guten Frau hatten ihre Stimme so sehr gedämpft , dass der Alte , der nach Art der Schwerhörigen ihr scharf ins Gesicht sah , und dadurch ihre Verlegenheit noch vermehrte , nur aus der Bewegung ihrer Lippen abnahm : sie müsse reden . Auch das Zurückstossen des Stutzes liess ihn nur ein leises , undeutliches Murmeln , keine eigentlichen Töne vernehmen . - Ich muss Sie bitten , fing er jetzt an , mir eine Schwachheit des Alters zu Gute zu halten ; ich habe , wenn die Witterung kalt wird , einen Fluss auf dem rechten Ohre , der aber Gottlob ! so arg nicht ist , dass ich , wie mein Nachbar , ein Hörnchen mit mir herumtragen dürfte . Haben Sie nur die Gefälligkeit , ein wenig lauter zu reden , und ich werde Sie hören . Diese Aufforderung zum Lautreden vermehrte das Herzklopfen der Witwe , die schon so des Athems wenig genug , und dabei ein Anliegen hatte , das seiner Natur nach nicht wollte geschrieen werden . Es kam ihr äusserst gelegen , dass eben jetzt Herr Stark sie zum Niedersitzen auf das altmodische rohrgeflochtene Canape einlud ; denn kaum erhielt sie , bei ihrer heftigen innern Bewegung , sich auf den Füssen . Es gelang ihr jetzt , dem alten Herrn zu bedeuten : dass ihre grosse Verpflichtung gegen seinen würdigen Sohn , der durch lange mühsame Arbeit sie aus einer höchst unangenehmen Verwirrung gezogen , ihr ein gerechtes Vertrauen auch gegen den Vater einflösse , und dass sie hoffe - - Hier sank ihr die Stimme wieder ; und Herr Stark brachte nicht heraus was sie denn hoffe : dass er nehmlich gleiche Grossmuth beweisen , und wenn sie von diesem oder jenem ihrer Gläubiger gedrängt werden sollte , ihr seinen einsichtvollen Rath und selbst seine thätige Unterstützung nicht versagen werde . Er bezog die paar Wörter , die er verstand : Grossmuth , Rath , Unterstützung , noch immer auf seinen Sohn ; und deutete , weil sie jetzt auch von Dank sprach , ihre Hoffnung bloss dahin : dass er ihren Besuch gütig aufnehmen , und sich ihren Dank für die ihr erwiesene Hülfe werde gefallen lassen . Dem gemäss erwiederte er , zu nicht geringem Erstaunen der Witwe : dass sie sich in ihm ganz an den Unrechten wende , indem er Alles was sein Sohn für sie gethan , erst spät hinterher erfahren , und dass er also ihren Dank unmöglich annehmen könne . - Unsre jungen Herren , sagte er , pflegen die Väter nicht zu ihren Vertrauten zu nehmen ; sie fürchten , dass man jede Art von Eröffnung als schuldige Rechenschaft von ihrem Thun und Lassen ansehen werde ; und sich einem solchen Zwange zu unterwerfen , sind sie ganz und gar nicht gemeint . - Die Witwe rang , in einer ziemlich langen , ängstlichen Pause , mit sich selbst , wie sie das nehmen , und ob sie im Gespräche fortfahren oder es abbrechen solle . Sie konnte kaum anders , als das trockne Hinweggehen über den Hauptpunct in ihrer Anrede für ein geflissentliches Ausbeugen und Ablehnen nehmen ; und was der Vater vom Sohne sagte , schien sogar das Betragen desselben zu missbilligen . Indessen war es möglich , dass Herr Stark nur übel gehört hatte ; und so raffte sie sich zusammen , um auf einem andern Wege das Gespräch wieder einzuleiten . - Die Doctorinn , sagte sie , habe ihr die Freundschaft gerühmt , die ehemal zwischen Herrn Stark und ihrem verstorbenen Schwiegervater , dem alten Lyk , geherrscht habe ; und sie lebe der Hoffnung - - Auf dieses Wort , welches Herr Stark vollkommen verstand , gab er die passende Antwort : dass er den alten seligen Lyk von seiner Kindheit an gekannt , und schon in den ersten Schuljahren sein Freund gewesen ; dass sie nachher , ihr ganzes Leben hindurch , in sehr enger Verbindung gestanden , und dass sie gewiss , in vorkommendem Falle , ihre gegenseitige herzliche Freundschaft sich aufs thätigste würden bewiesen haben . - Aber , sagte er , so ein Fall kann , Gottlob ! nicht vor ; wir hielten beide unsre Geschäfte in guter Ordnung , und verschlemmten und verschleuderten nicht : und wo das ist , da ereignen sich die Umstände nicht leicht , in welchen der Freund dem Freunde einen ausgezeichneten Dienst leisten oder wohl gar eine Aufopferung für ihn machen könnte . - Wenn gleich diese Anmerkung nichts weniger als Schmeichelei seyn sollte ; so hatte sie doch bei weitem den Sinn nicht , den die Witwe ihr gab , und den sie nach dem obigen Missverstande - oder itzt kaum mehr Missverstande - fast gezwungen war ihr zu geben . Sie glaubte , einen bittern Vorwurf über die Unordnung zu hören , die ihr verstorbener Mann in seine Geschäfte hatte einreissen lassen , glaubte sich zum zweitenmale empfindlich zurückgewiesen , und erblasste und erröthete , im Gefühl ihrer peinlichen Lage , eins um das andre . Herr Stark , der ohne Brille nicht scharf mehr sah , ward von ihrem Zustande nichts inne . Sie haben , fing er nach einigen Secundem wieder an , den guten alten Schwiegervater wohl nicht mehr gekannt ? Nie - sagte ihm ein stilles , schwaches Kopfschütteln der Witwe . Und seine Frau , die alte redliche Mutter Lyk , wohl eben ; so wenig ? Eben so wenig - sagte ihm ein abermaliges Kopfschütteln ; denn die Witwe , der das Herz immer voller und schwerer ward , war nicht im Stande zu reden . - Hätte Herr Stark von der jetzigen wirklich bedrängten Lage der Witwe , und besonders von ihrer Absicht auf ihn , nur die mindeste Ahnung gehabt : so würde er , bei seiner wahrhaft grossmüthigen Denkungsart , und seiner Achtung für Unglückliche , ihrer sorgfältig geschont , und jedes seiner Worte genau bewacht haben ; aber so hielt er , in seiner Unwissenheit