sieht sie Dich finster und befremdet an , und ergiebt sich einer schönen Verwirrung . Nun schnell , wie ein zündender Blitz , zu einem ganz entfernten Gegenstande hinschweifend , läßt sie an diesem die Augen allmälig wieder heiter werden , und wirft dann am Ende diese neue Erheiterung doppelt beglückend auch auf Dich zurück . Wahrhaftig , ich liebe eine Kokette . Sie ist Rossinische Musik , und steigt aus dem Champagnerschaum des Lebens , wie Venus aus der Meeresschäumung , in Glanzgestalt empor . Sie ist eine Abart der Musik , aber doch Musik . Ich liebe entweder eine Frau , wie ich sie mir denke , wünsche , und kenne , oder ich liebe eine Kokette . Aus der soliden und musiklosen Langenweile des hausbackenen Mittelschlags steigt nimmer eine Anadyomene auf . Dann ging ich weiter , und verließ diesen Kometen , der in der That einen ganzen Schweif brennender Blicke hinter sich herzog . Ich fürchtete , wenn ich zu lange an einem Ort verweilte , daß mich mein Philister doch unversehens wieder am Rockschoß erfassen würde . Ich hing mich daher an den Arm eines andern Bekannten , eines Hauptmann v.B. , der mir hier unvermuthet begegnet war . Ein stattlicher , angenehmer Mann , den ich in Dresden in einem Klubb von Schöngeistigen - Gott , könnte man doch gegen dies Wort ein Vomitiv einnehmen , um es aus der deutschen Sprache loszuwerden - kennen gelernt , und der auch unter einem andern Namen große und kleine Schriften herausgegeben hat . Er unterhielt mich lange vom Verfall der Literatur , von Mangel an Anerkennung , vom Epikureismus des Alles genießenden und Alles wieder vergessenden Publikums , und dergleichen mehr , was man von jedem mittelmäßigen deutschen Schriftsteller bis zur Abgeschmacktheit hört . Ich that , als sei mir das ganz etwas Neues , als wisse ich gar nichts davon , und fragte ihn ordentlich genau aus , was man denn in der Welt munkele von dem Verfall der deutschen Literatur . Ich selbst sei ein literaturliebender Einsiedler , der orthodox an Wiedergeburt glaube , sowohl in sich selbst , als in der Seele seiner liebsten Freunde . Ich wisse wahrhaftig nicht , was man in der Welt munkele . Da gerieth er in Feuer , und erzählte mir , daß von einem seiner Werke nur zwölf Freiexemplare ins Publikum gekommen wären . Wie soll man da wirken ? setzte er hinzu . Es muß an der Ursache liegen , sagte ich . Keine Wirkung ohne Ursache , keine Ursache ohne Wirkung . Uebrigens kann man in Deutschland auf zwölf Freiexemplare zwei tausend Leser rechnen . Dann bat ich ihn um Gotteswillen , von deutscher Literatur abzubrechen . Er bot mir an , mich seiner Frau vorzustellen , die ihm mit zwei andern Damen vorausgegangen sei , und die er suche . Ich war artig genug , um auf ihre Bekanntschaft begierig zu sein ; aber wer schildert meine fast schreckenerregende Ueberraschung , als er mich aufmerksam machte , daß sie uns eben entgegenkomme . Denn keine Andere war es , als die große und schöne Virtuosin ihrer selbst , deren künstlerische Bewegungen ich vorher so genau belauscht hatte . Wir standen still , und es knüpfte sich bald ohne Verlegenheit ein Gespräch an . Sie hatte Geist , denn eine ächte Kokette muß auch Geist haben . Nur war es sonderbar , daß sich die Unterhaltung , nachdem die ersten zufälligen Wendungen abgethan , plötzlich wieder auf deutsche Literatur lenkte . Denn auf die Frage , wie sie sich in Teplitz gefalle , sagte sie , daß ihr hier nichts als Jean Paul gefalle , den sie den ganzen Tag lese und hier zuerst vollständig kennen gelernt habe . Guter Gott , Jean Paul Friedrich Richter ! Ich gratulirte ihr zu dieser Badelektüre . In der That , eine Badelektüre . Sonnenstaubbäder der Gefühle , Jean Paulsche Schriften . Das ganze Herz badet sich und kann schwimmen lernen auf seinen Fluthen . Ich sagte ihr , daß mir Bäder nie gut bekämen , und daß ich deshalb auch seit vielen Jahren schon keinen Jean Paul gelesen hätte . Mein Arzt sei ein Liberaler und habe mir angerathen , einmal eine Zeitlang alles Baden in den deutschen Gefühlen einzustellen , um glücklicher und freier zu werden . Jean Paul bleibe darum doch ein großer Dichter , wenn ich ihn auch nicht lese . Sie lächelte , und schlug ihre Augen so reizend zum Himmel auf , daß mir war , als säße auf ihrer Iris ein sternenheller Jean Paul ' scher Gedanke . Er stand ihr schön , dieser Gedanke , und ich rückte mit unwillkürlicher Ehrfurcht an meinem Hut . Dann bedauerte sie mein Herz , daß ihm die Bäder nicht gut bekämen . Ich sagte , ich müsse es trocken halten , das sei mir besser . Da entstehe erst Feuersgefahr , bemerkte sie , lautlachend . Der trockene Zunder lodere am besten . Nun mußte ich ihr Recht geben , wenn die Feuersgefahr so nahe wäre , wie mir jetzt . - O Kokette ! O Jean Paul lesende Kokette ! Lebe wohl ! Meine Heilige hat jetzt genug von Dir gehört . Ich fliehe Deine verlockende Iris , auf der Jean Paulsche Gedanken sitzen ! Der Jean Paul Deiner Augen , und die zwölf Freiexemplare Deines Gemahls , haben die ganze herzerweichende Melancholie der literarischen Germania wieder in mir aufgefrischt . Lebe wohl ! Und dort , ja wahrhaftig , dort kommt auch schon mein Philister , ich erkenne ihn von weitem an seinem großen weißen Quäker . Er kommt , um mich wieder einzufangen , ich Unglücklicher kann mich ihm gar nicht entwinden . Er lächelt mir schon aus der Ferne zu , er blickt ordentlich wohlgemuth , denn er hat den Hof gesehen . Grüß Dich Gott , Du vielgetreuer Philister ! - Der Philister nahm mich in der That jetzt unter den Arm , und stolperte , obwohl