. « Glaubst Du , das habe mir keinen Eindruck gemacht ? - Gewiß hat es mich Überwindung gekostet . Ich sah ihr unter die Augen , plötzlich kam sie mir vor wie ein Seeräuber oder sonst eine edle Spitzbubengattung ; sie glaubte schon , sie habe mich gefangen , da kam die Großmama , ich riß mich los , - und jetzt verfolgt mich ' s , daß sie vielleicht nicht eine Frau , sondern ein Kriegsheld sein könnte , sie sieht so edel aus zu Pferd , so frei , sie bekümmert sich gar um nichts , sie läßt den Gaul dahin sausen , nur der Reitknecht war diesmal mit , das Pferd bäumte , als sie aufstieg , sein Übermut wiegte sie in den Lüften , und fort ! - Ich sah ihr durch die alte kalte Domstraße nach . - Und also , ich bleib hier , und sie reitet nach Spanien , am rauschenden Strom hin zwischen Felsen durch , der Schweiß rinnt ihr vom Gesicht . Was schadet ' s ? - Immer hoch , immer frei , immer stolz ; und ich hier in der Mansarde zähle die Dachziegel da drüben und betrachte dem Sperling sein Nest unterm Dach , die dort sieht die Adler über sich wegschweben und kämpft mit dem Lämmergeier , der die einsame Herde beraubt , und ich laufe mit der Gießkanne und begieße die Bohnen . Ach , was kann ich Großes tun ? Auf die Pappel klettern beim Gewitter , daß es auf mich losdonnert und blitzt ? - Oder im Winter auf den Schneeflächen mich tummeln ; dem Treibeis nachhelfen im Main ? - Clemente , schreib mir solche Briefe nicht von unmöglichen Anlagen in meinem Geist . Ich mein dann , ob ein Kobold Dich neckt , der Dir das alles weismacht . - O schreib keine Gedichte , worin Du meinen Namen nennst , es ist , als ob Du in die einsame Wüste hineinrufst , ich lausche selber , ob aus der Tiefe meiner Sinne Dir etwas antworte . - Nein , - die Sinne werden müde davon , Du rufst sie an zum Arbeiten , das wollen sie nicht ; sie sind eigensinnig . Du willst meine Trägheit überwinden , mich aufreizen , und vor ungeduldigem Eifer spring ich von einem Buch zum andern . Ich will nicht mit den Katzen spielen , nein heute nicht , ich will gewiß schreiben - lernen , - nein , es will nicht in mir , es lacht mich inwendig aus und sagt , du lernst ja doch nichts . Ach , wenn Du wüßtest , wie ich mich oft bezwingen möchte , Du würdest sehen , es ist nicht Mangel an Treue . - Ich kann mich keiner Beschäftigung hingeben . Inwendig ruft es : dorthin , und dort ruft ' s wieder hierher , und hier lockt ' s , da flüstert ' s , und hinter mir und vor mir , und in den Lüften gehen Stimmen durcheinander , die mich reizen . Heut hab ich mir vorgenommen , meine Lebensgeschichte zu schreiben . Gleich hier auf dem Blatt will ich anfangen . Es war einmal ein Kind , das hatte viele Geschwister . - Eine Lulu und eine Meline , die waren jünger , die andern waren alle viel älter . Das Kind hat alle Geschwister zusammengezählt , da waren ' s dreizehn , und der Peter vierzehn und die Therese und die Marie fünfzehn , sechzehn und dann noch mehr , die hat es aber nicht gekannt , denn sie waren schon tot ; es waren gewiß zwanzig Geschwister , vielleicht waren es gar noch mehr . Der Bruder Peter ist gestorben , wie das Kind drei Jahr alt war , von dem weiß es aber noch sehr viel . Er hatte schwarze Augen , die ein blendend Feuer von sich strahlten , in die hat das Kind oft sich ganz verloren vor tiefem Hineinschauen . Der Bruder Peter trug das Kind oft auf einen kleinen Turm auf dem Haus , da fütterte der Peter allerlei Gefieder , Tauben und eine Glucke mit jungen Hühnern , da saß das Kind mit ihm , da dichtete er ihm Märchen vor . Das waren Stunden , die glitzern wunderschön aus der frühsten Kindheit herüber . Was fing denn der Peter noch für närrische Dinge mit dem Kind an ? - Er war mißwachsen und daher sehr klein , er nahm es am Weihnachtstag mit in die Kirche , das sollte keiner sehen , er nahm einen großen Bärenmuff und hielt ihn vor sich und das Kind , daß man nicht Kopf , nicht Hand sah , nur die vier Beine trappelten immer vorwärts , die Leute wunderten sich über das kuriose Rauchwerk , das allein über die Straße lief . Einmal hatte der liebe Bruder heimlich im Garten etwas gebaut , dann führt er das Kind hinein . Da ist ein kleiner Hügel aufgeworfen , da hebt er einen Stein auf , da springt auf einmal ein Wasserstrahl empor , ein kleines Weilchen , dann hört ' s wieder auf . Das hast du alles deinem Schwesterchen zu Gefallen getan , o Bruder Peter ! Es liebte dich aber auch sehr . Morgens , wenn es aufwachte , standest du vor seinem Bettchen , und es lachte mit dir , noch ehe es die Augen öffnete . Es lernte an deiner Hand die Stiegen erklettern , immer führte es sich an dir . - Da war ' s einmal schon spät , eben wollte die Sonne untergehen , er stand an der Wendeltreppe mit dem Kind ; die letzten Sonnenstrahlen leuchteten ihm ins Gesicht , er ward so totenblaß , das Kind klammerte sich fest ihm an , laß los , sagte er kaum hörbar und fiel die Treppe hinunter , das Kind hatte aber sein Kleid festgehalten und war mit heruntergefallen . Da trug man den Peter ins Bett , das