nahete , und ihr die Ankunft des Cardinals ankündigte , zu dessen Empfang er recht glänzende Feste ersinne , um dem entfernten Verwandten die weite Reise vergessen zu machen , fühlte sich Rodrich unangenehm von dem ergriffen , was alle Andre mit frohen Hoffnungen erfüllte . Sein Auge traf Viormona , und es war , als sey ihr Inneres in dem flüchtigen Blick zusammengefallen . Auch sie erfreueten die versprochnen Feste nicht , weil ihr die Veranlassung zuwider war , und der Unmuth in Rodrichs Mienen schien ein stilles Einverständniß ihrer Gedanken zu seyn . Als sich daher die Gesellschaft in die verschiedenen Gemächer und den Garten vertheilte , nahete sie sich dem ungekannten Freunde , und wußte geschickt die Vergangenheit herbeizuführen , wo man Feste andrer Art hier gekannt , und ein freier harmonischer Geist alle Herzen zu gleicher Freude gestimmt habe . Die Schönheit , sagte Rodrich , führte das goldene Zeitalter herauf , aber das eiserne behauptet seine Rechte in der verwirrten Menschenwelt , und nur der Donner des Geschützes theilt die Nebel des verfinsterten Horizontes . Er hatte diese Worte , ohne sonderlich auf sie zu achten , herausgestoßen , allein Viormona faßte sie begierig auf , und drückte nur noch mehr vergiftete Pfeile in sein offenes Herz . Wüßten Sie , könnten Sie wissen , sagte sie lebhaft , wie alles zusammenfiel , seit die Sonne diesem Lande unterging , wie sich die lockern Verhältnisse lösten , und ein Band nach dem Andern zerriß , wie täglich tausend Dolche in den tödtenden Blicken seiner Unterthanen auf den Herzog gerichtet sind , wie man die rücksichtslose Heiterkeit des Grafen , Miranda ' s versteckten Stolz und des Bastards Anmaßungen verachtet , Sie hätten Ihre Dienste dem Volke , und nicht dem Fürsten angetragen . Rodrich war im Begriff ihre Hand zu fassen und einen verrätherischen Bund zu schließen , als Stephano nahete und ihn eilends fortzog . Um alles in der Welt , sagte er , als sie sich in einen Seitengang verloren , was haben Sie mit dieser Frau ? Sie ist die unversöhnlichste Feindin der herzoglichen Familie und ihre Nähe jedem Anhänger derselben gefährlich . So - ? erwiederte Rodrich gespannt , dem Einen dünkt oft gefährlich , was für tausend Andre heilbringend wäre ! Sie waren bei diesen Worten zu einem freien Platz gelangt , wo Miranda neben einem Springbrunnen stand , und dem Spiel der zerrinnenden Tropfen gedankenvoll zusah . Als sie beide wahrnahm , heftete sie einen wehmüthigen Blick auf Rodrich und verschwand in ' s Gebüsch . Als wenn plötzlich alle Fesseln der gepreßten Brust zersprängen , so löste sich hier Rodrichs Schmerz in Thränenströme auf . Er fiel dem betroffnen Stephano in die Arme , und sagte weich und ermattet : ach ! leite mich auf dem unsicheren Wege , ich fürchte , ich werde der Gewalt des Schicksals erliegen , oder die wunderbar verschlungnen Knoten eigenmächtig zerreißen . Komm nur , sagte dieser gerührt , wir wollen mit einander reden . Freie Mittheilung soll die Verwirrung lösen . Das wild ausströmende Gefühl erhält im Gespräch wie im Leben Maaß und Ordnung . Es ist wohl thöricht , daß man die vertrauenden Ergießungen so lange zurückdrängt , bis sie der Augenblick herbeiführt . Aber komm nur , es ist noch nicht zu spät . Sie gingen schweigend zur Stadt , und als sie an die Brücke kamen , wo jetzt , wie an jenem ersten Abend , viel lustige Wandrer mit Rodrich den gleichen Weg gingen , während die Lebenswege wohl scharf von einander geschieden waren , fiel es diesem auf , wie die vorgezeichnete Richtung unzählige gedankenlos zu dem gleichen Ziele triebe , ohne daß Einer den Muth habe , die Gränze zu überspringen und die wogende Fluth zu durchziehen . Man thut den Menschen Unrecht , sagte er , wenn man ihnen freche Willkühr und Liebe zu dem Ungebundnen , Schrankenlosen vorwirft . Sie sind in der Regel nur zu fügsam , und die hergebrachte Weise oder eine gefürchtete Rücksicht umstricken nicht selten die lebendigsten Regungen . Wie kommst du darauf ? fragte Stephano . Ich weiß nicht - die Brücke - erwiederte jener zerstreut . Wolltest du sie hinter dir abbrechen ? fiel Stephano ein . Glaube nur , dir entstände bei jedem Schritt eine neue . Und es ist wohl gut , daß man so gar nicht von der Welt loskommt , und der holde Leib uns mit Liebesarmen umfängt , bis wir uns in den weichen Schlingen gefallen und leicht und lustig darin bewegen . Dann sinkt die Hülle und die befreieten Schwingen tragen uns zu unendlichen Fernen . Aber bis dahin ? fragte Rodrich . - Bis dahin , sagte der muthige Krieger , ringen und kämpfen wir getrost , und die zusammengestürzten Wünsche und Hoffnungen werden uns ein Fels , auf dem wir mitten im Sturme feststehen und die unverletzte Brust neuen Kämpfen hingeben . Ach , ich sehe wohl , fuhr er fort , die Worte dieser Eris sind tiefer in dein Herz gedrungen , als ich glaubte . Und was konnte sie dir gleichwohl entdecken , was dir nicht früher bekannt war ? Die innern Spaltungen konnten dir nicht fremd seyn . Was ist es denn , das dich plötzlich so erschüttert und zwischen früher gefaßten Neigungen und abgedrungenem Mitleid hin und her wirft ? Rodrich fühlte , daß er , um dem Freunde verständlich zu seyn , dunklen , halbverkannten Ahnungen Worte leihen , die eigne Schwäche offenbaren , und selbst dann noch eine Saite berühren müsse , deren Mißklang ihn vielleicht auf immer von Stephano entfernen konnte . Noch hatte er nie des Herzogs in seiner Gegenwart gedacht , und es schien ihm unzart , den unbezwinglichen Widerwillen gegen ihn laut werden zu lassen , der ihn vom ersten Augenblick ängstete . Alle diese Rücksichten traten kalt und fremd zwischen die hervorbrechenden Flammen herzlichen Vertrauens , und verschlossen ihn für alles , wodurch ihn Stephano zu gewinnen meinte