Ihre Begleiterin , Frau von Hülleshoven , meine Schwägerin , zu versichern , daß sowol in meiner langjährigen Freundin , Fräulein Benigna , ihrer Schwester , wie in mir die Reihe der Jahre den alten Groll gelöscht hat . Was Sie auch , gnädige Gräfin , über unser Zerwürfniß erfuhren , beurtheilen Sie es nach dem Temperament von Menschen , die wie unser ganzer Volksstamm ein starkes und unbeugsames Rechtsgefühl haben . Nur auf der rothen Erde konnten die Vehmgerichte entstehen , jene Selbsthülfe des Volks in einer rechtlosen Zeit ... ( Die Buchstaben verwischten sich der Lesenden vor Erregung ... ) Es ist wahr , die Ehe zwischen meinem Bruder und Monika schloß sich ohne Ueberlegung . Der Kronsyndikus von Wittekind , Testamentsvollstrecker ihrer Aeltern , wollte Monika zwingen , seinen Sohn Jérôme zu heirathen . Sie kannte seine Gewaltthätigkeit und nahm meinen Bruder wie im blinden Ungefähr . Nach einer vierjährigen Ehe war die Erklärung , sie folge dem Manne nicht in seine neue Garnison , sie besäße keine Liebe für ihn , ein reiner Trotz der Verkehrtheit . Sie wollte anfangen nach Grundsätzen zu leben . Sie wollte wahr sein gegen sich und andere ! Es war der Anfang eines völligen Verwirrens ihres Denkens und Fühlens , das wir nicht dulden durften . Ihren thörichten Sinn wollten wir durch die Vorenthaltung ihres Kindes , der damals dreijährigen Armgart , mit Gewalt brechen . Da wir ebenso gegen den Bruder verfuhren , der Armgart für sich in Anspruch nahm , hatten wir die Ausdauer , einen Kampf mit dem Mutter- und Vaterherzen zu wagen . Und dennoch würden wir nachgegeben haben damals , als Monika erkrankte , wenn sie nicht , kaum zur Hälfte genesen , wie noch im Fieberwahn damals Schloß Westerhof verlassen und in die Welt hinausgerast wäre wie eine Irrsinnige ! Daß diese That , die nun freiwillig ihr Kind aufgab , ein Anfall der maßlosesten Eitelkeit war , die Verzweiflung eines Blickes in den Spiegel und auf ihr ergrautes Haar , wird sie nicht leugnen können . Diese wilde Unregelmäßigkeit ihres Wesens ist leider auf Armgart übergegangen . Die Mutter kann versichert sein , daß von unserer Seite nicht das Mindeste geschehen ist , Armgart aus dem Pensionat der Insel Lindenwerth abzurufen . Das thörichte Mädchen will sich nur beiden Aeltern zugleich aufgespart haben und führt diesen Gedanken auch jetzt im Stift Heiligenkreuz , wo sie eine Stelle bekommen hat , mit einer Wachsamkeit durch , die jeden Augenblick die Flucht von Lindenwerth wiederholen würde . Die Aussicht , daß mein Bruder Ulrich sich in Witoborn niederläßt , rückt immer näher . Ein meiner Schwägerin wohlbekannter Name , Remigius Hedemann , hat , seitdem die Abwickelung der Verhältnisse unseres beim jetzt so tief gekränkten Geist der Provinz immer unmöglicher gewordenen Landraths ins Stocken gerathen , die Mühlenwerke bei Witoborn erstanden und beide gedenken ein für den Geist unserer Gegend ganz tolles , ja förmlich herausforderndes Unternehmen - eine Papierfabrik zu begründen ! Stehen wir ohnehin in unsern Verhältnissen selbst nicht fest , so wird uns am wenigsten beikommen , in so sich verwickelnde andere einzugreifen . Bruder oder Schwester , beide würden uns zur Verständigung gleich willkommen sein ! Die Zeit heilt Wunden und mildert Leidenschaften und wir müssen selbst wünschen , daß in diese harten Herzen Besinnung kommt ! Von meiner Schwägerin hör ' ich durch Herrn von Terschka jetzt so außerordentlich viel Rühmenswerthes , daß Benigna sowol , meine langjährige Freundin , die dem Alter der Versöhnlichkeit mit dem , was die Erde bietet , schon so nahe gekommen ist , wie ich selbst , nichts lieber wünschen , als die endliche Beilegung dieses Zwistes , den ja unsere heilige Kirche nicht gestattet so zu lösen , wie es die Leidenschaften dieser wilden Menschen wünschen mögen durch Scheidung - - « Weiter konnte Monika nicht kommen ... Die Schlußversicherungen der Ergebenheit überschlug sie in der Erregung durch diese offene und für den Charakter ihrer alten Gegner , ihres Schwagers , ihrer so strengen , viel ältern und ihr gewissermaßen als Erzieherin gegenüberstehenden Schwester , sogar gemüthvolle Sprache ... Sie stand auf , ließ den Brief auf den Tisch gleiten , griff an ihr Herz und trat an das Fenster , um die Stirn an den feuchten Scheiben zu kühlen ... Die Gräfin unterbrach nicht diesen Seelenkampf ... Eine lange Pause trat ein , die Monika endlich mit den leisen Worten beendete : Aus alledem sehe ich , theure Gräfin , daß ich besser thun werde - noch in dieser Stadt zu bleiben und Sie - allein reisen zu lassen ! ... Vielleicht erfreut es Sie - noch einen Gefährten zu gewinnen , der bei Porzia sitzen könnte , den Onkel derselben , der genöthigt ist , rasch nach England zurückzureisen ! Ich begrüße Sie dann - bei Ihrer Rückkehr hier oder , erlöst von allen diesen Kämpfen , in Ihrem schönen , sonnigen , glücklichen Castellungo ! Die Gräfin sagte zwar : Ja , ja ! hörte aber plötzlich nur halb ... Sie hatte die Rechnung des Hotels entdeckt und suchte wieder die Brille , um eine nicht unwichtige Frage genauer zu prüfen ... Monika sah , daß die Höhe der Summe , die es hier noch zu zahlen gab , die Gräfin erschreckte . Sie hatten an sich einfach gelebt , aber eine Menge anderweitiger Ausgaben hatte die Gräfin von dem gefälligen Wirthe auslegen lassen . Vollkommen war ihr die Eigenschaft ihrer Gönnerin geläufig , den » Nerv der Dinge « und den » ungerechten Mammon « für etwas zu nehmen , was sich nach Gottes ewigem Rathschlusse allen denen , die ihn lieben , früher oder später doch zum besten wenden müsse ... So vertieft war die Gräfin in eine unter dem Eindruck des gewonnenen Processes von ihr hervorgerufene ansehnliche Reihe von Zahlen , daß sie nicht mehr viel von Monika ' s Worten gehört hatte . Bei alledem wußte sie aber doch , daß in dem Briefe das Wort