? ... Dem fühlte sie wie mit Wonne und doch mit Schmerz nach . Fast Eifersucht war es , das sie erfüllte , und wieder gedachte sie : Was wird der Blonde , der andere , Thiebold de Jonge sagen , der täglich kommt und heute noch nicht da war ? ... Und dabei glitt ihr Blick - wieder auf die Rechnung des Hotels , die so lang , so lang schien ... Eine eigene Ideenassociation : Thiebold ' s Reichthum , ihr kleiner Creditbrief bei dem Hause Piter Kattendyk , die ganz biblische Sorglosigkeit der Gräfin in Geldsachen und Thiebold ein Bewerber um Armgart - dann aber auch - Angiolina , die sie nur einigemal aus der Ferne gesehen ... das schöne , allbewunderte Mädchen , das mit dem Grafen Hugo nur zu verbunden lebte , kam ihr , als krank gedacht , seltsamerweise wie Benno von Asselyn vor , blassen Teints und wie den fernsten Zonen angehörend ... Etwas war die befriedigte Erregung der Gräfin durch den so kurzen Brief des Obersten , ihres Sohnes , doch gestört worden . Sie erinnerte jetzt an den Thee ... Porzia wollte helfen ... Monika bedeutete sie mit einem Augenwink , auf ihr Zimmer zu gehen ... Gern hätte sie ihr gesagt : Singe wieder deine traurig schönen Lieder ! Zaubere uns vor , was alles freudvoll und leidvoll im Menschenherzen liegen kann ! ... Der Gräfin würde sie schön damit angekommen sein . Der Thee entquoll schon dampfend der Maschine , aber die Gräfin weilte noch in ihren Briefen - Lady Elliot schreibt voll Ungeduld - sagte sie , eine Tasse ergreifend ... Sie ist so gütig und gibt immer ein englisches und ein französisches und dann ein deutsches Wort , um meiner Schwäche entgegenzukommen , die ihre Sprache nicht versteht ... » Alle Schrift von Gott eingegeben , ist nütze zur Lehre , zur Strafe , zur Besserung , zur Züchtigung in der Gerechtigkeit « - 30000 Bibeln in einem Jahre in Irland vertheilt ! ... » Könnte man Pater Matthew gewinnen ? « Hm ! Hm ! ... Darin hat sie Recht - aber - » das Thier mit sieben Köpfen schnaubt und dräuet , daß sich darob die Sterne verfinstern « , wenn es an die Bibel geht ... Monika war über alle diese Anspielungen durch tägliches Erörtern vollkommen unterrichtet ... Auch ein langer Brief vom » Onkel Levinus « lag da , den die Gräfin nach einer halben Tasse Thee , die sie schlürfte , mit einer gewissen Scheu überflog und dann an Monika übergab , weil er vielleicht mehr für sie , als für die Adressatin bestimmt schien ... Sie wandte sich jetzt dem Rest ihres Thees und in Gedanken verloren einem leichten Gebäck zu ... Monika nahm den dargereichten Brief und las ihn mit einer schmerzlichen Miene für sich , während die Gräfin die letzten Briefe durchsah , solche , die ihr aus Schloß Salem und Castellungo von ihren Verwaltern gekommen waren ... » Wenn es diesen Zeilen gelingen könnte « , schrieb der Bruder des Obersten , » Ew . gräflichen Gnaden noch vor Ihrer Abreise nach England anzutreffen , ja Ew . Hochgeboren zu bewegen , die Nähe Westerhofs nicht unberücksichtigt zu lassen und uns mit einem Besuche zu beehren , so würde ich zuvörderst damit den Wunsch unserer lieben Comtesse ausgesprochen haben , dem sich der des Fräuleins Benigna und mein eigener ehrerbietigst anschließt . Die Wege bis zu uns sind bequem oder bieten bei der Milde des Winters keine großen Schwierigkeiten . Persönlich die Gesinnungen wiederholen zu können , die ich als langjähriger Freund und Verwalter des Grafen Joseph über die in Gottes Rath beschlossene Zukunft seiner Besitzthümer immer von ihm vernommen habe , würde mir zur besondern Genugthuung gereichen . Aus dem Schoose der Familie unserer Gräfin , selbst den allerdings jetzt kaum noch den Lebenden angehörenden frühern Vormund derselben , ihren Onkel , den Kronsyndikus von Wittekind-Neuhof nicht ausgenommen , der , wie Ew . Gnaden wissen , immer einer anderweitigen Auskunft , einer Verbindung beider Linien den Vorzug gab , ist nichts unternommen worden , was diesen gegen die Ansprüche des Herrn Grafen Hugo geführten unseligen Proceß hätte schüren und fördern können . Uns lag nur ob , das Vorhandensein jener Urkunde , die christkatholische Religion der jüngern Linie verlangend , möglicherweise aufzufinden und auch hierin einen etwa vorhandenen Wunsch der Vorvordern zu erfüllen . Die Nachforschungen konnten eine solche nicht auffinden und so gebe denn der gute und gerechte Gott seinen Segen zu der Ausgleichung , die , dank der Einsicht des vom Herrn Grafen übersandten Vermittlers , Herrn Baron von Terschka , vorzugsweise darauf hinauszukommen scheint : Der letzten Erbin der ältern Linie verbleibt Schloß und Hof Westerhof nebst den nächsten Adjacentien auf hundert Morgen in der Runde als standesmäßige Abfindung und erbeigenthümlicher Besitz für ewige Zeiten ; alles andere fällt der jüngern Linie zu , vorbehaltlich der Rückläufe , die der Comtesse für einige Grundstücke und Waldungen offen bleiben . Für die Regulirung dieser Procedur hat Herr Oberprocurator Nück uns die Ankunft des Herrn Benno von Asselyn verkündigt . Wir erfreuen uns in Herrn von Terschka eines weisen und wahrhaft discreten Vermittlers , der in allen diesen schwierigen Verhältnissen seit Monaten Großes geleistet hat . In kurzem ist er der Liebling der Gegend geworden , womit viel gesagt ist bei einem Volksstamm , der sich schwer anschließt , ohnehin , weil man der neuen Wendung der Dinge um so mistrauischer entgegensah , als wir uns gerade jetzt infolge des bekannten traurigen Weltereignisses in einer confessionellen Aufregung befinden , die mehr , als ich wünschen möchte , die Gemüther erbittert und ein paritätisches Zusammenleben unmöglich macht . « ... Monika las zwar für sich ; aber die Gräfin , die jetzt aufstand und sich einiges an ihrer Haustoilette zu schaffen machte , beobachtete sie und sagte : Sind Sie an der Stelle , wo der wunderliche Herr mir die Unmöglichkeit des Zusammenlebens mit Ketzern schildert