gingen sie am liebsten zu den Goldenthalerinnen . Denn diese waren immer sehr nett , in frischen weißen Hemden , und reinlichen Kleidern und saubern Händen , daß sie rechte Lust machten , von ihrem Gemüs , ihrem Gespinnst und andern Waaren zu kaufen . Die Goldenthaler waren arm , das wußte man wohl . Aber sie verzinsten jedesmal ihre Schulden richtig auf den Tag . Und was gar außerordentlich war , sie hatten in der Stadt kleine Geldsummen an Zins ausgethan . Das brachte den Leuten Kredit und Glauben . Wenn der Pfarrer Roderich und der Schulmeister Oswald für einen Goldenthaler gutsprachen , lieh man lieber einem solchen , als einem aus andern Gemeinden . Und man lieh das Kapital lieber um einen sehr mäßigen Zins aus , weil man vorher wußte , daß es sicher stehe und richtig verzinset werde . Das schaffte den Goldenthalern gar ansehnliche Vortheile . Denn sie kündigten ihre Kapitalien ab , wo sie große Zinsen zu bezahlen hatten , und nahmen da Geld auf , wo sie es in niedrigerem Zins erhielten . Man urtheilte allerlei über das Dorf . Man sagte wohl , es sei da ein braver Pfarrer , ein sehr verständiger Schulmeister . Allein Vielen war doch die Sache ein Räthsel . Denn ein Pfarrer und Schulmeister können doch auch nicht Alles ; und jeder Pfarrer im Lande glaubte so klug zu sein , oder auch noch klüger , als die Beiden in Goldenthal waren . Das machte viel Kopfbrechens . Die Bauern in der Gegend sagten geradezu , das Ding gehe nicht mit rechten Dingen zu . Man hatte etwas vom Oswald gehört , und er könne Gold machen , und lehre es in seinem Dorfe Den und Diesen . Und man neckte und höhnte die Goldenthaler damit , sie könnten Gold machen . In der That war es auffallend , daß die Goldenthaler Dinge zu Markte brachten , man wußte nicht , woher sie Alles hatten . Ihr Gemüse , ihr Obst , ihr Flachs , ihr Hanf , ihr Getreide , Alles war gut . Die Kinder handelten sogar mit den schönsten Blumen und brachten solche in die Stadt . Honigwaben , ausgelassenen Honig und Wachs hatten sie mehr , als weit umher alle übrigen Dörfer zusammen . Man wußte sehr gut , sie besaßen keine ansehnliche Viehheerden , viele Haushaltungen hatten etwa jede ein Paar Kühe und ein Paar Ziegen . Demungeachtet brachten arme Leute , die bloß eine Kuh hatten , zentnerschwere Käse und große Ballen der reinsten Butter zum Verkauf . Es war ganz unbegreiflich , wie eine Kuh so viele Butter und Käse liefern konnte . Ebenso hatten die Goldenthaler jederzeit im Herbst die feinsten Obstsorten , schmackhafte Aepfel und Birnen , wie Niemand anders . Woher kam das so plötzlich in wenigen Jahren ? Die Goldenthaler mußten oft selbst bei sich lachen , wenn man ihr Dorf im Scherz das Goldmacherdorf nannte . Denn der Oswald verstand sich auf die Obstbäume , und wo er in den Gärten der vornehmen Herren in der Stadt gute , feine Obstarten wußte , ging er und bat um Zweige . Dann hatte er seine jungen Leute an der Hand , die von ihm das Pfropfen , Zweien und Aeugeln gelernt hatten . Recht wie ein Gärtner gingen sie damit um . Sie hatten wirklich besondere Messer dazu . Nun wollte der Nachbar links und der Nachbar rechts in seinem Garten und auf seinem Felde bessere Frucht vom Baum . Da ward nun okulirt und gepropft nach Herzenslust . Manche Bauern hatten sich junge Wildlinge aus den Wäldern geholt und veredelt . Andere hatten aus Samen Bäume gezogen und Baumschulen angelegt . Jeder wollte es besser machen und besser haben , als der Andere . Im Eifer wurde die Sache oft von Manchem übertrieben . Nun konnte man sich ' s in der Stadt wohl erklären , wie die Goldenthaler von Jahr zu Jahr immer schöneres und immer mehr Obst hatten , woraus sie bei gutem Jahrgang so viel Geld lösten . Das war kein Hexenstreich . Aber keine große Viehheerden haben , und doch viel Käse und Butter machen , das war allerdings ein Kunststück ! Das Kunststück hatte Oswald aber , während seines Kriegslebens , irgendwo in einem Dorfe gesehen und gelernt , und mit sich nach Goldenthal gebracht . Es war gar artig . Die Leute wollten anfangs gar nicht daran ; hintennach aber wußten sie ihm großen Dank . Er machte es nämlich so : Er ging herum mit seinen Verbündeten , die Kühe hatten , und sagte : » Ihr habet von euern Kühen schlechten Nutzen . Man muß von einer Kuh jährlich wenigstens fünfzig bis hundert Gulden baares Geld lösen . Wollet ihr mit mir einstehen , so will ich ' s machen . Werbet dazu noch Andere an , die Kühe haben . Es gehören wenigstens vierzig bis fünfzig Kühe zusammen ; dann geht ' s. « Als nun die vierzig bis fünfzig Kühe gefunden waren , sagte er : » Nun geht ' s ! « Er kannte einen geschickten , rechtschaffenen Senn , der das Butter- und Käsemachen als ein Meister verstand . Dem versprach er zweihundert Gulden Jahrlohn ; dafür mußte sich derselbe aber Kerzenlicht , Tücher und Waschlumpen selbst anschaffen , so zum Käsemachen und Reinhalten der Gefäße und der Waare nöthig waren . Geschirr und Salz schaffte Oswald auf Rechnung der Theilnehmer an , von denen drei redliche Männer zu Aufsehern bei dem neuen Gewerbe ernannt wurden für das erste Jahr . Im ehemaligen Wirthshause zum Adler war der beste Platz zum Käsemachen ; ein guter kalter Milchkeller , ein großer Keller in dem geräumigen Waschhaus . Der Eigenthümer gab den Platz her , denn er hatte fünf Kühe , und wollte die Probe mitmachen und sehen , was dabei herauskomme . - Nun mußte Holz auf Unkosten Aller herbeigeschafft werden . Es kam . Dann bestimmte Oswald einen Tag , da mußten Alle