General noch nicht ganz gewiß ; - Eduard muß aussehen wie ein Engel - siehe bisher ... « Sie flüsterten jetzt leiser , so daß ich über den Schnitt der Gardeuniform nicht recht ins klare kommen konnte . Nur so viel sah ich , daß schöne Augen bei platonischen Empfindungen ein recht schönes Feuer haben , daß sie aber viel reizender leuchten , bei weitem glänzendere Strahlen werfen , wenn sich sinnliche Liebe in ihnen spiegelt . Dreizehntes Kapitel Angststunden des Ewigen Juden Der Vorleser war bis an einen Abschnitt gekommen und legte das Buch nieder . Allgemeiner Applaus erfolgte , und die gewöhnlichen Ausrufungen , die schon dem Stickmuster gegolten hatten , wurden auch der » Gabriele « zuteil . Ich konnte die Geistesgegenwart und die schnelle Fassungskraft der beiden Fräulein nicht genug bewundern , obgleich sie nicht den kleinsten Teil des Gelesenen gehört haben konnten , so waren sie doch schon so gut geschult , daß sie voll Bewunderung schienen ; die eine lief sogar hin zu Frau von Wollau , faßte ihre Hand und drückte sie an das Herz , indem sie ihr innig dankte für den Genuß , den sie allen bereitet habe . Diese Dame saß aber da , voll Glanz und Glorie , wie wenn sie die » Gabriele « selbst zur Welt gebracht hätte . Sie dankte nach allen Seiten hin für das Lob , das ihrer Freundin zuteil geworden , und gab nicht undeutlich zu verstehen , daß sie selbst vielleicht einigen Einfluß auf das neue Buch gehabt habe ; denn sie finde hin und wieder leise Anklänge an ihre eigenen Empfindungen , an ihre eigenen Ideen über inneres Leben und über die Stellung der Frauen in der Gesellschaft , die sie in traulichen Stunden ihrer Freundin aufgeschlossen . Man war natürlich so artig , ihr deswegen einige Komplimente zu machen , obgleich man allgemein überzeugt war , daß die » geniale Freundin « nichts aus dem innern Wollauschen Leben gespickt haben werde . Der Ewige Jude hatte indes bei diesen Vorgängen eine ganz sonderbare Figur gespielt . Verwunderungsvoll schaute er in diese Welt hinein , als traue er seinen Augen und Ohren nicht ; doch war das Bemühen , nach meiner Vorschrift ästhetisch oder kritisch auszusehen , nicht zu verkennen . Aber weil ihm die Übung darin abging , so schnitt er so greuliche Grimassen , daß er einigemal während des Vorlesens die Aufmerksamkeit des ganzen Zirkels auf sich zog , und die Dame des Hauses mich teilnehmend fragte , ob mein Hofmeister nicht wohl sei . Ich entschuldigte ihn mit Zahnschmerzen , die ihn zuweilen befallen , und glaubte alles wiedergutgemacht zu haben . Als aber Frau von Wollau , die ihm gegenüber saß , ihren Einfluß auf die Dichterin mitteilte , mußte das preziöse geschraubte Wesen derselben dem alten Menschen so komisch vorkommen , daß er laut auflachte . Wer jemals das Glück gehabt hat , einem eleganten Tee in höchst feiner Gesellschaft beizuwohnen , der kann sich leicht denken , wie betreten alle waren , als dieser rohe Ausbruch des Hohns erscholl . Eine unangenehme , totenstille Pause erfolgte , in welcher man bald den Doktor Mucker , bald die beleidigte Dame ansah ; die Frau des Hauses , eingedenk des stechenden Kusses , wollte schon den unartigen Fremden , der den Anstand ihres Hauses so gröblich verletzte , ohne Rückhalt zurechtweisen , als dieser , mit mehr Gewandtheit und List , als ich ihm zugetraut hätte , sich aus der Affaire zu ziehen wußte : » Ich hoffe , gnädige Frau « , sagte er , » Sie werden mein allerdings unzeitiges Lachen nicht mißverstehen , und mir erlauben , mich zu rechtfertigen . Es ist Ihnen allen gewiß auch schon begegnet , daß eine Ideenassoziation Sie völlig außer Contenance brachte , ist doch schon manchem , mitten unter den heiligsten Dingen ein lächerlicher Gedanke aufgestoßen , der ihn im Mund kitzelte , und je mehr er bemüht war , ihn zu verhalten und zurückzudrängen , desto unaufhaltsamer brach er auf einmal hervor , so geschah es mir in diesem Augenblick . Sie würden mich unendlich verbinden , gnädige Frau , wenn Sie mir erlaubten , durch offenherzige Erzählung mich bei Frau von Wollau zu entschuldigen . « Gnädige Frau , höchlich erfreut , daß der Anstand doch nicht verletzt sei , gewährte ihm freundlich seine Bitte und der Ewige Jude begann : » Frau von Wollau hat uns ihr interessantes Verhältnis zu einer berühmten Dichterin mitgeteilt , sie hat uns erzählt , wie sie in manchen Stunden über ihre schriftstellerischen Arbeiten sich mit ihr besprochen , und dies erinnerte mich lebhaft an eine Anekdote aus meinem eigenen Leben . Auf einer Reise durch Süddeutschland verlebte ich einige Zeit in S. Meine Abendspaziergänge richteten sich meistens nach dem königlichen Garten , der jedem Stand zu allen Tageszeiten offenstand ; die schöne Welt ließ sich dort , zu Fuß und zu Wagen , jeden Abend sehen ; ich wählte die einsameren Partien des Gartens , wo ich , von dichten Gebüschen gegen die Sonne und störende Besuche verschlossen , auf weichen Moosbänken mir und meinen Gedanken lebte . Eines Abends , als ich schon längere Zeit auf meinem Lieblingsplätzchen geruht hatte , kamen zwei gutgekleidete , ältliche Frauen und setzten sich auf eine Bank , die nur durch eine schmale , aber dichtbelaubte Hecke von der meinigen getrennt war . Ich hielt nicht für nötig , ihnen meine Nähe , die sie nicht zu ahnen schienen , zu erkennen zu geben ; Neugierde war es übrigens nicht , was mich abhielt , denn ich kannte keine Seele in jener Stadt , also konnten mir ihre Reden höchst gleichgültig sein . Aber stellen Sie sich mein Erstaunen vor , Verehrteste , als ich folgendes Gespräch vernahm : Nun ? und darf man Ihnen Glück wünschen , Liebe ? haben Sie endlich die hartnäckige Elise aus der Welt geschafft ? Ja , antwortete die andere Dame , heute früh nach