Gemach , von welchem noch nach drei anderen Seiten Thüren ausliefen : nach dem Eßzimmer , dem Schlafzimmer und nach einem anderen kleinen Vorsaal , der an ein Glashaus stieß , durch welches allein der Pavillon mit der Einfahrt des Haupthauses in Verbindung stand . Zu diesem Eingang besaß nur Graf Fohrbach die Schlüssel , die er selten , fast nie Jemand anvertraute . Das achteckige Gemach war mit einem außerordentlichen Comfort ausgestattet , und erschien namentlich bei Nacht äußerst wohnlich ; silbergraue Tapeten widerstrahlten das Licht eines kleinen Kronleuchters mit Lampen auf die freigebigste Art ; die Fensteröffnungen sah man nicht , da Vorhänge von roth gestreifter Seide davor zusammengezogen waren . Von dem gleichen Stoff waren die meisten Möbel hergestellt , und alle von einer wahrhaft raffinirten Bequemlichkeit . Der Salon war ziemlich groß und hatte Platz für eine Menge Divans , Fauteuils , Chaiselongues , die aber alle ziemlich auffallend durcheinander geschoben waren und von denen drei und vier immer einen kleinen Plauderwinkel bildeten . Ein Smyrnateppich bedeckte den Boden und überall , wo es möglich war , sah man obendrein noch kleine persische Vorlagen . Etwas Eigenthümliches hatte übrigens dieser Salon oder vielmehr die Einrichtung desselben . Ueberall , wohin man blickte , herrschte eine malerische Unordnung , ohne daß übrigens irgend etwas verwahrlost gewesen wäre . So lagen zum Beispiel Handschuhe , Bücher , ein Blumenbouquet zusammen auf einem rothseidenen Fauteuil , ein schwerer Kavalleriesäbel stand mitten in einer Gruppe von Blumen und Sträuchern aufgepflanzt , und über den Schultern eines marmornen Amors hing als Schärpe ein reicher persischer Stoff , den der Graf Gott weiß zu welchem Zwecke gekauft . Obgleich das ganze Haus frei lag und der Wind nach Belieben um dasselbe her sausen konnte , so bemerkte man doch in dem Salon nichts hievon , denn er stieß nur mit der Fensterecke an das Freie ; die übrigen Theile waren , wie bereits erwähnt , von anderen Gemächern umgeben , woher es denn auch kam , daß das Zimmer so behaglich , warm und angenehm war . Im Kamin brannte ein helles Feuer , und vor demselben standen einige Fauteuils , in welchen die jungen Leute , von denen der Kammerdiener vorhin gesprochen , so bequem wie möglich ausgestreckt lagen . Neuntes Kapitel . Coeur de Rose . In dem Augenblick , als Arthur eintrat , wurde die Unterhaltung nicht gerade besonders lebendig geführt ; irgend Einer hatte eine Bemerkung hingeworfen , welche den Anderen vielleicht nicht Wichtig genug erschien , um viel darauf zu antworten . Genug , man hörte einige beistimmende Ja , ein Ah ! dann rauchten Alle ruhig ihre Cigarren fort . Graf Fohrbach , der mit dem Rücken gegen den Kamin saß , winkte dem Eintretenden freundlich mit der Hand und sagte : » Es freut mich , daß Sie noch kommen , Arthur ; rollen Sie einen Stuhl herbei . Wo das kleine Rauchmaterial ist , wissen Sie ; wenn Sie aber eine lange Pfeife wollen , so klopfen Sie nach gutem türkischen Gebrauch dreimal in die Hände . « Der Maler dankte und nickte den drei anderen Herren zu , welche sich im Zimmer befanden . Zwei von ihnen , welche der Kammerdiener mit Herr Eugen und Herr Eduard bezeichnet hatte , saßen vor dem lodernden Feuer , der Dritte , der Baron von Brand , lehnte dem Hausherrn gegenüber nachlässig an dem Kamingesims , auf welches er den rechten Arm gestützt hatte , während er die linke Hand zwischen dem zugeknöpften schwarzen Fracke verbarg . Arthur langte nach einer Cigarre und zündete sie an ; nachdem er die einfachen Fragen , als : ob er im Theater gewesen , ob es nicht heute Nacht verflucht kalt werde , mit Ja oder Nein beantwortet hatte , lehnte er sich in den Fauteuil zurück und konnte nicht unterlassen , seine Augen mehreremal über das Gesicht und die Gestalt des Baron Brand hingleiten zu lassen , was uns wir im Interesse des geneigten Lesers ebenfalls zu thun erlauben wollen . Der Baron Brand mochte einige Jahre über Dreißig zählen ; er war von mittlerer Größe , schlanker Taille und , obgleich ziemlich mager , sah man an ihm doch eine hochgewölbte Brust und sehr breite Schultern . Nebenbei , daß die Körperformen dieses Mannes etwas sehr Elegantes , ja Graziöses hatten , entnahm man noch an Allem , was er that , eine außerordentliche Gelenkigkeit , welche auf eine große Körperkraft hindeutete , welche er auch in der That besaß und von der er gerne scherzweise Proben ablegte . Seine Kopfform war eher länglich als rund , sein Teint weiß und frisch , die grauen Augen sehr lebhaft , das Haar von sehr hellem Blond , oder wenn man wollte streifte es , aber kaum merklich , in ' s Röthliche . Er trug es aus dem Gesichte gestrichen , kurz geschnitten und emporstehend , was zugleich mit dem aufgedrehten Schnurrbart seinem Gesichte etwas Keckes , ja Unternehmendes gab . Von den zwei anderen jungen Herrn war Eugen von S. der Aelteste dieser Gesellschaft - er mochte vielleicht nahe an die Vierzig sein - eine feste , gedrungene Gestalt mit schwarzem Haar und großem Schnurrbart gleicher Farbe , und trug als Major die Königliche Adjutantenuniform . Der Andere , Eduard von B. , war ein junger Assessor , der sehnsüchtig nach dem Rathstitel verlangte und sich schon darauf hin ein äußerst bedächtiges Reden und Benehmen angewöhnt hatte . Graf Fohrbach endlich , der Hausherr , ebenfalls Adjutant des Königs , hatte höchstens achtundzwanzig Jahre und war ein hübscher , lustiger Offizier von gutem , treuem Gemüthe , aber etwas zu fröhlicher Natur und namentlich , wenn er Waffenrock und Säbel abgelegt hatte , zu allerlei kecken , zuweilen unüberlegten Handlungen aufgelegt . Es trat eine längere Pause ein , während welcher alle Vier rauchten und sich der Hausherr mit dem Kopf an das Kamin lehnte , um mit großer Aufmerksamkeit dem blauen Dampfe zuzuschauen , wie er