das Fenster , schlüpfte hinter den schweren Vorhang , der es bedeckte , und blickte in die Nacht hinaus . Drunten im Hofe war es lebendig ; ich sah den Qualm der Fackeln , und zuweilen , wenn ihn ein Windstoß auf die Seite jagte , flackerten die dunkelrothen Flammen hoch empor und erleuchteten das finstere Schloß mit seinen vielen Fenstern . Der Vater stieg zu Pferde und gleich darauf sah man ihn wegreiten ; der alte Mann ihm zur Seite , die Reiter mit den Fackeln vor und hinter ihm . Ich weiß nicht , wie sie so dahin galoppirten durch die grünen Gebüsche über den geschlungenen Weg , jetzt verschwanden , so daß man nichts mehr sah als die überhängenden Zweige von der rothen Gluth der Fackeln angestrahlt , jetzt wieder zum Vorschein kamen , da schnürte eine unerklärliche Angst mein Herz zusammen . Sie sahen so unheimlich aus , die finstern Gestalten auf den dahinjagenden Pferden ; mir war gerade so , als entführten sie gewaltsam meinen Vater , als gehe er einem Unglück entgegen und wisse es selbst nicht . Ich wollte ihn zurückhalten , - er mußte gerade den Park verlassen haben ; man sah nur noch einen unbestimmten Schein zwischen den Bäumen , der aber plötzlich erlosch . Ich klopfte an die Scheiben , ich wollte das schwere Fenster öffnen , indem ich ausrief : Vater ! Vater ! reite nicht hinweg , verlasse uns nicht , o du kommst nicht zu uns zurück ! « » Bei diesen letzten Worten war der Baron , von der Erinnerung überwältigt , empor gesprungen , streckte die Hände von sich ab und hatte die Augen starr und weit geöffnet . - Ah ! sagte er nach einer Pause , während welcher sich seine Züge wieder belebt hatten , ich kann es mir nun einmal nicht abgewöhnen , zu lebhaft zu denken . Ich bin ein schlechter Erzähler . Jetzt will ich mich aber zusammen nehmen . Es war das für uns alle Drei ein trauriger Abend . Die Mutter saß in ihrem Lehnstuhle , hielt uns Beide in den Armen und starrte nachdenkend vor sich hin , fuhr aber bei dem geringsten Geräusch , das sich im Schlosse hören ließ , erschreckt in die Höhe und drückte uns ängstlich an sich , als wolle sie uns vor irgend einer Gefahr beschützen . Endlich gingen wir zur Ruhe , - wir schliefen in zwei Zimmern neben einander , ich und meine Schwester in dem einen , die Mutter in dem anstoßenden ; die Thüre blieb natürlicherweise offen . Ich weiß nicht , um welche Stunde es war , als ich erwachte ; ich glaubte Stimmen im Nebenzimmer zu vernehmen , und als ich mich in meinem Bette aufrichtete , hörte ich wohl , daß ich mich nicht getäuscht hatte . Der Morgen dämmerte , aber da es spät im Herbst war , drang auch nur ein schwaches , trübes Licht durch die zugezogenen Fenstervorhänge . Ich blickte nach meiner Schwester , die ebenfalls aufrecht in ihrem Bette saß . - Was ist das ? fragte ich sie . - Ich weiß nicht , gab sie mir zur Antwort . Die Mutter weint und bittet . - Ich will zu ihr ! rief ich aus ; ich will ihr helfen . - O ich war damals ein energisches Kind ; Furcht kannte ich nicht . - Die Thüren haben sie zugeschlossen , sagte meine Schwester . Und so war es in der That . Ich glitt von meinem Lager herab , um sie wieder zu öffnen ; doch kaum hatte ich mich auf einige Schritte dem Nebenzimmer genähert , als eine starke Hand meinen Arm faßte . Ich zuckte zusammen , blickte empor und sah neben mir jenen alten Mann mit den finstern , unangenehmen Zügen , der uns am Ufer der See empfangen hatte und später mit meinem Vater fortgeritten war . - Was willst du ? fragte er mit strenger Stimme . - Ich will zu meiner Mutter , sagte ich ihm ; hörst du nicht , daß sie weint ? Wer hat es gewagt , ihr etwas zu Leide zu thun ? - Gewagt ! lachte er höhnisch ; geh ' in dein Bett , Knabe , und bekümmere dich nicht um Sachen , die dich nichts angehen . Damit ließ mich seine Hand los und stieß mich mit der Faust an die Schulter , daß ich ein paar Schritte in das Zimmer hinein taumelte und gefallen wäre , wenn ich mich nicht an meinem Bette gehalten hätte . - Ich war gestoßen worden , zum ersten Male in meinem Leben und von der Hand eines Dieners ; ich ballte meine Fäuste , ich biß meine Lippen blutig ; was sollte ich machen ? Das da war ein starker , wohl bewaffneter Mann , ich ein kleiner , fast unbekleideter Knabe ; ich zitterte vor Zorn und Kälte , setzte mich auf mein Bett und strengte Ohren und Augen an , um zu sehen und zu hören . - Ja , es war die Stimme meiner Mutter , die ich nun im Nebenzimmer wieder vernahm ; sie bat , sie weinte , sie rief nach uns ; - so gebt mir wenigstens meine Kinder ! sprach sie ; ich will ja weiter nichts , o Gott ! o Gott ! nur meine Kinder , meine armen kleinen Kinder ! - Ich weinte mit ihr und rief so laut ich konnte : Mutter ! Mutter ! hier sind wir , laß uns nicht allein ! - Der alte Mann , der an ' s Fenster getreten war , er , der mich gestoßen , streckte mir drohend die Faust entgegen und sagte hohnlachend : schrei nur , kleine Schlange ; man wird dich dafür züchtigen . Im Nebenzimmer war es stille geworden ; der Mann wandte sich gegen die Scheiben und öffnete einen Flügel des Fensters . Unten im Hofe rollten Räder auf dem Sande ,