Gemüte eben nicht vermehren könnten ; er merkte an sich - da man auf Reisen unverschämt ist - , er sei fast zu Hause . Walts Lebens-Roman hingegen wäre schnell in einen Universitätsroman zusammengeschrumpft , den er zu Hause auf dem Sessel spielte durch Lesen der Romane , und seine Acta eruditorum in den Gang eingelaufen , den er in den Hörsaal machte und zurück in sein viertes Stockwerk - wenn nicht das van der Kabelsche Testament gewesen wäre ; aber durch dieses hob sich der Notar mit seiner Geschichte . Er wollte den Bruder mit den Notizen davon überraschen ; aber dieser versicherte , er wisse schon alles , sei gestern beim Examen gewesen und unter dem Zanke auf dem Pelzapfelbaum gesessen . Der Notar glühte schamrot , daß Vult seinen Zorn-Kaskatellen und seinen Versen zugehorcht ; - er sei wohl , fragt ' er verwirrt ' schon mit dem Hrn . van der Harnisch angekommen , der mit dem Kandidaten von ihm gesprochen . » Jawohl « , sagte Vult , » denn ich bin jener Edelmann selber . « Walt mußte fortstaunen und fortfragen , wer ihm denn den Adel gegeben . » Ich an Kaisers-Statt « , versetzte dieser , » gleichsam so als augenblicklicher sächsischer Reichsvikarius des guten Kaisers ; es ist freilich nur Vikariats-Adel . « - Walt schüttelte moralisch den Kopf . » Und nicht einmal der « , sagte Vult , » sondern etwas ganz Erlaubtes nach Wiarda6 , welcher sagt , man könne ohne Bedenken ein von entweder vor den Ort oder auch vor den Vater setzen , von welchem man komme ; ich konnte mich nach ihm ebensogut Herr von Elterlein umtaufen als Herr von Harnisch . Nennt mich einer gnädiger Herr , so weiß ich schon , daß ich einen Wiener höre , der jeden bürgerlichen Gentlemen so anspricht , und lass ' ihm gern seine so unschuldige Sitte . « » Aber du konntest es gestern aushalten « , sagte Walt , » die Eltern zu sehen und den Jammer der Mutter unter dem Essen über dein Schicksal zu hören , ohne herab und hinein an die besorgten Herzen zu stürzen ? « » So lange saß ich nicht auf dem Baume - - Walt « , sagt ' er , plötzlich vor ihn vorspringend - » Sieh mich an ! Wie Leute gewöhnlich sonst aus ihren Not- und Ehrenzügen durch Europa heimkommen , besonders wie morsch , wie zerschabt , wie zerschossen gleich Fahnen , braucht dir wohl niemand bei deiner ausgedehnten Lektüre lange zu sagen ; - ob es gleich sehr erläutert würde , wenn man dir dazu einen Fahnenträger dieser Art - dir unbekannt , aber aus einem altgräflichen Hause gebürtig und dessen Ahnenbildersaal mit sich als Hogarths Schwanzstück und Finalstock beschließend - wenn man dir jenen Grafen vorhalten könnte , der eben jetzt vollends in London versiert und einst nie mehr Arbeit vor sich finden wird , als wenn er von den Toten auferstehen will und sich seine Glieder , wie ein Frühstück in Paris , in der halben alten Welt zusammenklauben muß , die Wirbelhaare auf den Straßendämmen nach Wien - die Stimme in den Konservatorien zu Rom - seine erste Nase in Neapel , wo sich mehrere Statuen mit zweiten ergänzen - seine anus cerebri ( diese Gedächtnis-Sitze nach Hoboken ) und seine Zirbeldrüse und mehrere Sachen in der Propaganda des Todes mehr als des Lebens - - Kurz der Tropf ( er hat mir den Redefaden verworren ) findet nichts auf dem Kirchhof neben sich als das , worein er jetzt wie andere Leichen auf dem St. Innozenz-Kirchhof in Paris , ganz verwandelt ist - das Fett . - - Nun aber beschau mich und die Jünglingsrosen - das Männermark - die Reisebräune - die Augenflammen - das volle Leben : was fehlt mir ? Was dir fehlet - etwas zu leben . Notar , ich bin nicht sehr bei Geld . « » Desto besser « , versetzte Walt so gleichgültig , als kenn ' er das Schöpfrad aller Virtuosen ganz gut , das sich immer zu füllen und zu leeren , eigentlich aber nur durch beides umzuschwingen sucht , » ich habe auch nichts , doch haben wir beide die Erbschaft « ... Er wollte noch etwas Freigebiges sagen , aber Vult unterfuhr ihn : » Ich wollte vorhin nur andeuten , Freund , daß ich mithin in Ewigkeit nie mich in verlorner Sohnes-Gestalt vor die Mutter stelle - und vollends vor den Vater ! - Freilich , könnt ' ich mit einer langen Stange von Gold in die Haustüre einschreiten ! - Bei Gott , ich wollte sie oft beschenken - ich nahm einmal absichtlich Extrapost , um ihnen eine erkleckliche Spiel-Summe ( nicht auf der Flöte , sondern auf der Karte erspielt ) zugleich mit meiner Person schneller zu überreichen ; leider aber zehr ' ichs gerade durch die Schnelle selber auf und muß auf halbem Weg leer umwenden . Glaub es mir , guter Bruder , ob ichs gleich sage . Sooft ich auch nachher ging und flötete , das Geld ging auch flöten . « » Immer das Geld ! « sagte Walt , » die Eltern geht nur ihr Kind , nicht dessen Gaben an ; könntest du so scheiden und zumal die liebe Mutter in der langen nagenden Sorge lassen , woraus du mich erlöset ? « - » Gut ! « sagt ' er . » So mög ' ihnen denn durch irgendeinen glaubwürdigen Mann aus Amsterdam oder Haag , etwan durch einen Hrn . van der Harnisch , geschrieben werden , ihr schätzbarer Sohn , den er persönlich kenne und schätze , emergiere mehr , habe jetzt Mittel und vor tausenden das Prä und lange künftig an , so wie jetzt aus . Ach was ! Ich könnte selber nach Elterlein hinausreiten , Vults Geschichte erzählen und beschwören und falsche Briefe von ihm an mich vorzeigen - die noch dazu wahre