großer Pokal , den ich verbunden sey , Tag für Tag auszuleeren bis auf die Neige , nach guter alter Trinkersitte . Wo es recht toll herging , war ich mitten darunter , und nirgends fröhlicher als wo gescheite Leute und Narren um mich schwärmten wie ein Bienenvolk . Ihr , lieber Freund , seht aus wie ein lockerleichtes Blut , und müßt wohl Eure Gründe haben , wenn Ihr nicht gleich Andern Eures Schlags über die Schranken haut , wo es angebracht ist . Ihr habt Euch doch nicht etwa schon vergafft zu Costnitz ? Nehmt Euch in Acht . Es gibt der Schönen viele in dieser Stadt , aber die meisten sind fremde Zugvögel , die ihr trüglich Gefieder hier ausspreiten , weil es in der Heimath den Werth verloren hat ; Hexendirnen , die sich anstellen , als ob sie Herzen fischten , während sie doch nur das Netz nach dem Golde unerfahrner Lüstlinge auswerfen . « » Die Art und List dieser Meerweibchen ist mir - wenn gleich nur aus Berichten - nicht unbekannt ; « versetzte Dagobert lustig : » Ew . fürstl . Gnaden ist daher im Irrthum . Nicht einem rothwangigen Mägdlein jage ich nach , sondern einem graubärtigen Manne , der mich hieher berufen , und nun Versteckens mit mir spielt ; meinem Ohm nämlich . « » Euer Ohm ? « fragte der Herzog aufmerksam werdend : » Sein Name ? « » Ist der meine ; « antwortete Dagobert : » aber der Träger versteckt sich im Sumpfe . « » Wäre das der Prälat von dem Stifte des heil . Bartholomäus bei Cesena ? « » Derselbe , gnädiger Herr . Der Bruder meines Vaters : Hieronymus Frosch . « » Ei , der ist freilich hier ; « lachte der Herzog : » ist mit mir gekommen , da ich den heil . Vater hieher geleitete . « Dagobert stand , steif vor Erstaunen , da . » Ihr könnt mir ' s glauben , auf Fürstenwort ; « fuhr der Herzog fort : » sein Logement wurde ihm eingerichtet im Paradiesgäßlein , in dem Hause , zum Pfauen geschildet . « » Bin ich denn blind gewesen ? « fragte sich Dagobert halb ärgerlich ; » war ich denn taub ? hab ich nicht umhergespäht mit Aug und Ohr wie die Frommen am Pfingsttage in . der Kirche , da der heilige Geist aus dem Schalloche hernieder zu schweben hat ? « » Seyd zufrieden ; « versicherte der Herzog : » Ihr seyd nicht blind , nicht taub gewesen . Ihr habt aber beständig nur nach dem Unrechten gefragt ; der übelklingende Name Frosch ist nicht mehr der Euers Ohms . Er hat sich in ' s Wälsche übertragen , und wenn Ihr nach dem ehrwürdigen Monsignor Ranocchia Euch erkundigt , wird er Euch sicher nicht entgehen . « » Wie ist mir denn ? « rief Dagobert : » Unsers ehrlichen Namens , berühmt geworden durch den Hauskaplan Kaiser Karls des Vierten , schämt sich der Oheim ? « Der Herzog zuckte die Achseln . - » Ich habe Euern Vaterbruder nie als einen Deutschen gekannt , « sprach er , » und immer nur den Italiäner in ihm gesehen . Macht es auch so . Man weiß , ja ohnedieß nicht mehr , was heut zu Tage Deutsch ist oder nicht . Wer findet hier unter dem bunten wöllisch , englisch und böhmischen Geplauder das Vaterland heraus ? Jede Nation , nur die unsre nicht , spielt hier den Herrn , vorab die französische . Ein schnackisches Völklein das : singt höher dann genotirt , liest anders , denn geschrieben , spricht anders als ihm um ' s Herz ist , und steckt uns durch seinen gelehrten Kanzler Gerson gewißlich in den Sack . - O ! setzte er mit bitterm Spotte hinzu : dieß Concilium ist des Luxemburgers Meisterstücklein ! « Heftig schritt der Herzog einige Schritte vor sich hin , blieb dann stehen und wandte sich mit einem Male rasch und kurz zu Dagobert . » Ihr wißt nun , wo Euer Ohm zu finden , junger Mann ; « sagte er , wie man einem Besuche gern ein Ende machen will : » es wird ihn freuen , Euch bald zu sehen , wie es mir angenehm seyn wird , Euch nicht aus den Augen zu verlieren . Das Pferd , das Ihr bei Eurer Heimkunft im Stalle finden werdet , thut Ihr mir wohl die Liebe , als Geschenk für Eure Hülfe anzunehmen . Es ist ein polnisch Thier und gerade wild genug für einen derben Jungen , so wie Ihr . « » Gnädigster Herzog ... « stammelte Dagobert dankend , aber Friedrich unterbrach ihn schnell , indem er lächelnd sagte : » Kein Wort für die schlechte Gabe . Wär ' ich Kaiser , sollte sie besser seyn . Hätte ich Euch nicht aufrichtig lieb , und wollte Euch ablohnen , sollte sie auch besser seyn . - Ich stehe aber gerne noch ein wenig in Eurer Schuld . Geht mit Gott , und kommt bald wieder . Ohne den verwünschten Klopffechter seyd Ihr stets willkommen . « Mit der größten Freundlichkeit , aber ohne seinem Stande etwas zu vergeben , beurlaubte der Herzog , steif in der Mitte des Gemachs stehend , und kaum merklich mit dem Haupte nickend , seinen jungen Freund . Dagobert säumte nicht , da es erst um die Mittagsstunde war , die Wohnung seines Oheims aufzusuchen . Das Paradiesgäßlein war bald gefunden , und das Haus zum Pfauen , das ansehnlichste der Gasse , eben so schnell entdeckt . Die Thüre stand offen , und innerhalb derselben lehnte im Schein der Mittagssonne ein ziemlich nachläßig gekleideter Diener und speiste Nüsse . Dagobert erfuhr von dem Müßigen auf Befragen , daß Monsignor so eben vom Messelesen gekommen sey , und sein Stündchen der Bequemlichkeit feire , in welchem er sich nicht gerne von