mußte . Verwandschaftsrücksichten , mein Bester , Verwandte hat leider jeder Mensch ! Zum Glück war es meine letzte und ich kann nun ungehindert thun , was mir beliebt , in die Diplomatie oder in ' s Militair treten , kurz , ein Mann des Staates werden , was die legitimistischen Grillen der Verstorbenen , von der leider meine besten Aussichten abhingen , mir bisher verschlossen . Ah , Colonel ! - ich gratulire bei der Gelegenheit zum Avancement - wenn Madame la Marquise geahnet hätten , wozu der letzte Sprößling der Sazé ' s unterdeß all ' seine viele Zeit verwandt hat , wie er in den durch das Bourgeoisieregiment und das neue Kaiserthum entweihten Tuilerieen Hof gemacht , dem Advocatenadel , der Börsenaristokratie und der Judennoblesse viele seiner schönsten Abende und Salonstudien zu danken hat , - auf Ehre , Vicomte , die alte Dame hätte mich zu all ' ihrem langweiligen Predigten noch gänzlich enterbt . « Méricourt - denn der wackere und hochherzige Geliebte der schönen Fürstin Oczakoff , die wir so lange aus den Augen verloren haben , war der Begleiter des Marquis , lächelte ernst . » Die Verbannung von Paris hat Sie wenig verändert , obschon ich glaubte , daß pariser Luft Ihnen so nothwendig zum Lebenwäre , wie dem Fisch das Wasser . « » Da haben Sie Unrecht , Vicomte , ich bin nicht ein einziges Mal während der ganzen Zeit in Paris gewesen , sondern habe alle Landkränzchen und Bälle der Provinz mitgemacht , wie ein geborener Krautjunker . Sie sehen ja auch aus meinen Plänen , daß ich Paris missen will und in die Fremde gehen . Im Vertrauen kann kann ich Ihnen freilich sagen , es geschieht , weil nach meinem Arrangement von dem Erbe meiner Tante , das wegen der leidigen wohlthätigen Legate viel geringer ist , als ich und meine Gläubiger erwarteten , mir nicht so viel übrig bleibt , um das Leben in der frühern Weise hier fortführen zu können . « » Werden Sie Soldat , Sazé , Sie dienten ja bereits in ihrer frühern Jugend . « » Gewiß , mein Lieber ; ein oder zwei Jahre , ich weiß nicht mehr - man muß seine Pflichten gegen das liebe Vaterland erfüllen . Auch hat ein Bekannter im Bureau des Kriegsministers mir bereits das Patent als Lieutenant und zur Dienstleistung beim Stabe des Prinzen , der die 3. Division kommandiren soll , zugeschickt , - ich habe aber Lust , es doch wieder zurückzugeben , und die diplomatische Carriere vorzuziehen . « » Im Augenblick , wo der Krieg vor der Thür ist ? « sagte der Vicomte vorwurfsvoll . » Ah , bah , - ich glaube , Sie zweifeln nicht an meinem Muth , nur ist das Leben im Felde so - so - unfashionable und ich verspreche mir mehr Spaß von den diplomatischen Operationen in dieser Zeit . Mit den türkischen Harems möchte ich schon Bekanntschaft machen , wenn wir nur nicht mit den schmuzigen Russen zu thun hätten . Man wird die Handschuh alle Augenblick wechseln müssen im Gefecht ! A propos , Vicomte , haben Sie Nichts wieder von unserm kleinen durchgegangenen Duellanten gehört , der den Kamm so gewaltig blähte und dann spurlos verschwunden war ? « » Sie meinen den Fürsten Iwan ? « entgegnete der Colonel ernst . » Sie wissen , Marquis , daß kein Flecken auf seiner Ehre haftet und daß Herr von Kisseleff , der russische Gesandte , uns am Morgen offiziel unterrichtete , daß er den Fürsten davon abgehalten und zur Abreise als Courier nach Petersburg gezwungen habe . « » Ja , ich weiß , und ich begriff damals nicht , warum Sie das heimliche Anerbieten jenes russischen Obersten , für den jungen Fürsten einzutreten , ablehnten und sich mit Entschuldigungen des Gesandten begnügten . Sie schießen so wundervoll , Vicomte , und hatten die beste Gelegenheit , sich da von dem widrigen Tatarengesicht Ihres Rivalen zu befreien , denn verliebt in die schöne Fürstin waren Sie doch . « Der Colonel schwieg . » Haben Sie Nichts wieder von der Dame und ihrem Bruder gehört ? « beharrte de Sazé . » Fürst Iwan ist , wie ich aus den Zeitungen ersehen , in den Stab des Fürsten Mentschikoff gesandt worden . Sein Name hat bereits ehrenvolle Erwähnung in der blutigen Schlacht von Oltenitza gefunden . Die Fürstin ist - wie ich von einem Attaché der Gesandtschaft hörte - gefährlich in Berlin erkrankt und dann auf ihre Güter in der Krimm zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit gebracht worden . Ein seltsames Ereigniß erinnerte mich daran , als ich vor einigen Tagen bei meiner Rückkehr von Algier in Marseille der Einschiffung der ersten Division beiwohnte . « » Bitte , erzählen Sie , Vicomte ! - Aber was , zum Teufel ! verfolgt uns denn eigentlich für ein fremdes Subject ? Ich habe das confiscirte Gesicht schon beim Austritt aus dem Theater bemerkt , wie es mich aus der Menge der Flaneurs mit den Augen eines Wolfes anstarrte . « Der Colonel sah sich um . In der Entfernung von etwa dreißig oder vierzig Schritt schlich mit auffallender Beharrlichkeit ein Mann hinter ihnen d ' rein von finsterm verdächtigem Aussehen . Seine Kleidung war die eines Commissionairs , das Gesicht eingefallen , hohl , so weit es die Entfernung und die Gasflammen zu erkennen erlaubten , - und von einem dichten Bart zur Hälfte bedeckt . - » Vielleicht irgend ein Vagabond oder Bettler , « sagte der Vicomte , » Paris wimmelt davon . Aber die Zeit ist noch zu früh , kaum eilf Uhr und der Boulevard zu belebt für solche Nachtvögel . « » Also Ihre Geschichte , Colonel ! « » Ich habe bereits erwähnt , daß ich bei dem ersten Einschiffen der Truppen zugegen war , denn zu der Division des Generals Canrobert wird auch das 3. Zuaven-Regiment gehören , dem ich mich von der Garde