mindern , dieser Katt aber ist nicht nur in meinen Diensten Offizier bey der Armee , sondern auch bey der Garde Gens D ' Armes , und da bey der ganzen Armee meine Offiziers mir getreu und hold sein müssen , so muß solches um so mehr geschehen von den Offiziers von solchen Regimentern , indem bey solchen ein großer Unterschied ist , denn Sie immediatement Sr. Königl . Majestät und Dero Königlichem Hause attachirt seyn , um Schaden und Nachtheil zu verhüten , vermöge eines Eides . Da aber dieser Katt mit der künftigen Sonne tramiret , zur Desertion mit fremden Ministern und Gesandten allemal durch einander gestecket , und er nicht davor gesetzet worden , mit dem Kronprinzen zu complottiren , au contraire es Sr. Königlichen Majestät und dem Herrn General-Feldmarschall von Natzmer hätte angeben sollen , so wüßten S. K. M. nicht , was vor kahle Raisons das Kriegs-Recht genommen , und ihm das Leben nicht abgesprochen hätten . S. K. M. werden auf die Art sich auf keinen Offizier noch Diener , die in Eid und Pflicht stehen , verlassen können . Denn solche Sachen , die einmal in der Welt geschehen , können öfters geschehen . Es würden aber dann alle Thäter den Prätext nehmen , wie es Katten wäre ergangen , und weil der so leicht und gut durchgekommen wäre , ihnen desgleichen geschehen müßte . S. K. M. seynd in Dero Jugend auch durch die Schule geloffen , und haben das lateinische Sprüchwort gelernet : Fiat Justitia et pereat mundus ! Also wollen Sie hiermit , und zwar von Rechtswegen , daß der Katte , ob er schon nach denen Rechten verdient gehabt , wegen des begangenen Crimen Laesae Majestatis mit glühenden Zangen gerissen und aufgehenket zu werden , Er dennoch nur , in Consideration seiner Familie , mit dem Schwert vom Leben zum Tode gebracht werden solle . Wenn das Kriegs-Recht dem Katten die Sentence publicirt , soll ihm gesagt werden , daß es Sr. K. M. leid thäte , es wäre aber besser , daß er stürbe , als daß die Justiz aus der Welt käme . F. Wilhelm . « Kattes letzter Tag in Berlin Katte war all die Zeit über in seinem Arrestlokal auf der Wache des Regiments Gensdarmes verblieben . Endlich , am 2. November , ward er nach dem » Neuen Markt « auf die daselbst befindliche Auditoriatsstube gebracht , wo jene fünfzehn Offiziere , die das Kriegsgericht gebildet hatten , bereits versammelt waren , um ihm durch den Vorsitzenden , Achaz von der Schulenburg , erst das ihrerseits gefällte Urteil , danach aber die verschärfte , auf Tod lautende Sentenz des Königs mitzuteilen . Katte bewahrte gute Haltung . » Ich bin « , sagte er , » völlig in die Fügungen der Vorsehung und den Willen des Königs ergeben . Ich habe keine schlechte Handlung verübt und wenn ich sterbe , so ist es um einer guten Sache willen . « Gleich darnach ward er vom Neuen Markt aus in sein Arrestzimmer zurückgeführt , das noch durch viele Jahre hin , bis zu seinem Abbruch , in einer seiner Fensterscheiben eine Reminiszenz an diesen seinen so berühmt gewordenen Gefangenen aufbewahrte . Es war dies ein Vers , den er während der langen Untersuchungshaft mit dem Stein seines Ringes in Glas gekritzelt hatte . Der Vers lautete : Mit der Zeit ( geduldbeflissen ) Wird uns auch ein gut Gewissen . Wenn du fragst , wer dies geschrieben hier , Wird der Name Katt es sagen dir . Hoffnung läßt Zufriedenheit nicht missen . Darunter standen die Worte : » Derjenige , den die Neugier treiben wird , diese Schrift zu lesen , wird erfahren , daß der Schreiber auf Befehl Seiner Majestät den 16. August des Jahres 1730 in Arrest gekommen ist , nicht ohne Hoffnung , die Freiheit wieder zu erhalten , obgleich die Art , wie er bewacht wird , ihn etwas Unglückseliges ahnen läßt . « Bald nach seiner Rückkehr bat er um Tinte und Feder . Als ihm beides gebracht war , schrieb er an den König : ein Bekenntnis seiner Schuld und zugleich ein Gnadengesuch . Der Brief lautete : » Nicht mich zu rechtfertigen , nicht meine bisherige Aufführung zu entschuldigen , noch durch viele Rechtsgründe meine Unschuld zu bezeugen , nein , sondern die wahre Reue und Leid Ew . Königl . Maj. beleidigt zu haben , verpflichten mich in aller Unterthänigkeit , mich Denenselben zu Füßen zu legen . Meiner Jugend Irrthum , Schwachheit , Unbedachtsamkeit , mein nichts Böses meynender Sinn , mein durch Liebe und Mitleid eingenommenes Herz , ein eitler Wahn der Jugend , der keine verborgene Tücke im Schilde geführt , sind es , mein König ! die dehmüthigst um Gnade Erbarmen , Mitleiden , Barmherzigkeit und Erhörung bitten und flehen ! Gott als der König und Herr aller Herren , läßt Gnade vor Recht ergehen , und bringet durch Erbarmen und Gnade den auf irrigem Wege gehenden Sünder und Missethäter wiederum zu seiner Pflicht : Also , mein König ! Sie , als ein Gott auf Erden , lassen mir doch dieselbe Gnade , als einem gegen Ew . Königl . Maj. mißhandelnden Sünder und Missethäter zufließen . Die Hoffnung der Wiedererholung schonet noch des verdorreten Baums , und erhält ihn vor der Gluth des Feuers . Warum soll denn mein Baum , der schon wiederum neue Sprossen neuer Treue und Unterthänigkeit zeiget , nicht Gnade vor Ew . Königl . Maj. finden ? Warum soll er sich schon in seiner Blüthe neigen , und nicht noch vorher Ew . Königl . Maj. Gnade und Barmherzigkeit für unverfälschte Treue und Gehorsam erwirken ? Ich habe gefehlet , mein König ! ich erkenne es mit treuem Herzen , also verzeihen Sie es dem redlichen Gesteher , und gewähren mir , was auch Gott dem größten Sünder nicht versaget . Manasse vermehrte ja , so gottlos er war , die Zahl seiner Fürsten ;