, nachdem er mich doch zuvor eingeladen hat , Westerhof zu besuchen ? Monika mußte lächeln , so schmerzlich erregt sie war ... Sie blickte auf das Ende des Briefes , um nach Armgar ' ts Erwähnung zu suchen ... Der Brief lautete im Zusammenhange : » Comtesse Paula ist glücklich , daß sie Westerhof behält . Sie drückt Ihnen , gnädigste Frau Gräfin , ihre ganze Verehrung aus . Es würde Sie gewiß erfreuen , eine Verwandte kennen zu lernen , die mit einem selten gebildeten Geiste eine Einfachheit und Güte des Herzens besitzt , die durch keine Verkürzung und Schmälerung ihrer Glücksgüter getrübt werden kann , höchstens , daß ihr die Mittel zum Wohlthun verringert sind ... « Wieder unterbrach die Gräfin die im Zimmer herrschende Stille . Sie folgte der Lectüre Monika ' s im Geiste Zeile für Zeile , so fest hatte sich ihr sofort trotz kurzen Durchfliegens der Inhalt des Briefes eingeprägt . Um Comtesse Paula , sagte sie , gesteh ' ich es zu bedauern , daß ich der Aufforderung nicht folgen kann ... Monika verstand vollkommen , was in diesen Worten liegen sollte . Es war die mütterliche Sorge für die immer doch noch nicht ganz gewisse Zukunft . Fand sich noch irgendein Hinderniß für die Ausgleichung des Familienstreits und entging den Salems-Camphausen eine seit fünfzig Jahren ihnen immer dringlicher und dringlicher gewordene Hoffnung , von der ihre Ehre und der Bestand ihres Namens auf Generationen abhängig war , so konnte und mußte der Fall eintreten , daß Graf Hugo um Paula warb ... Deshalb lag in den folgenden Worten , die die Gräfin unter andern Umständen mit viel größerer Strenge würde gesprochen haben , eine bei ihr seltene Milde : Das arme Kind soll nach allem , was ich höre , immer wieder in ihre Visionen zurückfallen ! Sie ertheilt im magnetischen Schlafe Rathschläge an Kranke ! Schloß Westerhof , sagte Nück , soll von Morgens bis Abends belagert sein von Hülfsbedürftigen , die oft aus weiter Ferne kommen , um sich von ihren Leiden heilen zu lassen ! Aus dem wahren Geiste Gottes ist das nicht ... Die Apostel hatten diese Gabe auch , aber um ihres Glaubens willen und bedurften dazu nichts , als nur des Gebets . Sie , Baronin , weiß ich , sagen freilich rundweg , das alles wäre Wahn oder die Macht des Willens , der da sagt : Sei geheilt ! und der Kranke ist - zuweilen geheilt . Der Wille scheint Ihnen allmächtig ! Wenn man an sich selber nur glaubt ! O , Sie wissen , meine Gute , wie wenig ich von allem halte , was ohne die Gnade Gottes ist ! Doch bin ich weit entfernt , den Katholiken die Gnade Gottes abzustreiten , wenn sie sich ihr in inbrünstigem Gebete nahen ! Mischen sie aber Thorheiten ein , wie die fürsprechenden Engel und Heiligen , nun , so mag der Herr auch das kindliche Lallen der Seele in ihrer unverständigen Verblendung wol mit väterlicher Geduld vernehmen , ist nur der Grund da des Vertrauens zu ihm . Sie erinnern sich , daß Ihre Freundin bei den Hospitaliterinnen die heilige Hildegard nannte , mit der ihr Comtesse Paula Aehnlichkeit zu haben schien . Das sagt ' ich Ihnen ja noch gar nicht , wie ich bei Bingen das Grabmal dieser sogenannten Heiligen gesehen habe ! Ich beschloß , mich etwas genauer über sie zu unterrichten . Da erfuhr ich denn , daß die ernsthaftesten Männer mit dieser Aebtissin , die so viel Wunder verrichtete , in Verbindung standen , ja ein Bernhard von Clairvaux und sogar der damalige Papst - Sie wünschte ihm Glück zur Ausrottung der Waldenser ! warf Monika ein ... Wie ? rief die Gräfin ... Mit diesen wenigen Worten änderte sich plötzlich der ganze Gedankengang der Gräfin ... That sie das ? fuhr sie bestürzt fort und hielt im Wandeln durch das Zimmer inne . Sie verließ sich auf die Kenntnisse Monika ' s , die ihr bei solchen entschiedenen Behauptungen verbürgt waren ... Sie that es in einer Sprache , fuhr diese fort , die sie nur in ihren Visionen kannte , der lateinischen . Ihr Beichtvater schrieb diese Visionen nach und veröffentlichte sie später ; es war ein Pater Gottfried ... Ich habe mich in Mußestunden viel mit dem Leben der heiligen Hildegard beschäftigt ... Dann war sie eine Betrügerin ! wallte die Gräfin auf und endete ihre Rede mit dem völligen Gegentheil dessen , womit sie begonnen hatte . Sie hatte darauf hinaus wollen , daß ihr allerdings an der heiligen Hildegard interessant gewesen wäre , sich nach ihrem Beispiel die ekstatischen Zustände Paula ' s zu denken . Nun aber sagte sie : Auch in Westerhof werden es die Pfaffen sein , die die Krankheit des armen Mädchens benutzen und sie zur Närrin machen ! Ich dorthin reisen ! In der dumpfen Luft würde ich den Athem verlieren ! » Es war aber ein Mann mit Namen Simon , der Zauberei trieb und gab vor , er wäre etwas Großes , und sie sahen auf ihn und sprachen : Der ist die Kraft Gottes , die da groß ist ! Da sie aber Philippi Predigten hörten von dem Reich Gottes und den Namen Jesu Christi , ließen sich taufen , beides Männer und Weiber . « Monika las weiter : » Herr von Terschka unterbricht mich und verbindet seine Bitte mit der unserigen , Ew . gräflichen Gnaden möchten in der That den Umweg nicht scheuen . Begleitete Sie nicht vielleicht Herr Benno von Asselyn , so würde Ihnen vielleicht der Domherr von Asselyn , sein Vetter , eine interessante Reisegesellschaft sein . Wir erwarten ihn jeden Tag zu einer kirchlichen Inspection . Auch einigen Worten des Herrn von Terschka , Armgart von Hülleshoven , meine Nichte , betreffend ( jetzt zitterte der Brief in den Händen der von ihrem Kinde geflohenen Mutter ) geb ' ich gerne Ausdruck und bitte Sie ,