ihr Auge blickte in die helle Flamme des Kamins , den man heute aufgesucht , da der Frühling seine alten Neckereien begonnen , und sich in Nebel und kalte Winde gehüllt hatte . - Die Theestunde war vorüber , Lovelace mit seinem wichtigen Geschäft entlassen , und Mistreß Cottington half der alten Lady , welche zunächst dem Kamin saß , bei der beliebten Arbeit des Seidezupfens . Endlich hob die jüngere Herzogin zu Mistreß Morton an : Wie kommt ' s , daß Du uns heute noch nichts über unsern Gast gesagt hast ? Ich hoffe , ihr Befinden schreitet vor , und wir werden bald selbst ihre Bekanntschaft machen können . - Das möchte jetzt noch nicht möglich sein , sagte Mistreß Morton rascher , als ihre Art war , denn die junge Lady steht zwar seit heute aus dem Bette auf , doch der Weg bis hierher würde ihr unmöglich fallen . Nun , nun ! sagte die leicht gereizte Herzogin , wir werden uns zu bescheiden wissen , da wir über den ersten Ungestüm der Jugend hinaus sind . Doch sobald die junge Lady , wie Du sie nennst , aus dem Bette uns empfangen kann , werden wir die Gesetze unserer gewohnten Gastfreundschaft auch gegen diesen unfreiwilligen Gast zu üben nicht versäumen , und uns zuerst nach ihren Zimmern begeben . Stanloff hat sich heute bei mir entschuldigen lassen , wir sind also sehr in Ungewißheit über die Angelegenheiten dieser jungen Person . Ich weiß nicht , ob Euer Durchlaucht schon wissen , wandte sie sich zur alten Lady , daß sie jetzt spricht und viel Thränen vergießt . Mistreß Cottington , erwiederte die alte Lady , welche sich mit Mistreß Morton in ihrem Zimmer ablöst , sagte mir davon ; wir müssen uns , denke ich , der wiederkehrenden Zeichen von Leben und Gefühl freuen , wenn ihre Thränen auch freilich unsere Vermuthungen bestätigen , daß viele Leiden auf dies junge Leben einstürmten ; ich denke dann mit Rührung an Gottes Güte , der sie Dir zugeführt hat . Ein zärtlicher Blick ihrer lieben Augen traf den schnellen Aufblick der jüngern Herzogin und erreichte , wie immer , den schönen Kern dieses festen Herzens . Lucie , die mit unbeschreiblicher Begierde jede Nachricht von der jungen Unbekannten verfolgte , verließ ihre Arbeit , und zur Mutter tretend , sagte sie bittend : Gehst Du zu ihr , liebe Mutter ? Nimm mich mit , ich möchte ihr so gern sagen , daß Du mir versprochen hast , daß sie nie wieder vor Hunger sterben soll , gewiß wird sie dann nicht mehr weinen . - Wir wollen ihr diese Gewißheit bald verschaffen , sagte die Herzogin ; auch hoffe ich , fürchtet sie dies wohl nicht mehr . Liebe Lucie , Du sollst sie sehen , sobald es ihre Gesundheit erlaubt ; sei indeß recht ruhig , denn Morton sorgt ja für sie , und ließ sie Dich wohl je hungern ? - Lucie kehrte beruhigt und freundlich zu ihrem Geschäft zurück , und die Herzogin frug , gegen Mistreß Cottington gewendet , weiter : Ihr , liebe Cottington , waret bei der ersten Unterredung mit dem Doktor zugegen , wollt Ihr uns das Bemerkenswerthe mittheilen ? Wie scheint Euch überhaupt ihr Karakter , ihre Erziehung ? Was glaubt Ihr von dem Range , zu dem sie gehören könnte ? Mistreß Morton scheint allerdings damit schon fertig zu sein , doch sagt auch Eure Meinung . - So viel ich beurtheilen kann , muß sie eine vornehme Erziehung erhalten haben , sagte Mistreß Cottington mit Ruhe , doch bleiben ihre Aeußerungen fast noch immer ohne eigentlichen Zusammenhang , wegen des großen Schmerzes , den sie zu empfinden scheint . Ihre ersten wiederkehrenden Gedanken richteten sich voll Erstaunen auf das fremde Zimmer , die Geräthe und Bedienung ; sie sagte einmal höchst erstaunt : Warum hat meine liebe Tante mich denn nicht in meinem schönen grünen Zimmer gelassen ? Dann bat sie , man möge Hanna rufen . Doch vergaß sie das Eine bald über dem Andern und blieb dazwischen wieder ruhig . Als Stanloff zuerst an ihr Lager trat , sah sie ihn wild an , dann warf sie sich in meine Arme und flehte mit Entsetzen mich an , sie vor diesem fremden Mann zu schützen . Doch der Schreck , den sie gehabt , schien auch ihre Besinnung etwas befestigt zu haben ; denn sie hörte meinen Worten aufmerksam zu und sagte , als wollte sie es sich recht klar machen : Ein guter alter Herr und mein Arzt , der mir mein Leben erhielt ! Sie wagte es , Stanloff anzusehen , und sein weißes Haar schien sie völlig zu beruhigen . Denn mit einer Bewegung der Hand hieß sie ihn näher treten und sagte dann : Verzeihet meinen Schreck ! Ich weiß Vieles nicht zu begreifen , mir ist wohl sehr viel begegnet . Stanloff hielt nun für ' s Beste , ihr zu Hülfe zu kommen ; er sagte ihr , indem er sie aufforderte , sich niederzulegen , er wollte ihr Alles erzählen , was er von ihr wisse , ja , er schien mir die Absicht zu haben , sie zu erschüttern , denn er hob sogleich an : Ihr seid nicht unter Euern Angehörigen , Ihr seid für todt in dem Park der Herzogin von Nottingham gefunden worden , und in einem Zustande von Starrsucht gewesen . Ihr seid von den Frauen der Frau Herzogin bedient worden , und ich bin der Arzt dieses Hauses ! - Ich muß gestehen , daß ich den Muth Stanloffs bewunderte , der so kurz und rauh ihr die schreckliche Wahrheit enthüllte , und er muß seine ärztlichen Ursachen dazu gehabt und darum Muth behalten haben , denn nie sah ich in solchem Grade einen so schnell wechselnden und sich von Augenblick zu Augenblick erhöhenden Ausdruck von Erstaunen und höchstem Schmerze . Sie richtete sich mit Kraft auf , glühender Purpur