Und dennoch sah sie schön aus in ihrem schwarzen Kleide mit der weißen Perlenschnur um ihren stolzen Nacken . Ihr Haar , einst Robert ' s Entzücken , war glatt gescheitelt , ohne Blumen , ohne Schmuck . Weshalb sollte sie sich auch wohl schmücken ? Sie hatte den ganzen Tag gebangt vor dem Gedanken an den Abend , sie hatte unaufhörlich mit sich selbst gekämpft . Nun war sie ruhig , aber müde ; müde , wie ein Sieger nach der Schlacht . Allmälig versammelte sich die Gesellschaft und die Staatsräthin mit ihrer Tochter war unter den ersten Gästen , die sich einstellten . Clementine ging ihnen ein paar Schritte entgegen und ein herbes Weh fuhr durch ihre Brust , als sie das frische , junge Mädchen erblickte , das in dem rosenfarbenen Kleide mit dem Strauße von Rosen in den blonden Locken wie ein Bild der Jugend und des Lebens aussah . Wie segnend küßte sie das blühende Kind auf die Stirne . Bleiben Sie bei mir , sagte sie , und helfen Sie mir die Wirthin machen . Ihnen übergebe ich die junge , tanzlustige Welt , Sie müssen dafür sorgen , daß sie sich gut unterhält . Die fröhliche Johanna verlangte es nicht besser . Sie fiel der Geheimräthin um den Hals , nannte sie die beste , liebenswürdigste Frau der Erde , einen wahren Engel und war noch an ihrer Seite , als Thalberg endlich eintrat . Seit jenem Abende hatte er Clementine nicht mehr gesehen . Er ging schnell auf sie zu , um sie womöglich gleich zu sprechen , um sie zu versöhnen ; denn er wußte , daß er ihr unrecht , daß er ihr wehe gethan , und mehr noch , als sie selbst , hatte er in dieser Zeit gelitten . Kaum hatte er sie aber begrüßt , als sie , um es zu keiner besondern Unterredung kommen zu lassen , ihm ihren kleinen Schützling vorstellte . Er sah sie betroffen an , verbeugte sich kalt gegen Johanna und zog sich , da die Geheimräthin als Wirthin in Anspruch genommen war , mit einigen Herren plaudernd zurück . Vergebens versuchte er , sie einen Moment allein zu treffen , immer fand er andere Männer und Frauen an ihrer Seite , die nicht weichen wollten und bald ihn , bald sie mit sich von dannen zogen . Das peinigte ihn mehr und mehr . Die ganze Gesellschaft stimmte in der Bewunderung ihrer Schönheit überein , und einer der anwesenden Künstler fragte ihn , ob er das prächtige Tableau bemerkt habe , das die ernste Schönheit der Geheimräthin und die liebliche Johanna gebildet , als sie am Anfange des Abends einmal neben einander gestanden hätten . Er hatte es wohl bemerkt ; aber es hatte ihm eine traurige Bedeutung gehabt . - Es dünkte ihm , als wolle dieser Ball kein Ende nehmen . Immer auf das Neue jubelten die Walzer durch den Saal , Frohsinn und Eleganz herrschten allerwegen , Johanna , die Schönheit des Festes , strahlte vor kindlicher Lust ; nur zwei Herzen in den weiten Sälen theilten die Festes-Freude nicht . Um einen Augenblick zu ruhen , lehnte Clementine in der Brüstung eines Fensters und ließ theilnahmlos die Huldigungen und Erzählungen eines älteren Hausfreundes an ihrem Ohr vorübergleiten , während ihr Auge Robert und Johanna suchte . Da , als der Sprechende sie endlich verließ , trat Robert eilig zu ihr . Sie sind krank gewesen , sagte er . Sie haben gelitten , ich sehe es , warum haben Sie mich bis heute verbannt ? warum mir nicht gegönnt , Sie zu sehen , Ihnen zu sagen , wie mich das Unrecht geschmerzt , das ich gegen Sie begangen habe ? Wenn Sie wüßten , wie ich verlangte , Sie zu sprechen , Sie zu versöhnen , Sie würden mir längst vergeben haben . Denken Sie nicht mehr daran , antwortete sie , ich hatte Nichts zu vergeben . Dann , nach kurzer Pause , meinte sie : Sehen Sie das schöne fröhliche Leben um uns her . Sehen Sie wie heiter mein hübscher Schützling ist . Robert antwortete ihr nicht darauf , und erst nach einer Weile sagte er sehr ernsthaft : ja ! Fräulein Johanna ist ein schönes , und gewiß ein harmlos glückliches Geschöpf ; soll sie aufhören das zu sein ? soll sie unglücklich werden wie .... so Mancher ? Clementine wagte nicht ihn anzusehen , und er fuhr fort : Ich habe Sie verstanden , gnädige Frau ! aber soll solch ein fröhlich schuldloses Kind zum Opfer gebracht werden um meinetwillen ? Ein Opfer muß gebracht werden , das fühle ich ; so will ich es bringen , indem ich Sie verlasse . Morgen schon gehe ich nach Hochberg ; ich habe es bereits meinen hiesigen Bekannten gesagt , auch der Geheimrath weiß es . Morgen schon werde ich gehen und nur , um Sie noch einmal zu sehen , um Ihnen Lebewohl zu sagen , bin ich heute noch einmal gekommen . Erlauben Sie denn , daß ich schon jetzt von Ihnen scheide ; und haben Sie Dank , innigen Dank für das Glück , das ich in Ihrer Nähe noch einmal gefunden habe . Leben Sie wohl , wiederholte er , und noch einmal ruhten Auge in Auge . Dann sah sie Thalberg ' s edle , hohe Gestalt sich durch die Menge bewegen und im Nebenzimmer verschwinden ; und wie hell die Töne der Musik auch klangen , wie hell die Kerzen in dem Saal auch glänzten , es war kalt und Nacht geworden für ihr Herz . Kaum aber hatte Thalberg sich entfernt , als die Staatsräthin herbeikam . Neugierig fragte sie nach allem Möglichen und erfuhr von Clementine , die den Zweck dieser Fragen wohl kannte , daß Thalberg ihre Johanna sehr hübsch , sehr anziehend gefunden , daß er aber zunächst Geschäfte halber auf seine Güter gehe . Das genügte der erfreuten Mutter für das Erste