Gewißheit von Maitlands Neigung war mir nun geworden . Mit übermüthigem Stolz trachtete ich jetzt darnach , von diesem Mann , den ich noch keiner Thorheit erliegen sah , das Geständniß seiner Schwäche zu hören und zwischen Hoffnung und Furcht die Qualen leiden zu sehen , welche ich thöriger Weise für die schmeichelhafteste Huldigung meiner Reize ansah . Miß Arnold reizte meine Beharrlichkeit , meinen stoischen Liebhaber bis dahin zu treiben , durch stets rückkehrende Zweifel : ob seinem Betragen auch wirklich der Sinn , den ich ihm gab , beigelegt werden könnte ? und bei der Begier , mit der ich sie überzeugen und meinen Triumph vervollständigen wollte , gelang es ihrer List , meine Einwilligung in alle ihre Vorschläge zu erhalten . Sie beharrte bei der Behauptung , daß nur die drohendste Furcht mich zu verlieren , einen Mann , der so eifersüchtig sey , sich selbst zu beherrschen , wie Herr Maitland , zu einem bestimmten Schritt mich zu gewinnen vermögen könnte . In ihm die Besorgniß zu erregen , daß ich in Gefahr stehe , Lord Friedrichs Vorschlägen Gehör zu geben , schien ihr dazu am besten geschickt . Ich war selbst durch die Fehler meiner Erziehung zur Aufrichtigkeit gewöhnt worden , und so oft ich seit einiger Zeit durch Umwege zu meinen Zwecken zu gelangen suchte , hatte der Gegenstand meiner Begierde mich hingerissen , aber mein Gefühl nie gegen ihre Strafbarkeit verhärtet . Auch jetzt empörte sich dieses Gefühl gegen den Gedanken , Herrn Maitland glauben zu machen , daß Lord Friedrich meine Liebe gewonnen habe , und heftig weigerte ich mich , diesen Plan ins Werk zu stellen . Miß Julie bewies mir sogleich , daß dieses nicht ihre Absicht sey , im Gegentheil würde sie , wenn ich ' s ihr überließ , Herrn Maitland einen Wink zu geben , das Verhältniß so darstellen , als habe meine Unbefangenheit mich in Verlegenheiten verwickelt , bei denen ich durch edle Aufopferung meiner selbst zu büßen entschlossen sey - und , weit entfernt Sie zu tadeln , schloß Miß Julie , wird er Ihre Denkart bewundern müssen . - Bewundern ! Herr Maitland würde mich bewundern müssen ! An diesem Gedanken scheiterte der letzte Rest meiner Gewissenhaftigkeit . Doch gestand ich mit Angst zu , daß meine dienstfertige Freundin Herrn Maitland bei seinem nächsten Besuch empfangen und ihre Hinterlist ins Werk setzen sollte . Herr Maitland ließ mir Zeit , bessere Entschlüsse zu fassen ; es verliefen acht Tage , ohne daß er in unserm Hause erschien . Allein Miß Arnold sorgte dafür , daß meine Begierde , diesen stolzen Mann das Bekenntniß seiner Schwäche ablegen zu sehen , nicht erkaltete , und indem sie meinen Sieg ausmalte , schwebten leichte , undeutliche Gestalten einer edlern Art im Hintergrund meiner Fantasie , Gestalten , denen sie , nur an Eitelkeit gewöhnt , keine bestimmte Umrisse zu geben vermochte , ich darf aber hoffen , sie deuteten auf die Sehnsucht , in der Neigung , die ich , sobald ich ihr Geständniß empfangen , zu verhöhnen gesonnen war , eine Zuflucht gegen mich selbst zu finden . Nachdem dieser Gegenstand täglich unser Gespräch beschäftigt hatte , überraschte uns endlich Herrn Maitlands Besuch , wie wir uns abermals über diesen Gegenstand unterhielten . Miß Arnold sah ihn an der Anfahrt absteigen und bewog mich durch die dringendsten Gründe , ihr seinen Empfang zu überlassen . Mit einer Vorempfindung unendlichen Wehs erwartete ich den Ausgang dieses Gesprächs , mehr wie einmal stellte mir meine Eitelkeit unsern Plan als gelungen , Maitland als gefesselten Sklaven zu meinen Füßen vor , aber schnell wich dieses thörige Gaukelspiel , und eine gestaltlose Furcht ließ mich auf die undeutlichen Töne ängstlich horchen , die von dem Besuchzimmer heraufschallten . Jetzt hörte ich die Thür öffnen und sah Herrn Maitland mit raschen Schritten , ohne einen Blick zurückzuwerfen , über die Anfahrt gehen und zwischen den Hecken verschwinden . Was haben Sie bewirkt ? rief ich , athemlos in das Besuchzimmer tretend , wo die Unterredung Statt gefunden hatte . - Miß Arnold fuhr bei meinem Eintritt auf , sie schien in unangenehm zerstreuter Stimmung , doch faßte sie sich sogleich und begann einen weitläuftigen Bericht über ihre Unterhaltung mit Herrn Maitland , aus dem sichtlich hervorging , wie widerwillig er sich mit ihr , gegen die er seine Abneigung nie verhehlt hatte , in ein Gespräch über mich eingelassen hatte , wie heftig er anfangs durch ihre Aeußerung , daß ich meine Freiheit für verwirkt halte , erschüttert gewesen sey , aber bald mit Stolz behauptet habe , wie er eine solche Nachricht von meinen eignen Lippen erwarte und dann meinen Entschluß gut heißen müßte . » Gereizt durch seinen Unglauben , durch seine stolze Zuversicht « , fuhr Miß Arnold fort , » ergriff ich nun das letzte Mittel ihn zu überzeugen : ich entdeckte ihm « - - Was ? um Gottes willen , was ? rief ich ungeduldig und ängstlich , da ich Miß Julie erröthen und stottern sah . - » Nun ich entdeckte ihm , daß ein kleines Darlehn , welches Sie Lord Friedrich abzutragen hätten , Sie in die Nothwendigkeit setzte , seine Anträge zu begünstigen . « - Ich hörte den Schluß ihrer Rede nicht mehr an . In der schrecklichsten Empörung meiner Gefühle warf ich meiner unvorsichtigen Freundin ein Geständniß vor , das mir nothwendig Maitlands Achtung entreißen mußte . Julie erschrack über meinen heftigen Schmerz , sie entschuldigte sich mit Thränen , im Eifer , mir zu dienen , dieses unselige Geständniß abgelegt zu haben , - » und dennoch bedurfte es dessen um auf seinen Starrsinn zu wirken , sagte sie weiter ; hätten Sie ihn gesehen wie er bleich , zitternd , um Athem kämpfend im Zimmer umherschritt , Sie würden eingestanden haben , daß er nur also zu überwältigen sey . « - Ich kannte diesen festen Mann zu gut , um diese Darstellung nicht für übertrieben zu halten