recht , wenigstens seit ich sie kenne - aber selten , selten , daß sie dem nachgab - ehe sie nicht niederfiel , in ihr Bett getragen werden mußte , gab sie keiner Krankheit nach , ja , auch dann hatte sie noch tausend Eigenheiten und widerstrebte immer in den Anordnungen zu ihrer Pflege ; und des Nachts , wo jeder Mensch schon bei gesunden Tagen Gott danken würde , dort Jemand um sich zu haben , schließt sie sich ein , und Niemand darf bei ihr bleiben . « - » Welche wunderbare Frau muß Eure Mutter sein ! « rief Elmerice unwillkürlich , » und welch ' Verlangen hege ich , sie zu sehen ! « » Ja , « sagte Madame St. Albans - » so wunderbar , wie ihr altes Schloß ; aber Ihr werdet von Beiden wenig zu sehen bekommen . Denkt Ihr , daß ich schon je weiter kam , als in den großen Vorsaal , den meine Mutter bewohnt ? Seht , der liegt wie ein Riegel vor den weitläufigen Gemächern , die einst die Gebieterin meiner Mutter bewohnte , und seit ihr Sarg daraus weggetragen ward , haben sie sich nie wieder einem menschlichen Fußtritte geöffnet , als dem meiner Mutter . Aber sie hält ihre Andacht dort , sie lebt hier ein verzehrendes Leben der gramvollsten Erinnerung , sie - ach , Gott vergebe mir ! - sie , glaube ich , schwört hier immer aufs Neue allen Menschen Haß . Seht , das sind Dinge , die an dem gesunden Menschenverstande meiner Mutter verzweifeln lassen , gäbe sie nicht sonst Proben , daß er ihr sehr gegenwärtig ist . « » Aber was sagt man denn so Unerhörtes von diesem Schlosse ? « frug Elmerice weiter ; denn sie konnte ihr lebhaft erregtes Interesse nicht mehr verbergen . » Ach , seht , Miß , so lange es steht , hat es wenig guten Ruf . - Es war zuerst ein königliches Jagdschloß , und man sagt , Heinrich der Zweite habe hier eine schöne Freundin verloren , die seine Gemahlin , Katharina von Medicis , habe ermorden lassen . In einem Thurme , der damals das kleine Schloß begrenzte , zeigt man ein Zimmer , das noch in schönen geschnitzten Holzwänden von dereinstiger Pracht zeugt ; da soll Heinrich die schöne Eudoxia Nemours gefunden haben , wie sie ihm nur noch die blutende Wunde zeigen konnte und dann verschied . Seitdem heißt er Eudoxien-Thurm , und Alle wollen darauf sterben , Eudoxia sitze noch zuweilen in ihren weißen Gewändern auf dem kleinen Altan und sehe in den Wald hinein , wo sie sonst den König daher kommen sah . - Solche Geschichten haben nun wenig Reiz für mich ; auch sah ich sie nie , und muß sie wandern und vergebens warten , geschieht ihr Recht : solche Frauenzimmer bereiten sich ihr Loos selber ; - aber seht , freilich später , sagt man man , sei nie viel Anderes , als Unglück hier geschehen und geschmiedet worden . Katharina von Medicis baute das Schlößchen oder den Flügel rechts daran , und die großen Wälder umher ließen hier prächtige Jagdpartieen zu ; aber immer geschah ein Unglück - es verschwand Jemand oder ward offen wo ermordet , und man sprach schon damals , daß die böse Königin den Ruf des Schlosses benutze , die heimliche Rache , die sie an Einem oder dem Andern ausüben wolle , auf den abergläubischen Spuk des Schlosses zu wälzen . So , sagt man , habe man sich gefragt , wenn die Gäste sich auf ihren despotischen Ruf hier versammelten , wer wohl das bezeichnete Opfer sein werde - ich aber sage : die Narren , daß sie gingen ! - mich hätte sie einladen können , so viel sie Lust gehabt hätte , ich wäre doch nicht gekommen . « » Die damalige Zeit , « erwiederte Elmerice , » hat freilich manchen Zwang auferlegt , der wenigstens jetzt nicht mehr in so offener Gewalt hervortritt , obwohl noch manches sehr Harte unter Ludwig dem Vierzehnten und selbst unter seinem Nachfolger , dem jetzigen Könige , möglich sein soll . « » Ach , seht mein Kind , das sprengen die Hofleute nur so aus , damit man sie nicht auslachen soll , wenn sie immer über die Last seufzen , bei Hofe erscheinen zu müssen , da sie sich doch hindrängen , so viel sie können . Das habe ich damals für mein ganzes Leben lang heraus bekommen , als wir , ich und Deine Mutter , zu Gaste waren in dem großen Hause d ' Aubaine , bei den Eltern Deiner Gräfin . Sieh ' , Kind , da hieß es immer von dem Hofzwange - aber hoftoll waren sie ; denn gab es ein Fest , so waren sie alle in Fieberangst , ob sie auch eingeladen würden , ob auch zur rechten Zeit , nicht später , als sie berechnet hatten , daß es ihnen zukäme - und erschien der Tag , so waren sie so wichtig , so gehoben und mitleidig gegen uns arme bürgerliche Mädchen , daß ich sie alle auslachte , wenn sie den Rücken wendeten , denn nicht wie zum Fest zogen sie hin , sondern wie zu einem Leichenbegängnisse , so ernst und beklommen . Aber das war lauter Hochmuth , Furcht vor Demüthigungen , da sie doch , wie sehr sie sich auch erhoben , immer wieder Einen ausspürten , der sich über sie erheben wollte ; und da nahmen sie denn ihre Strafe damit hin , denn jeder tolle Hochmuth straft sich selbst . « » Seit wie lange gehörten diese Besitzungen denn dem Grafen von Crecy ? « unterbrach Elmerice die sich erhitzende Madame St. Albans . - » Katharina von Medicis schenkte sie einem Grafen von Crecy , der ihr manchen erlaubten und unerlaubten Dienst geleistet haben soll , aber das Unglück hatte sich nicht mit dem neuen Besitzer