habe zum activen Dienst attachiren lassen und folgen werde , sobald ich hier meine Functionen beendet . Bei dem Gedränge der Einschiffung gerieth ich plötzlich mit einer jungen hübschen Marketenderin zusammen , die meine Hilfe in Anspruch nahm , weil , wie sie naiv sagte , ihr Bruder auch jetzt bei den Zuaven stände . Das wäre nun kein besonderes Abenteuer , denn Sie wissen , Marquis , mit welcher Nonchalance unsere braven Mädchen aus dem Felde mit Offizieren und Soldaten umzuspringen pflegen . Aber was mich dabei reizte , war das Aussehen ihres Begleiters , der in irgend eine zusammengesetzte Uniform , wie sie der Trödel bietet , gesteckt war und nur dazu zu dienen schien , das Gepäck der Kleinen zu bewachen , ohne ihr im Geringsten sonst an die Hand zu gehen , während sie mit einer auffallenden Sorgfalt jeden Augenblick nach ihm umschaute . Der Bursche war jung , aber hager und bleich , dabei aber so hübsch , ja schön , wie Fürst Iwan Oczakoff , mit dem er eine so auffallende Aehnlichkeit hatte , daß dies eben meine Blicke gefesselt hielt . Wären die starren todten Augen nicht gewesen , so hätte man die Aehnlichkeit für erschreckend halten können . « » Der Zufall treibt oft sein merkwürdiges Spiel . « » Dast schien auch hier der Fall . Der arme Junge war blödsinnig oder wahnwitzig , ich weiß nicht was . Seine einzige Antwort , als ich ihm befahl , das Gepäck aufzunehmen und ihn die Soldaten hin und her stießen , war der immer wiederholte Refrain : Eilf Uhr - die Bahn geht ab ! und ein Lachen , das sogleich mir seinen Zustand verrieth , auch wenn die kleine Marketenderin nicht hinzugesprungen wäre und mir gesagt hätte , ihr armer Vetter sei geistesschwach und sie sorge für ihn . Ich gab der Kleinen meine Karte , notirte mir ihren Namen , Nini Bourdon , und empfahl ihr , mich später in Gallipoli aufzusuchen , wenn ich ihr gefällig sein könne . « Die Freunde setzten plaudernd ihren Weg fort , das Wetter war schön und der Marquis begleitete den Freund eine Strecke auf dem Wege nach seiner Wohnung , die , wie wir aus dem ersten Theil unseres Buches wissen , jenseits der Seine lag . Sie waren über den Platz de la Concorde und bis zum Cours la Reine am Quai gekommen , auf welchem später die Nebengebäude des Industrie-Palastes erbaut wurden . Der Colonel trat in einen der Läden , um sich eine nothwendige Kleinigkeit zu kaufen , während der Marquis langsam auf den breiten Quadern am Fluß hinschlenderte . Der Ort war jetzt verhältnißmäßig einsam , wenn man dies in Paris so nennen kann , wo es zu keiner Stunde der Nacht an Flaneurs auf den Boulevards und Quais fehlt . Méricourt verweilte einige Augenblicke länger in dem Magazin , und als er sich nach dem Freunde umsah , konnte er ihn im ersten Augenblick nicht bemerken , bis , weiter gehend , der Schall von Stimmen ihn aufmerksam machte . Im Licht der Gasflammen bemerkte er den Marquis und dicht vor ihm , mit wilden Gesten zu ihm sprechend , den Fremden , der ihnen von der Oper her über die Boulevards gefolgt war . Der Colonel beeilte seine Schritte , denn die Sprache des Fremden klang rauh und drohend , obschon er die Worte noch nicht verstehen konnte . Er mochte etwa noch dreißig Schritte von der Gruppe entfernt sein und bemerkte , daß außer ihm noch andere Vorübergehende aufmerksam geworden , als er sah , daß der Unbekannte sich auf seinen Freund stürzte und ihn mit wilder Erbitterung an der Brust faßte und schüttelte . Zugleich hörte er die Worte : » Sie sind sein Mörder , Herr ; Ihr Blut für das seine ! « Im Nu war der Colonel an der Seite des Freundes , aber er kam zu spät , um eine unglückliche That zu hindern . Alfred de Sazé war von schlanker Gestalt , verbarg aber unter dem schmächtigen Aeußern eine starke Muskelkraft . Im ersten Augenblick wankte er unter dem Angriff des Rasenden , dann aber hatte er ihn rasch an den Hüften gefaßt und schleuderte ihn mit Gewalt von sich . Der Unglückliche taumelte zurück , schlug an das Gitter , das den Quai nach der Seine hin abschließt , und von der gewaltigen Schwingung des Wurfs die Balance verlierend , rückwärts über die obere Stange des Gitters , und ehe die umherfassende Hand einen Halt zu ergreifen vermochte , in die Tiefe . Ein lauter Schrei ertönte von mehreren Lippen , denn verschiedene Personen , durch den raschen heftigen Wortwechsel herbeigelockt , hatten die That mit angesehen . Alles stürzte nach den Gittern . » Um Gotteswillen , de Sazé , was gab es ? was ist geschehen ? « Der Marquis stand bleich , zitternd , odemlos , sein Gilet und seine Cravatte zerrissen von dem Griff des Fremden . - » Ich weiß nicht - ich verstehe es selbst nicht - retten Sie den Menschen , es ist ein Wahnsinniger ! « Er sprang an den Rand des Stromes , an die Unglücksstelle , an der bereits das Publikum mit dem Rufe : » Ein Mord ! haltet den Mörder ! « sich drängte . » Er ist auf den Kahn gestürzt ! « rief eine Stimme . So war es in der That , aber wie sich erwies , zum Unglück des Mannes . Dicht unter dem Quai lag eines der größeren Seineschiffe ; der Stürzende war auf das Bugspriet desselben geschlagen , jedoch so unglücklich , daß er mit dem Hinterkopf auf die Schaufel eines Ankers traf . Als die von dem Tumult herbeigerufenen Schiffer ihn aufhoben und über die schwankende Bohlenbrücke auf den Quai trugen , zuckten die Glieder bereits im Todeskampf , die Augen rollten wild , ein Strom von Blut ergoß sich aus dem Munde und wenige Augenblicke darauf war der