der Natur nicht ohne Spende vorübergehe , .. besondere Geschicklichkeit nicht unbelohnt lasse . Hat die Handelwelt ihre Throne auf dem Römerberg , im Saalhofe und am Ufer des Mainstroms errichtet , so baut dagegen die Kunst , die sich zur Schau stellt , anderwärts ihre luftige Bühne , oder durchzieht wandelnd die Gassen , Bürgern und Fremden vor die Thüre bringend , wonach , sie aus der Thüre keinen Schritt thun würden . Wandernde Dichter und Sänger ziehen umher , von Herold und Pickelhäring begleitet , und halten Wettkämpfe der Begeisterung oder possenhaften Reimerei . Häufig ist der blaue Himmel das Dach ihres Schauplatzes , und aus den Fenstern der Häuser und den Thüren der Laden fliegen die Heller , die ihre Anstrengungen belohnen sollen . Öfter jedoch ziehen sie es vor , die heimlichen gewölbten Stuben der Küfermeister zu besuchen , die in der Messe niemals leer werden , weil ihr Kranz und Busch immer grün , und der dadurch verheissene Wein immer duftig und kühl ist . Der Sänger liebt der Rebe Gold , der wohlgenährte Bürgersmann ist freigebig ; die Fässer laufen über , und in der Laune des Trunks fliegt aus der Gäste Hand oft das Doppelte dessen in des Herolds Mütze , das der Geber zu steuern sich vorgenommen . Auf dem Roßmarkte bereitet sich indessen ein ernsterer Wettkampf vor , obgleich im Grunde auch nur Posse und Spielerei . Ein hohes Gerüste besteigen so eben zwei Fechter , die das Volk unter lautem Jubel herbeigeführt . Die Schelme , die so fremd gegeneinander thun , und sich drohend messen mit den Blicken , und die Nase rümpfen , daß der gewaltige falsche Schnurbart sich in die Höhe zieht , - sie kennen sich recht gut , und sind nur zu verschiedenen Thoren eingezogen , um das leichtgläubige Volk zu täuschen , ihre Fertigkeit in höhern Werth zu setzen , und ihre Rechnung dabei doppelt zu finden . Eine Bürgerfreude ist solch ein Fechteraufzug ; die größte Wonne des Pöbels zwei fremde Kämpfer aneinander zu hetzen . Die lederne Sturmhaube auf dem Kopfe , geschmückt mit einer langen Feder , die schon bei manchem Strauß gewesen , ein ungeheures Schlachtschwert auf der Schulter tragend , ... seltsam aufgeputzt mit farbigen Bändern , erklimmen die Klopffechter die Bühne , um dort zu siegen oder zu unterliegen , je nachdem gerade die Reihe an einem oder dem andern ist . Das Volk klatscht sich die Hände wund , schreit sich die Kehle rauh , und aus den , bis zum Gibel mit zahllosen Zuschauern besetzten Häusern des Roßmarktes regnet reiches Schaugeld , von einem kecken Hannswurst erbettelt , in den Seckel der Schalksgesellen , die in ' s Fäustchen lachen , und vielleicht , um dem Schauspiel ein glänzendes Ende zu verleihen , sich gegenseitig den Doctorgrad des langen Schwertes unter albernen Gebräuchen ertheilen . » Ich will doch des Donners und des Hagels seyn , « - sprach Gerhard von Hülshofen zu Dagobert , mit welchem er durch das Gewühl schlenderte , - » wenn ich nicht die beiden angeputzten Hasenfüße auf jenem Gerüste , so barsch und reckelhaft sie sich auch haben , mit einem Pfannenstiele in die Flucht jage , so weit der Himmel blau ist . Das sollen Fechterhiebe seyn ? Buffelei , weiter nichts , mein guter junger Herr . Was meint Ihr dazu ? « - Dagobert blickte den Frager mit der Miene eines Mannes an , der so eben aus einem tiefen Schlaf erwacht , und nicht eine Sylbe von dem gehört hat , was man ihm seit Stunden vorgeredet . - Gerhard schüttelte unwillig den Kopf . » Seyd wieder in Eurer besten Laune , mein Lieber ; « brummte er : » Ich rathe Euch , löscht Eure Lampe aus , und sagt der Welt Gute Nacht ; s ' ist eine Schande für alle Junggesellen des römischen Reichs , daß Ihr , der Wackersten Einer , Euch geberdet , wie ein träumend Kind . Ihr helft der ganzen Welt aus dem Eisen , wie die Historia mit dem Wildmeister erst kürzlich bewiesen , obgleich der Herzog Alles gethan haben mußte ; ... aber Euch selbst könnt Ihr nicht helfen . Schämt Euch , und kommt zu bessern Gedanken . Daß Ihr nicht heirathen wollt , wie es Euer Vater wünscht , ist gut , ... denn nur der unbeweibte Mann ist ein ganzer , - aber der Grund , warum Ihr ' s nicht thun wollt , ist ein schlechter Grund . Für dießmal sey ' s genug , aber seyd doch lustig , in ' s Teufels Namen , s ' ist Meßzeit , Jubel und Freude an allen Ecken , und der wohlweise Rath so sanft wie ein Lamm , er weiß schon warum . Alle fahrende Frauen und Töchter sind losgelassen , und dürfen schwärmen auch ausserhalb dem Rosenthale1 . Die Schenken sind offen die ganze Nacht hindurch , und kein sauertöpfischer Wirth darf mich auf die lange Glocke verweisen , wenn ich nach neun Uhr mein herzhaftes : Eingeschenkt , über den Tisch donnre . Ich mag jetzo meine längste Stoßklinge an die Hüfte stecken , und damit den Waden der jungen Fante beschwerlich fallen , während ich sonst mein kürzestes Schwertlein anhängen muß , das nicht besser aussieht , als das Wetzeisen am Gürtel eines Schlächters . Ja , mir ist ' s sogar nicht verwehrt , Sonntags meinen Bart scheeren zu lassen , so mir ' s gefällt . Es lebe die Meßfreiheit ! Sagt , kann man wohl glücklicher seyn ? Jagt darum die Grillen zum Teufel . Sprecht , wohin wollen wir ? Soll ich Euch etwa zu dem Wundarzt führen , der an der Ecke der Klauskirche seine Latwergen und Pillen verkauft ? Vielleicht hat er ein Mittel gegen Euren Blödsinn , oder sein Schalksnarr zwingt Euch zum Lachen , was das Herz froh macht , und hungrig den Magen ; oder wollen , wir den Vogel