gab er ihr zu verstehen , daß er sie einstmals in sein Testament setze . Barfüßele kümmerte sich nicht darum und baute nicht viel darauf , sie erwartete nur den Lohn , den sie mit Recht und Sicherheit ansprechen konnte , und was sie Gutes that , that sie aus einem innern Wohlwollen ohne auf Entgelt zu warten . 8. Sack und Axt . Das Haus des Scheckennarren war wieder aufgebaut , stattlicher als je ; der Winter kam herbei und die Loosung der Rekruten . Noch nie war mehr Betrübniß über ein glückliches Loos entstanden als da Dami sich freispielte . Er war wie verzweifelt und Barfüßele fast mit ihm , denn auch ihr war der Soldatenstand als treffliches Mittel erschienen , um das lässige Wesen Dami ' s aufzurichten ; dennoch sagte sie ihm jetzt : » Nimm das als Fingerzeig , du sollst jetzt für dich selber als Mann einstehen . Aber du thust noch immer wie ein kleines Kind , das nicht allein essen kann und dem man zu essen geben muß . « » Du wirfst mir vor , daß ich dich ausfresse ? « » Nein , das mein ich nicht . Sei nicht immer so leidmüthig , steh ' nicht immer da : wer will mir was thun ? Gutes oder Böses ? Schlag ' selber um dich ! « » Und das will ich auch und ich hole weit aus ! « schloß Dami . Er gab lange nicht kund , was er eigentlich vorhatte , aber er ging seltsam aufrecht durch das Dorf und sprach frei mit Jedem , er arbeitete fleißig im Walde bei den Holzschlägern , er hatte die Axt des Vaters und mit ihr fast die Kraft dessen , der sie ehedem so rüstig gehandhabt . Als ihm Barfüßele einmal im Frühlingsanfang bei der Heimkehr vom Moosbrunnenwald begegnete , sagte er , die Axt von der Schulter nehmend : » Was meinst , wo die hingeht ? « » In ' s Holz ! « antwortete Barfüßele . » Aber sie geht nicht allein , man muß sie hacken . « » Hast Recht , aber sie geht zu ihrem Bruder , und der Eine hackt hüben und der Andere drüben und da krachen die Bäume wie geladene Kanonen und du hörst nichts davon , oder wenn du willst , ja aber sonst Keiner im Ort . « » Ich verstehe dich vom Simri kein Mäßle , « antwortete Barfüßele . » Ich bin zu alt zum Räthselaufgeben . Red ' deutlich . « » Ja , ich gehe zum Ohm nach Amerika . « » So ? Gleich heut ? « scherzte Barfüßele . » Weißt wie des Maurers Martin einmal seiner Mutter zum Fenster hinaufgerufen hat : Mutter , wirf mir ein frisches Sacktuch ' raus , ich will nach Amerika spaziren ? Die so leicht fliegen wollen , sind alle noch da . « » Wirst schon sehen , wie lang ' ich noch da bin , « sagte Dami und ging ohne Weiteres fort in das Haus des Kohlenmathes . Barfüßele wollte sich über den lächerlichen Plan Dami ' s lustig machen , aber es gelang ihr nicht ; sie fühlte , daß etwas Ernst dabei sei , und noch in der Nacht , als Alles schon im Bett lag , eilte sie zu ihrem Bruder und erklärte ihm ein für allemal , daß sie nicht mitgehe . Sie glaubte ihn dadurch plötzlich besiegt zu haben , aber Dami sagte kurzweg : » Ich bin dir nicht angewachsen . « Sein Plan wurde immer fester . In Barfüßele war auf einmal wieder all das Wogen von Ueberlegungen , das sie schon einmal in der Kindheit befallen hatte ; aber jetzt sprach sie nicht mehr mit dem Vogelbeerbaum , als ob er ihr Antwort geben könne , und aus allen Erwägungen heraus lautete der Schluß : » Er hat Recht , daß er geht ; ich hab ' aber auch Recht , daß ich da bleibe ! « Sie freute sich eigentlich innerlich , daß Dami einen so kühnen Entschluß fassen könne , das zeigte doch von männlicher Kraft ; und that es ihr auch tief wehe , fortan vielleicht allein zu sein in der weiten Welt , so fand sie es doch Recht , daß der Bruder mit gesundem Muth hinausgriff . Dennoch glaubte sie ihm noch nicht ganz . Am andern Abend paßte sie ihm ab und sagte ihm : » Sprich nur mit keinem Menschen von deinem Auswanderungsplan , sonst wirst du ausgelacht , wenn du ' s nicht ausführst . « » Hast Recht ! « sagte Dami , » aber nicht deswegen ; ich fürchte mich nicht davor , mich vor andern Menschen zu binden ; so gewiß als ich die fünf Finger da an der Hand habe , so gewiß gehe ich , ehe hier die Kirschen zeitig sind ; und wenn ich mich durchbetteln und wenn ich mich durchstehlen muß , daß ich fortkomme . Nur das Eine thut mir weh , daß ich fort muß und nicht dem Scheckennarren einen Tuck anthun kann , den er sein Leben lang spürt . « » Das ist die rechte Großmännigkeit , « eiferte Barfüßele , » das ist die echte Herzensliederlichkeit , einen Rachegedanken hinter sich zu lassen . Dort , dort drüben liegen unsere Eltern , komm ' mit , komm ' mit auf ihr Grab und sage das dort noch einmal , wenn du kannst . Weißt , wer der Nichtsnutzigste ist ? Wer sich verderben läßt . Gieb die Axt her , du bist nicht werth da die Hand zu haben , wo der Vater seine Hand gehabt hat , wenn du das nicht gleich mit Stumpf und Stiel aus der Seele reißest ! Die Axt gieb her ! Die soll kein Mensch haben , der von Stehlen und Morden spricht . Die Axt gieb her ! Oder ich weiß nicht was ich thue . «