hübsches , junges , sehr munteres Mädchen . Ihr Bräutigam war ein schöner , schlanker Landjunker mit einem bedeutenden Gesicht voll Leben , um das es jammerschade war , daß es durch einige rohe Züge entstellt wurde . Er mußte sich auf das tumultuarische Andringen sämtlicher Alten feierlich neben seine Braut setzen , welches er auch ohne weiteres tat . » Könnte ich es nur ein einziges Mal in meinem Leben so weit bringen « , sagte Leontin zu Friedrich , » so einen stattlichen , engelrechten Bräutigam vorzustellen ! So eine öffentliche Brautschaft ist wie ein Wirtshaus mit einem abgeschabten Cupido am Aushängeschilde , wo jedermann aus und ein gehen und sein bißchen Witz blicken lassen darf . « Wehe der Braut , die unter lustige Trinker gerät ! So wurde auch hier nach rechter deutscher Weise dem Brautpaare bald von allen Seiten mit kernigen Anhängen zugetrunken , wofür sich die junge Braut immer zierlich und errötend bedankte , indem sie jedesmal ebenfalls das Glas an den Mund setzte . Auch Leontin , der sich an dem allgemeinen Getümmel von guten und schlechten Einfällen ergötzte , und dem die feinen Lippen der Braut rosiger vorkamen , wenn sie sie in den goldenen Rand des Weines tauchte , setzte ihr tapfer zu und trank mehr als gewöhnlich . Die alten Herren hatten sich indes in einen weitläufigen Diskurs über die Begebenheiten und Heldentaten der heutigen Jagd verwickelt und konnten nicht aufhören , zu erzählen , wie jener Hase so herrlich zum Schuß gekommen , wie jener Hund angeschlagen , der andre die Jagd dreimal gewendet usw. Leontin , der auch mit in das Gespräch hineingezogen wurde , sagte : » Ich liebe an der Jagd nur den frischen Morgen , den Wald , die lustigen Hörner und das gefährliche , freie , soldatische Leben . « - Alle nahmen sogleich Partei gegen diesen ketzerischen Satz und überschrieen ihn heftig mit einem verworrenen Schwall von Widersprüchen . » Die eigentlichen Jäger vom Handwerk « , fuhr Leontin lustig fort , » sind die eigentlichen Pfuscher in der edlen Jägerei , Narren des Waldes , Pedanten , die den Waldgeist nicht verstehen ; man sollte sie gar nicht zulassen , uns andern gehört das schöne Waldrevier ! « Diese offenbare Kriegserklärung brachte nun vollends alles in Harnisch . Von allen Seiten fiel man laut über ihn her . Leontin , den der viele Wein und die allgemeine Fehde erst recht in seine Lustigkeit hineinversetzt hatte , wußte sich nicht mehr anders zu retten : er ergriff die Gitarre , die Julie mitgebracht , sprang auf seinen Stuhl hinauf und übersang die Kämpfenden mit folgendem Liede : » Was wollt ihr in dem Walde haben , Mag sich die arme Menschenbrust Am Waldesgruße nicht erlaben , Am Morgenrot und grüner Lust ? Was tragt ihr Hörner an der Seite , Wenn ihr des Hornes Sinn vergaßt , Wenn ' s euch nicht selbst lockt in die Weite , Wie ihr vom Berg frühmorgens blast ? Ihr werdt doch nicht die Lust erjagen , Ihr mögt durch alle Wälder gehn ; Nur müde Füß und leere Magen - Mir möcht die Jägerei vergehn ! O nehmet doch die Schneiderelle , Guckt in der Küche in den Topf ! Sonntags dann auf des Hauses Schwelle Krau euch die Ehfrau auf dem Kopf ! Die Tierlein selber : Hirsch und Rehen , Was lustig haust im grünen Haus , Sie fliehn auf ihre freien Höhen , Und lachen arme Wichte aus . Doch , kommt ein Jäger , wohlgeboren , Das Horn irrt , er blitzt rosenrot , Da ist das Hirschlein wohl verloren , Stellt selber sich zum lust ' gen Tod . Vor allen aber die Verliebten , Die lad ich ein zur Jägerlust , Nur nicht die weinerlich Betrübten - Die recht von frisch ' und starker Brust . Mein Schatz ist Königin im Walde , Ich stoß ins Horn , ins Jägerhorn ! Sie hört mich fern und naht wohl balde , Und was ich blas , ist nicht verlorn . Ich glaube , ich blase gar schon aus des Knaben Wunderhorn « , unterbrach er sich hier selber , und sprang schnell von seinem Stuhle . Die ganze Gesellschaft war durch das lustige Lied wieder mit ihm ausgesöhnt , der Streit war vergessen , und von allen Seiten wurde auf die Gesundheit des Sängers getrunken . Unterdes zog der seltsame Viktor , der sich während Leontins Gesang fortgeschlichen hatte , weil er kein Lied vertragen konnte , wo er nicht selbst mitsingen durfte , aller Augen auf ein neues Schauspiel . Er warf nämlich im Hintergrunde , um nicht bemerkt zu werden , zu seiner eigenen Herzenslust , die leeren Weinfäßchen in die Luft , während die Jäger alle nach denselben schießen mußten , welches nicht ohne das größte Geschrei ablief . Die Tante , welche keinen Rausch an Männern ertragen konnte , befürchtete eine allgemeine Anarchie und lud die Gesellschaft , um die erhitzten Gemüter zu zerstreuen , noch auf einige Stunden zu sich auf das Jagdschloß . Alles brach daher auf und bestieg den Wagen . Friedrich , Leontin und Viktor ritten wieder dem langen Zuge voran , den Ritter von der traurigen Gestalt in ihrer Mitte , dessen baufälliges Pferd die Jäger mit einem Baldachin von grünen Zweigen und jungen Bäumchen besteckt hatten , so daß er , gleich Münchhausen , wie unter einer Laube ritt . Als sie auf dem Schlosse angekommen waren , wurden geschwind noch einige Musikanten , so gut sie hier zu bekommen waren , zusammengebracht , und man tanzte bis zur einbrechenden Nacht . Für Friedrich und Leontin , die , frühzeitig in die Welt hinausgestoßen , gewohnt waren , das Leben immer nur in großen , vollendeten Massen , gleichsam wie im Fluge , zu berühren , gewährte dieser kleine Kreis , wo fast alle , miteinander verwandt , nur eine Familie bildeten , eine neue Erscheinung . Die erquickliche Art ,