bist , daß unter diesem heiligen Kleide Graf Viktorin verborgen , das scheint Hermogen durchaus verschlossen geblieben ; dagegen behauptet er , aller Verrat , alle Arglist , alles Verderben , das über uns einbrechen werde , ruhe in dir , ja wie der Widersacher selbst sei der Mönch in das Haus getreten , der , von teuflischer Macht beseelt , verdammten Verrat brüte . - Es kann so nicht bleiben , ich bin es müde , diesen Zwang zu tragen , den mir der kindische Alte auferlegt , der nun mit kränkelnder Eifersucht , wie es scheint , ängstlich meine Schritte bewachen wird . Ich will dies Spielzeug , das mir langweilig worden , wegwerfen , und du , Viktorin , wirst dich um so williger meinem Begehren fügen , als du auf einmal selbst der Gefahr entgehst , endlich ertappt zu werden und so das geniale Verhältnis , das unser Geist ausbrütete , in eine gemeine verbrauchte Mummerei , in eine abgeschmackte Ehestandsgeschichte herabsinken zu sehen ! Der lästige Alte muß fort , und wie das am besten ins Werk zu richten ist , darüber laß uns zu Rate gehen , höre aber erst meine Meinung . Du weißt , daß der Baron jeden Morgen , wenn Reinhold beschäftigt , allein hinausgeht in das Gebirge , um sich an den Gegenden nach seiner Art zu erlaben . - Schleiche dich früher hinaus und suche ihm am Ausgange des Parks zu begegnen . Nicht weit von hier gibt es eine wilde schauerliche Felsengruppe ; wenn man sie erstiegen , gähnt dem Wandrer auf der einen Seite ein schwarzer bodenloser Abgrund entgegen , dort ist , oben über den Abgrund herüberragend , der sogenannte Teufelssitz . Man fabelt , daß giftige Dünste aus dem Abgrunde steigen , die den , der vermessen hinabschaut , um zu erforschen , was drunten verborgen , betäuben und rettungslos in den Tod hinabziehen . Der Baron , dieses Märchen verlachend , stand schon oft auf jenem Felsstück über dem Abgrund , um die Aussicht , die sich dort öffnet , zu genießen . Es wird leicht sein , ihn selbst darauf zu bringen , daß er dich an die gefährliche Stelle führt ; steht er nun dort und starrt in die Gegend hinein , so erlöst uns ein kräftiger Stoß deiner Faust auf immer von dem ohnmächtigen Narren . « - » Nein , nimmermehr , « schrie ich heftig , » ich kenne den entsetzlichen Abgrund , ich kenne den Sitz des Teufels , nimmermehr ! Fort mit dir und dem Frevel , den du mir zumutest ! « Da sprang Euphemie auf , wilde Glut entflammte ihren Blick , ihr Gesicht war verzerrt von der wütenden Leidenschaft , die in ihr tobte . » Elender Schwächling , « rief sie , » du wagst es in dumpfer Feigheit , dem zu widerstreben , was ich beschloß ? Du willst dich lieber dem schmachvollen Joche schmiegen , als mit mir herrschen ? Aber du bist in meiner Hand , vergebens entwindest du dich der Macht , die dich gefesselt hält zu meinen Füßen ! - Du vollziehst meinen Auftrag , morgen darf der , dessen Anblick mich peinigt , nicht mehr leben ! « - Indem Euphemie die Worte sprach , durchdrang mich die tiefste Verachtung ihrer armseligen Prahlerei , und im bittern Hohn lachte ich ihr gellend entgegen , daß sie erbebte und die Totenblässe der Angst und des tiefen Grauens ihr Gesicht überflog . - » Wahnsinnige , « rief ich , » die du glaubst über das Leben zu herrschen , die du glaubst , mit seinen Erscheinungen zu spielen , habe acht , daß dies Spielzeug nicht in deiner Hand zur schneidenden Waffe wird , die dich tötet ! Wisse , Elende , daß ich , den du in deinem ohnmächtigen Wahn zu beherrschen glaubst , dich wie das Verhängnis selbst in meiner Macht festgekettet halte , dein frevelhaftes Spiel ist nur das krampfhafte Winden des gefesselten Raubtiers im Käfig ! - Wisse , Elende , daß dein Buhle zerschmettert in jenem Abgrunde liegt und daß du statt seiner den Geist der Rache selbst umarmtest ! - Geh und verzweifle ! « Euphemie wankte : im konvulsivischen Erbeben war sie im Begriff , zu Boden zu sinken , ich faßte sie und drückte sie durch die Tapetentüre den Gang hinab . - Der Gedanke stieg in mir darf , sie zu töten , ich unterließ es , ohne mich dessen bewußt zu sein , denn im ersten Augenblick , als ich die Tapetentüre schloß , glaubte ich die Tat vollbracht zu haben ! - Ich hörte einen durchdringenden Schrei und Türen zuschlagen . Jetzt hatte ich mich selbst auf einen Standpunkt gestellt , der mich dem gewöhnlichen menschlichen Tun ganz entrückte ; jetzt mußte Schlag auf Schlag folgen , und , mich selbst als den bösen Geist der Rache verkündend , mußte ich das Ungeheuere vollbringen . - Euphemiens Untergang war beschlossen , und der glühendste Haß sollte , mit der höchsten Inbrunst der Liebe sich vermählend , mir den Genuß gewähren , der nun noch dem übermenschlichen , mir inwohnenden Geiste würdig . - In dem Augenblick , daß Euphemie untergegangen , sollte Aurelie mein werden . Ich erstaunte über Euphemiens innere Kraft , die es ihr möglich machte , den andern Tag unbefangen und heiter zu scheinen . Sie sprach selbst darüber , daß sie vorige Nacht in eine Art Somnambulismus geraten und dann heftig an Krämpfen gelitten , der Baron schien sehr teilnehmend , Reinholds Blicke waren zweifelhaft und mißtrauisch . Aurelie blieb auf ihrem Zimmer , und je weniger es mir gelang , sie zu sehen , desto rasender tobte die Wut in meinem Innern . Euphemie lud mich ein , auf bekanntem Wege in ihr Zimmer zu schleichen , wenn alles im Schlosse ruhig geworden . - Mit Entzücken vernahm ich das , denn der Augenblick der Erfüllung ihres bösen Verhängnisses war gekommen .