wir , bis es hell wird und wir wissen , wo wir hier unter den Sternen herumkreuzen . Hackert pfiff dem Gaule zu , der von dem Lichte auch eine freundlichere Ahnung zu bekommen schien und sich wacker in Trab setzte . Ich bin ja erst zweiundzwanzig Jahre alt , sagte Hackert , gleichsam um sich zu entschuldigen . Was weiß ich , wo die Wegweiser da all am Wege hinzeigen ! Zweiundzwanzig Jahre erst ? antwortete Dankmar staunend und maß dabei , sich vorneigend , die Furchen auf Hackert ' s Stirn , die tiefliegenden Augen , die schlotterige , entnervte Haltung . Seine Lippen waren fahl , das Auge nur dann feurig , wenn es in unheimliche Erregung kam . Zweiundzwanzig Jahre , wiederholte er , wie haben Sie das gemacht , schon wie ein Sechsunddreißiger auszusehen ? setzte er nicht ohne Bitterkeit hinzu . Ich habe geschrieben , antwortete Hackert . Wer von seinem vierzehnten Jahre an nur auf dem Schreiberbocke reitet , kann keine so farbigen Wangen haben , wie meine Haare sind . Sechs Tage in der Woche habe ich acht Jahre lang Actenstaub geschlürft und Proceßgift eingeathmet . Abends und Sonntags hab ' ich gelebt .... .... Gelebt ? wiederholte Dankmar . Was nennen Sie leben ? Es scheint , leben hieß bei Ihnen soviel als sich langsam umbringen . Hackert gab auf diese Bemerkung keine andere Antwort , als daß er nach einer Weile bemerkte : Das Licht ist ein Wirthshaus . Ein gewaltiges Hundegebell begrüßte die nächtlichen Ankömmlinge . Sie standen vor der Pforte eines großen Gehöftes , aus dem im Dämmerlichte Leitern , Stangen und Scheunen hervorsahen . Ein dem dunkeln Walde zu gelegenes stattliches Wohnhaus schien geschlossen , oben aber in den Fenstern des ersten Stocks brannten noch Lichter . Hackert sprang vom Wagen und stieß mit dem Griffe der Peitsche an den Thorweg , daß die Hunde nur noch zorniger bellten . Auf ein mehrmaliges Heda ! kamen endlich über den gepflasterten Hof die Pantoffeln des Hausknechts angeschlorrt . Ein großer Holzriegel wurde von innen zurückgeschoben , eine Stalllaterne warf ihre trüben Strahlen auf Hackert ' s bleiches Angesicht . Können wir Nachtquartier haben ? war Hackert ' s Frage , der überhaupt so gewandt sich in Alles zu finden wußte , als wenn er Jahrelang auf Reisen zugebracht hätte . Nur herein ! rief der Hausknecht mit einem sonderbar fröhlichen Tone . Hier seid ' s gut geborgen , Kinder ! Juchhe ! Du armes Thierchen du ! wandte sich der fröhliche Hausknecht zum Pferde . Komm ! komm ! mein Hühnchen ! Friß Vogel und stirb mir nicht ! Ja ! Ja ! Wenn ' s immer , wenn ' s immer , wenn ' s immer so wär ' . Hier geht ' s ja spaßhaft zu , sagte Dankmar und sprang von seinem Sitze herunter . Ihr singt ja wie die Nachtigall im Busch . Hört Ihr sie schlagen , Herr ? fragte der Hausknecht . Ihr kennt mein Lieschen im Busch ? Noch drei Tage , dann sagt sie : Adieu Dietrich , Adieu Heidekrug ! Und erst über ' s Jahr kommt sie wieder . Fahr ' wohl ! Hackert erklärte diesen Humor für die Folgen eines gut angewandten Trinkgeldes . Dabei fielen sie fast über einen andern Knecht , der lang auf einem Strohhaufen ausgestreckt im Hofe lag . Dietrich und Heidekrug ! bemerkte Dankmar . Soviel haben wir jetzt weg . Der Heidekrug ... Ja , ja , der Heidekrug - komm , Schimmel ! Im Stall - im Stall - im Stall ist ' s kühl . Damit zog der fröhliche Hausknecht vom Heidekrug singend den Gaul von dem Einspänner in den Hof und begann ihn vorm Stalle auszuschirren . Heidekrug ? sagte Hackert . Wohnt denn hier der Heidekrüger ? Ja , Kutscher , das habt Ihr gut gerathen . Hier wohnt der Heidekrüger . Dankmar , dem der Name ebenfalls auffiel , bemerkte : Der Heidekrüger ? Das wird doch nicht Herr Justus sein ? Just Herr Justus , sagte Dietrich und führte den Gaul in den Stall . Kennen Sie den gelehrten Gastwirth auch ? fragte Hackert . Ich wundere mich , daß Sie ihn kennen . Hackert wurde über diese Replik wieder verdrießlich . Dankmar ' s unausgesetzter Zweifel an seiner Bildung und die offenbar geringschätzige Ansicht von seinem Herkommen verletzten den bizarren und , wie es schien , mannichfach mit der Welt bekannten und wieder mit ihr zerfallenen jungen Mann . Während Dietrich mit dem Gaul beschäftigt war , hatten sich die beiden Gefährten im Hofe des Heidekrugs genauer umgesehen . Er machte einen freundlichen , willkommenheißenden Eindruck . Rings begrenzten ihn Scheunen und Schuppen . Im Stalle hatten sie mehre Pferde bemerkt . Der Rinderstall grenzte dicht daneben . Ein wohlgehaltenes Stacket schied den Hof von einem reichen Baumgarten ab , der sich hinten zum Walde verlor . Die Düngerhaufen hier und dort gehörten zum Wesen einer großen Ökonomie . Das Wohnhaus hatte hinterwärts einen Anbau für die Küche . An der Seite , die nach dem Hofe ging , zog sich ein Spalier in die Höhe , das den weißen Kalk mit grünem dichten Weinlaub bedeckte . Vor den untern Fenstern waren große Blumentöpfe und Rankengewächse in Kästen aufgestellt , auf deren einem gerade eine Katze lag , die mit funkelnden Augen hier wahrscheinlich das Schlafzimmer der Herrschaft hütete . Der Eingang des Hauses nach vorn war geschlossen , aber hinterwärts , von dem Eingange zur Küche her , fanden sie eine offene Thür und unter ihr eine Magd sitzend , die hier auf der Schwelle ebenfalls eingeschlafen war , vom Lärm der in ihren Hütten festgeschlossenen Hunde aber nun erwachte . Als sie die Augen aufschlug und die Fremden erblickte , griff sie rasch nach einem glänzenden Gegenstande , der in ihrem Schooße lag und ihr entfallen schien . Es war ein neuer blanker Thaler . Wie sie sich besann und ihr