inhalt nicht zu gefährden . » Hier werden Dinge , « sagte mein Begleiter , » welche lange vor uns , ja oft mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeit verfertigt worden und in Verfall geraten sind , wieder hergestellt , wenigstens so weit es die Zeit und die Umstände nur immer erlauben . Es wohnt in den alten Geräten beinahe wie in den alten Bildern ein Reiz des Vergangenen und Abgeblühten , der bei dem Menschen , wenn er in die höheren Jahre kömmt , immer stärker wird . Darum sucht er das zu erhalten , was der Vergangenheit angehört , wie er ja auch eine Vergangenheit hat , die nicht mehr recht zu der frischen Gegenwart der rings um ihn Aufwachsenden paßt . Darum haben wir hier eine Anstalt für Geräte des Altertums gegründet , die wir dem Untergange entreißen , zusammenstellen , reinigen , glätten und wieder in die Wohnlichkeit einzuführen suchen . « Es wurde , da ich mich in dem Schreinerhause befand , eben an der Platte eines Tisches gearbeitet , die , wie mein Begleiter sagte , aus dem sechzehnten Jahrhunderte stammte . Sie war in Hölzern von verschiedener , aber natürlicher Farbe eingelegt . Bloß wo grünes Laub vor kam , war es von grüngebeiztem Holze . Von außen war eine Verbrämung von in einander geschlungenen und schneckenartig gewundenen Rollen Laubzweigen und Obst . Die innere Fläche , welche von der Verbrämung durch ein Bänderwerk von rotem Rosenholze abgeschnitten war , trug auf einem Grunde von braunlich weißem Ahorne eine Sammlung von Musikgeräten . Sie waren freilich nicht in dem Verhältnisse ihrer Größen eingelegt . Die Geige war viel kleiner als die Mandoline , die Trommel und der Dudelsack waren gleich groß , und unter bei den zog sich die Flöte wie ein Weberbaum dahin . Aber im einzelnen erschienen mir die Sachen als sehr schön , und die Mandoline war so rein und lieblich , wie ich solche Dinge nicht schöner auf den alten Gemälden meines Vaters gesehen hatte . Einer der Arbeiter schnitt Stocke aus Ahorn , Bux , Sandelholz , Ebenholz , türkisch Hasel- und Rosenholz zurecht , damit sie in ihrer kleineren Gestalt gehörig austrocknen konnten . Ein anderer löste schadhafte Teile aus der Platte , und ebnete die Grundstellen , um die neuen Bestandteile zweckmäßig einsetzen zu können . Der dritte schnitt und hobelte die Füße aus einem Ahornbalken , und der vierte war beschäftigt , nach einer in Farben ausgeführten Abbildung der Tischplatte , die er vor sich hatte , und aus einer Menge von Hölzern , die neben ihm lagen , diejenigen zu bestimmen , die den auf der Zeichnung befindlichen Farben am meisten entsprächen . Mein Begleiter sagte mir , daß das Gerüste und die Füße des Tisches verloren gegangen seien und neu gemacht werden müßten . Ich fragte , wie man das einrichte , daß das Neue zu dem Vorhandenen passe . Er antwortete : » Wir haben eine Zeichnung gemacht , die ungefähr darstellte , wie die Füße und das Gerüste ausgesehen haben mögen . « Auf meine neue Frage , wie man denn das wissen könne , antwortete er : » Diese Dinge haben so gut wie bedeutendere Gegenstände ihre Geschichte , und aus dieser Geschichte kann man das Aussehen und den Bau derselben zusammen setzen . Im Verlaufe der Jahre haben sich die Gestaltungen der Geräte immer neu abgelöset , und wenn man auf diese Abfolge sein Augenmerk richtet , so kann man aus einem vorhandenen Ganzen auf verloren gegangene Teile schließen , und aus aufgefundenen Teilen auf das Ganze gelangen . Wir haben mehrere Zeichnungen entworfen , in deren jede immer die Tischplatte einbezogen war , und haben uns auf diese Weise immer mehr der mutmaßlichen Beschaffenheit der Sache genähert . Endlich sind wir bei einer Zeichnung geblieben , die uns nicht zu widersprechend schien . « Auf meine Frage , ob er denn immer Arbeit für seine Anstalt habe , antwortete er : » Sie ist nicht gleich so entstanden , wie Ihr sie hier sehet . Anfangs zeigte sich die Lust an alten und vorelterlichen