rufen ? Herr Schmelzing ! Der Oberkommissär schärfte noch einmal die Signalements dem bewährten Vizewirthe ein und wandte sich zum Gehen mit den Worten ... Teufel , steckt doch hier Licht an ! Man bricht sich ja den Hals bei Euch ! Frau Mullrich führte den Herrn Oberkommissär an ihrer eigenen pechschwarzen Hand durch die pechschwarze Finsterniß der Treppe , die aus dem Keller aufwärts führte , während ein grinsendes Gesicht von einer sich bückenden Gestalt auf der Hausflur in die Wohnung des Vizewirthes fragend niederschaute ... Mullrich hörte oben den Schreiber Schmelzing dem Herrn Oberkommissär die Honneurs machen . Beide verschwanden . Mullrich wollte , als seine Gattin zurückkehrte , nun seufzend und wehklagend in sein Bett zurückkehren und holte nur noch seine Brieftasche aus dem Rocke , um die wichtigen Signalements hineinzulegen . Die verdammte Tänzerei da in der Fortuna ! brummte er zornig . Alle Welt schreit über Noth und Elend und auf so ein Gartenfest gehen sie und jubeln , als wenn es Tresorscheine geregnet hätte . Leg ' mir nur den guten Leibrock heraus ! Im Staat soll man auch erscheinen , damit man nicht gleich die Zuchthausschlüssel bei Unsereinem rasseln hört . Das Elysium ist bankrott , sagte seine Gemahlin tröstend , die Fortuna wird auch nicht lange machen . Wo nur der Hitzreuter wieder das Geld her hat ! Das soll ja eine Pracht in der Fortuna sein ... Der Kümmerlein erzählt ja die blauen Wunder davon ! Mullrich schwieg . Seine Gemahlin war etwas eifersüchtig und hörte ungern , daß es in der Fortuna so wild und zügellos herging , ungern , daß dort Alles von Krystall und Bronze , gemalt und von Gaslicht erleuchtet sein sollte ... Mullrichs lustiger College , Kümmerlein , hatte ihr schon die verfänglichsten Sachen von der Fortuna erzählt . Mullrich wollte schlafen und antwortete nicht . Die Gemahlin , die zwar von ihrem Gatten voraussetzte , daß er sehr tugendhaft war , von Kümmerlein aber oft gehört hatte , daß dieser die vielen delikaten Begegnungen seiner sittenbefördernden Praxis zu manchen unerlaubten Abenteuern und Abirrungen auszubeuten wußte , fragte : Was ist denn Das für eine Frau Schievelbein in der Neustraße ? Während Mullrich nun von einer Vermietherin brummte , von einer Haussuchung bei einem Maler oder Referendar , von Beschlagnahme von Bildern und ähnlichen ihm gegebenen Winken , schlug seine plötzlich etwas gereizte Ehehälfte Licht an und wollte eben die kleinen Läden der Kellerfenster schließen , als sie auf einen Tritt hinaufsteigend , überrascht äußerte : Sieh ! sieh ! Da steht ja wieder der junge Herr von heute Vormittag auf der Straße und lauert . Der paßt auf 86 oder 87. Ich komme dahinter . 87 ist nicht ganz ohne . Das schlägt die Augen nieder und trübt kein Wasser und dem Riekel hab ' ich gleich angesehen , daß die Thür zwischen 86 und 87 aufgewesen ist . Wenn ich doch einmal dahinter käme - aber ! Du , Mullrich ! Du , Mullrich ! Schläfst du schon ? Schläft der schon ! Schnarcht schon wie ein Ratz ! Jetzt kann ich nicht hinauf zu ihr ... Schlaf du und noch Einer ! Hör ' ! Wie er sägt ! Die Eier machen ihn immer schläfrig . Er soll auch nicht so starkes Bier haben , wie seit ein paar Tagen . In der Fortuna mag ich ihn gar nicht . Bei dem verdammten Hitzreuter gibt ' s Punsch und Kuchen . Und so traktirt werden die Polizeidiener da , daß ihnen zu Hause nichts mehr schmeckt . Kümmerlein ist verdorben genug ... Und so fort und fort plauderte Frau Mullrich mit sich selbst , indem sie ihr Dreierlicht ausputzte und sich anschickte , ein paar alte vom Trödel gekaufte Pantoffeln durch hintern Ansatz von Leder wieder in ein paar Schuhe umzuwandeln . Sie setzte für diese einem ihrer Miethsleute bestimmte Arbeit eine Brille auf , nahm ihr Dreierlicht und stellte es hinter eine Glaskugel , die mit Wasser gefüllt war und an einem Riemen auf einer pyramidenförmigen Erhöhung einer Schusterbank stand . Das Lampenlicht fiel durch diese Kugel rund und klar auf den in einen neuen Schuh zurückzuverwandelnden alten Pantoffel . Dabei richtete sie durch das halb offengelassene Bret der Fensterlade unverwandt auf den draußen wartenden Herrn den Blick . Dieser stand mit einem leichten Spazierstöckchen und schien seine Ungeduld durch ein Liedchen wegzupfeifen , wenn er nicht alle die Menschen musterte , die in der geräuschvollen , menschenüberfüllten Straße an ihm vorübergingen oder in Nr. 9 selbst eintraten . Frau Mullrich achtete schon auf diese letzteren nicht mehr . Erst um 10 Uhr , wenn sie das Haus schloß und die Pfennige bezahlt werden mußten , fing eigentlich ihr großes Controlegeschäft an . Heute aber fesselte sie doch von den Passanten ein kleines Paar , dem sie , von ihrem Schemel aufspringend , durch das Fensterchen , das zur Hausflur führte , nachrief : Heda ! Line ! Willem ! Ein Knabe von zwölf Jahren in einer Blouse und ein kleines Mädchen von etwa acht Jahren wandten sich um und blickten niederwärts zu dem kleinen Schaufenster der gefürchteten Vizewirthin , vor dem man in diesem Hause gern rasch vorüberschlüpfte . Da steht er ja vor der Thür ... sagte die Alte . Wer ? fragten die Kinder . Der Herr , der zu Eurer Louise wollte ! Zu Louisen ? fragte Wilhelm und ging etwas nach vorn , um einen solchen Herrn , der zu seiner Schwester Louise wollte , sich erst anzusehen . Der junge Mann war etwas weiter gegangen und schlenderte in einiger Entfernung auf und ab . Zu Louisen kommt kein Herr ! sagte Wilhelm fast verächtlich zu Frau Mullrich und ging weiter in den Hof . Linchen ! Linchen ! rief aber die neugierige Vizewirthin mit verstärkter Stimme und reckte den gelben magern Hals durch das Schaufenster ... Linchen , wie Mädchen , neugieriger , blieb stehen und folgte nicht so rasch dem Bruder . Linchen komm '