mit uns . Dies gab ein wunderliches Dilemma ; denn während ich mich über die bürgerliche Simplicität dieser improvisirten Reise divertirte , war Friedrich enchantirt von dem ungekannten Comfort , den er in einer eigenen Reiseequipage genoß . Ihn machte es glücklich , tausend kleine Dienste zu übernehmen , die sonst mein Kammerdiener mir leistete , und ich fand es süß , von seiner adorirenden Liebe bedient zu werden ; so waren wir Beide sehr heiter und animirt . Es war die angenehmste Zeit , deren ich mich erinnere . Wir gingen von Paris nach Marseille , schifften uns für Neapel ein und durchwanderten die Inseln und Italien nach allen Distancen . Friedrich ' s profunde Gelehrsamkeit bot ihm überall Stoff zu neuen Entdeckungen , die er vor meinem immensen Geiste niederlegte , wie ein Anderer den duftenden Strauß an den Busen der Geliebten drückt . Meine divinatorischen Apercus inspirirten ihn , und unter seinen heißen Liebesküssen dictirte er mir ganze Volumen voll tiefsinniger Forschungen , die seinen Namen auf die späteste Nachwelt tragen werden . Dies Reisen , getheilt zwischen Liebe und Wissenschaft , hatte etwas wunderbar Ausfüllendes . Ich ennuyirte mich nie , ich gewann Geschmack an einem laborieusen Leben bei rastlosem Reisen , die Existenz eines gelehrten Touristen contentirte mich so sehr , Friedrich ' s Liebe war so ungeheuchelt frisch und warm , daß ich in der That nicht daran dachte , ob ich ihn liebe oder nicht . Ich fragte mich nicht , was empfindest du ? Ich ließ mich in diesem passiven bien être gehen . Indeß Friedrich fand , nachdem , mir selbst ein Mirakel , dies Touristenleben mehr als ein Jahr gedauert hatte , ohne mich zu ennuyiren , diese Art der Existenz unbefriedigend . Er verlangte nach einem festen Domicil , er wollte wieder ein bürgerliches Glück und häusliche Ruhe . Mich in Paris in bürgerlicher Glückseligkeit als Frau Professorin zu etabliren , wäre ein Heroismus gewesen , dessen ich mich nicht capabel fühlte . Mir bangte davor , Personen meines Kreises während dieses bürgerlichen Idylls zu begegnen , obschon es mich noch immer merveilleusement contentirte . So schlug ich Friedrich vor , nach Pisa zu gehen und sich dort um die vacante Professur der Anatomie bei der Universität zu bewerben . Friedrich fand die Idee zusagend , meldete sich zu dem Amte und erhielt es , da sein Ruf bereits ein europäischer war . Nach wenig Wochen war ein stilles Haus an dem Katharinenplatze gemiethet und ich hauste darin mit Rosalindens Beistand , unter dem Titel der Frau Professorin . Aber nach dem Eintritte in dies Haus ging ein veritables Changement mit Friedrich vor . Er zeigte Collegia an , es meldeten sich Zuhörer , sein Auditorium ward das frequentirteste . Das spornte seine Ambition , er fing an rastlos zu studiren , er operirte und secirte den ganzen Tag . Ich fand es horribel , es langweilte mich tödtlich , und ich konnte nicht umhin , mich darüber zu beklagen . Wenn ich in dem stillen , todten Pisa die langen Tage allein zugebracht hatte , so erschien Friedrich am Abende , strahlend vor Satisfaction über irgend ein Problem , das er in Bezug auf die Blutkügelchen oder die Nervenphysik decouvrirt hatte . - Mit komischer Consequenz wollte er mich bereden , ich müsse ein Interesse dafür haben , weil ich einst selbst hätte Anatomie studiren wollen . Er begriff nicht , daß man aus bloßer Caprice sich für eine Wissenschaft portiren könne , daß man sie cultivire , um sich zu desennuyiren , und sie abandonnire , wenn sie diesem Zwecke nicht mehr entspreche . Es that ihm leid , mich dafür indifferent zu sehen und er bot die ganze Gewalt seiner Liebe auf , die Wolken der Unzufriedenheit , der Ermüdung zu bannen , die anfingen , sich über meine immense Seele zu lagern . Aber auch dies gelang nur temporär . Ich hatte seine Liebe nun durch mehr als funfzehn Monate genossen , sie war immer dieselbe , immer ernst und mild , bisweilen feurig und überwältigend , aber das Alles kannte ich nun à fond . Ich regrettirte , diese herannahende Ermüdung nicht cachiren zu können , ich wollte es ernstlich , es mislang . Naturen wie die meine können nicht heucheln , es gibt einen Grad des Egoismus , der die Heuchelei unmöglich macht , weil er in wahnsinniger Verblendung sich ein despotisches Recht der Selbstbefriedigung zugesteht und nicht einmal die Milde hat , das Unrecht mit möglicher Schonung zu thun . Eines Abends saß ich auf dem Balcon unsers Hauses und sah hinab durch das Laub der dichten Bäume vor unserm Fenster , auf den Platz . Einige Kinder spielten daselbst , es war sehr still . Friedrich kam von der Anatomie nach Hause , er war müde und lehnte seinen Kopf an meine Schulter , um zu ruhen , während sein Arm mich umschlang . Es war ein heißer , siroccoschwüler Abend und nach wenig Minuten fühlte ich , daß Friedrich ' s Haupt schwer und schwerer auf meiner Schulter wurde . Er war eingeschlafen . Eine Thräne trat mir in die Augen , ich fühlte mich tief degradirt . So weit war ich gesunken , daß ein bürgerlicher Professor es wagte , einzuschlafen in meinen Armen , in den Armen der Gräfin Diogena . Mit prächtiger Indignation sprang ich empor . Friedrich fuhr auf wie elektrisirt . » Was gibt es , Diogena ! « fragte er erschrocken . » O , Nichts , eine Kleinigkeit ! « sagte ich kalt , die Gräfin Diogena wird es müde , dem Professor Friedrich Wahl in Sklavendiensten zu huldigen . Friedrich sah mich ganz bewildert an und sagte : » Ich verstehe Dich nicht , meine Diogena ! « » Du wirst es begreifen , wenn ich Dir sage , daß Du an meiner Seite eingeschlafen bist . « » Dann war ich sicher sehr müde . « » Nicht müder als ich