gebracht zu haben , und wenn ich hiedurch mir das freundschaftliche Gedächtnis eines braven und geschickten Menschen erkauft habe , der Gott weiß in welcher Himmelsgegend lustig in die zukünftige Zeit hineinlebet , so habe ich noch ein gutes Geschäft gemacht und meinen Nutzen erreicht , und hiemit lebe wohl , mein Männchen . « Nachdem den gerichtlichen Anstalten Genüge geschehen , zog Heinrich ab mit seinem Brief und Becher ; in den Gängen des weitläufigen Gerichtshauses , wo eine Menge bekümmerter oder erboster Streitführender auf- und niederging oder auf Bänken saß , Verklagte und Ankläger , Schuldner und Gläubiger , stellte er einen armen Kerl an , der sich melancholisch da umhertrieb , und gab ihm den schweren Becher zu tragen . Wie er durch die belebte Stadt vor dem Träger hereilte und oft durch mehrere Menschen von ihm getrennt war , lüftete dieser neugierig den Deckel und guckte , was darinnen wäre . Als er das Gold sah , beschloß er , mit dem Schatz zu entwischen , da seine armen verhungerten Gedanken nicht weiter gingen als die eines Hundes , der einen Braten sieht . Er wollte nur warten , bis Heinrich ein- oder zweimal sich nach ihm umgesehen , wo er dann ein vergnügtes und biederes Gesicht machen wollte , rüstig einherschreitend , jedoch unmittelbar noch dem zweiten oder dritten Umsehen wollte er auf die Seite springen und sich im Wirrsal verlieren , da er dann auf mehrere Minuten sicher war . Da sich aber Heinrich gar nicht nach ihm umsah und er immer darauf wartete , so wurde er an seiner Tat seltsam verhindert , immer nach dem Vorgänger hinstarrend , und er geriet in einen wunderlichen Bann , daß er nichts unternehmen konnte und der Weg zurückgelegt war , eh er das mindeste ausgerichtet ; denn plötzlich blieb Heinrich unter der Tür des Gasthofes stehen , wandte sich um und nahm ihm den Becher ab , indem er ihm eine Goldmünze aus demselben gab . » Nun hab ich ja Geld wie ein Kornhändler ! « sagte Heinrich zu dem Grafen , der seiner harrte , setzte den Sparbecher des Alten vor ihn auf den Tisch , erzählte ihm die Geschichte und zeigte ihm auch den Brief . » Seh einer an ! « sagte der Graf , » ich hielt die alte Zipfelkappe immer für einen Kauz ; daß er aber solche Ideen hinter den Ohren hätte , sah ich ihm doch nicht an ! « » Es ist aber doch eine sonderbare Sache « , erwiderte Heinrich , » ein solches gefundenes Gut zu haben und zu tun , als ob es einem von Rechts und Verdienstes wegen gehörte ! « » Gefunden ! « sagte der Graf , » wie kommen Sie nur dazu , sich wieder so zu zieren ? Sie sind ein wesentlicher Mensch , und aus Ihrem Wesen heraus haben Sie die Stängelchen bemalt oder die Spirallinie gezogen , wie Sie sich ausdrücken . Hundert andere hätten gerade das nicht getan und nicht auf die Art getan wie Sie , und dies hat der Alte sehr richtig bemerkt , so daß Ihr eigenes Wesen das Glück , wie wir es immerhin nennen wollen , anzog und bezwang . Glück aber ist nicht unanständig , Glück braucht jeder Geschäftsmann , auch der , welcher sein gutes Menschenwesen in den Verkehr setzt ! Aber nun machen Sie , daß Sie fortkommen , sonst fangen Sie mir wieder an zu spintisieren und sich zu zieren ! Diesen Becher , der ein altes tüchtiges Stück Gerät ist , geben Sie mir mit zum Andenken ! Vorher aber wollen wir einen guten Abschied daraus trinken und auch den Alten leben lassen ! « Sie ließen ein paar Flaschen starken Weines kommen ; Heinrich warf den Inhalt des Gefäßes heraus und schwenkte das Gefäß aus , der Graf trocknete es mit frohem Sinn und einem frischen Handtuch sorgfältig ab , und nun gossen sie die erste Flasche in den Becher und tranken denselben zum Andenken an den toten Alten . Beim zweiten Becher aber sagte der Graf » Nun wollen wir auch Brüderschaft trinken und uns fortan mit du anreden , denn wir wollen uns getreu bleiben und gute Freunde sein ! « Heinrich wurde ganz rot und sah tief in den Becher hinein , ohne es zu wagen , das edle Anerbieten seines Freundes anzunehmen noch auch es abzulehnen , da zum ersten Mal ein viel älterer und ganzer Mann , dessen Haare schon ergrauten , ihm solches anbot . Endlich aber gewann er durch den Wert , welcher durch des Mannes Vertrauen und Freundschaft in ihn gelegt wurde , einen guten Mut , und er gab dem Grafen die Hand und sah ihn an ; doch erst nach einem Weilchen des gleichmütigen und ruhigen Gespräches brachte er auch endlich das Du über die Lippen , so gleichsam im Vorbeigehen brachte er es bescheiden , doch tapfer an , daß der Graf lächelte und ihn beim Kopf kriegte . Der ältere Freund reiste noch am selben Tage auf sein Gut zurück , und der jüngere machte sich endlich am nächsten Morgen auf den Heimweg . Es widerstrebte ihm , den alten graden Weg , den er unter wechselndem Geschick schon so oft zur Hälfte zurückgelegt , abermals anzutreten , und reiste daher in einem Bogen durch Süddeutschland auf die Stadt Basel zu . Er war nun gerade sieben Jahre abwesend ; dies dünkte ihn , so schnell sie auch vorübergeschwunden , jetzt eine Ewigkeit , da ihm mit einem Male , als er sich dem Vaterlande nähern sollte , alles schwer aufs Herz fiel , was sich in demselben begeben , ohne daß er den allerkleinsten Teil daran hatte . Noch schwerer fiel ihm die Mutter aufs Gewissen , die er nun endlich wiedersehen sollte , und in die Freude und Hoffnung über das Wiedersehen mischte sich eine seltsame Beklemmung und Furcht , wenn er sich die Veränderung dachte , welche mit ihrem