auf dem weichen , mit Sammet gepolsterten Divan . Eine Astrallampe mit silbernem , kunstvoll ciselirtem Fuße warf auf die beiden Frauen einen matten Schein , der ihre Züge jedoch hinlänglich erkennen ließ . Die Jüngere von ihnen war eine jener lieblichen Erscheinungen , welche nie altern , da ihre Schönheit nicht in dem Schnitt des Gesichts und der einzelnen Theile , sondern im geistigen Ausdruck der Züge beruht . Obgleich sie schon dreißig Jahre zählte , so besaß ihr Gesicht doch die ganze Lieblichkeit und Zartheit eines 17jährigen Mädchens , und keine Falte deutete an , daß die glühendsten Leidenschaften in diesen » sanften Zügen « gewühlt hatten . Sie lehnte ihren Kopf auf die linke Hand , welche sich auf die Sophalehne stützte und schien mit Neugierde den Worten zu lauschen , welche dem beredten Munde ihrer Freundin entströmten . Diese , vielleicht acht bis zehn Jahre älter , von stolzer , imposanter Figur , war nicht minder schön , als Jene , wenn auch im ganz andern Genre . Die Fülle ihrer Formen berührte nahe die Grenze , jenseits deren Schönheit und Anmuth sich trennen , und würde vielleicht mehr aufgefallen sein , wenn sie durch den Adel der ganzen Haltung und fast majestätischen Würde in allen Bewegungen nicht gewissermaßen motivirt worden wäre . - Ich begreife Ihre Indifferenz nicht , theure Baronin - sagte die Gräfin Bedford , denn dies war die zuletzt geschilderte der beiden Frauen , in eifrigem Tone - kann es Ihnen gleichgültig sein , eine Rolle , die Sie allein mit dem richtigen Takte zu spielen verstehen würden , in ungeschicktere und unwürdigere Hände fallen zu sehen ? Gestehen Sie , daß Sie blasirt sind ; nur so kann ich mir diese seltsame Apathie erklären . Oder sollten Sie Grund haben , blasirt zu scheinen - auch mir gegenüber ? - Alice ! Es lag ein leiser Vorwurf in dem Tone , mit dem die Gräfin die letzten Worte und besonders den Namen » Alice « aussprach . Die Antwort darauf war ein leises Kopfschütteln und ein halbes Lächeln . - Blasirt ? - sagte Alice , ohne ihre Stellung zu verändern - Sie können recht haben . Sehen Sie sich doch alle diese Marionetten an , welche in der Welt » Männer « heißen - ich nehme selbst die nicht aus , welche Sie bei sich sehen , Gräfin , obgleich ich zugebe , daß sie zu der bessern Sorte gehören . - Sehen Sie sie sich an , und dann fragen Sie sich , ob es sich lohnt , daß man ein Glied rührt , um Einen derselben zu betrügen . - Nein , nein ; der Triumph ist zu leicht und darum zu wenig lohnend . Ja , wenn es sich nicht immer um den Einzelnen handelte , sondern um das ganze Geschlecht , dann ließe sich davon reden . Geben Sie mir - fuhr sie fort , indem sie sich halb aufrichtete und ihre kleine Hand ausstreckte - geben Sie mir das ganze Geschlecht in die Hand , um es mit einem Schlage demüthigen zu können , und ich will anerkennen , daß das Ziel der Mühe werth ist , die man daran setzt , es zu erringen ; ja , ich will Ihnen danken . Nach den letzten Worten , welche Alice mit erhobener Stimme und gerötheter Wange gesprochen hatte , fiel sie wieder in ihre frühere theilnahmlose Stellung zurück . - Sie vergessen , daß es sich hier nicht um eine bloße Person und deren Empfindungen handelt , sondern um eine ganze Partei , welche diese Person mit diesen Empfindungen vertritt . Wohlan , machen Sie sich zur Herrin dieser Empfindungen , so sind Sie Herrin der ganzen Partei und was mehr , des Prinzips , welches diese Partei regiert . Und dann vergessen Sie auch , daß hier von einem Fürsten die Rede ist . Alice lachte . - Und wenn ich nun weder das Eine , noch das Andere vergessen hätte ? Wenn nun gerade der Grund meines Widerstrebens darin läge , daß ich es nicht vergessen , wie dann Gräfin ? - Freilich dann - sagte diese gedehnt - dann habe ich hierüber nichts mehr zu sagen , als mein Bedauern darüber auszudrücken , daß Sie diese wahren Motive nicht eher erklärten . Ich hätte meine Gründe sparen können . Die Gräfin erhob sich . - Sie sind beleidigt - begütigte Alice , ohne daß dies meine Absicht war . Hören Sie meinen Grund und die Bedingung , von der mein Entschluß abhängt , so werden Sie mir nicht zürnen . Sehen Sie , theure Gräfin , mir ist nichts mehr zuwider als diese ewigen inhaltslosen Koketterien , welche doch nur stets dasselbe einfältige Ziel haben . Wäre ich nicht zu bescheiden , so könnte ich auf mich die Worte des großen Friedrich anwenden : » Ich bin es müde , über Sklaven zu herrschen . « Und dennoch - Sie werden es vielleicht für Heuchelei oder mindestens für Beschränktheit halten , was ich jetzt sagen werde - dennoch ist es mir leichter , in Ermangelung einer bessern Beschäftigung , dieses kindische Spiel mit Männerherzen fortzusetzen , als unter der Maske desselben anderweitige » politische « Zwecke zu verfolgen . In jenem Falle entwürdigen sich wenigstens nur die Männer , in diesem entwürdige ich mich selbst ; dort fällt die ganze Schmach auf den Besiegten , hier noch weit mehr auf die Siegerin . Trotzdem , Gräfin , würde ich - schon aus Gefälligkeit für meine Freunde - nicht abgeneigt sein , mit dem Fürsten anzubinden , wenn ich nicht sonst - gebunden wäre - - - Ich verstehe Sie nicht - rief die Gräfin erstaunt aus . - Nehmen Sie es wörtlich , was ich gesagt habe . - Und das soll für mich als Grund gelten ? Sie wollen mich zum Besten haben . - Die Fäden könnten sich kreuzen , und dann kann man für die Folgen nicht stehen .