Sühn- und Löseopfer , - in Dir habe ich sie nicht erkannt . Deine Liebe scheint von Erz zu seyn , die Wohlthaten , die Du spendest , - obgleich ungezwungen und freiwillig , - sie erwecken Grauen . Mir selbst erscheinen sie , wie verhängnißvolle Gaben , die das Verderben unter angenehmer Hülle bergen , und fast möchte ich lieber der Knabe seyn , den Du so unmütterlich verwirfst , als zu Jenen gehören , die sich Deiner Liebe erfreuen , wie die , welche wir verlassen haben . « - Wallrade lächelte hierauf nachdenklich und arg , und versetzte unbefangen : » Der Geist , mit dem wir in ' s Leben traten , begleitet uns auch bis zum Grabe , und ist unterthan dem Körper , obgleich dieser nur ein Leib aus Staub und Asche ist . Sind unsre Glieder schwach , so erlahmt auch Wille und That . Sind sie stark , so erstarkt auch unsre Seele . Daraus erkläre Dir selbst , meine Freundin , die mich schon seit meiner frühsten Jugend kannte , wie ich in meinem Siechthum so ganz anders reden und handeln konnte , als ich früher that , und ferner thue und reden werde . An den Pforten des Todes war ich nicht mehr Wallrade , - nur ein zur Grube taumelndes , irrdisch , schwaches Weib . Aber , so wie die Kräfte wuchsen , so kam auch der alte Geist wieder zurück , und obgleich noch nicht völlig hergestellt , so spüre ich doch die ehemaligen Gefühle wieder die Flügel regen , und ich werde seyn wie ehemals . « - » Du wirst mir unerklärbarer ; « schaltete Walburg ein : » Du , wie ehemals ? Du , mit Deinem Hange zu den Freuden der Außenwelt , willst in ein Kloster Dich verkriechen , und dennoch seyn wie ehemals ? « - » Glaube mir , « antwortete Wallrade . » Der elende Mörder hat mich nicht zum Tode getroffen , aber an seinem Eisen blieb die Blüthe meines Lebens . Weg aus der Welt mit der Unvermählten , deren Rosenwangen und Körperschönheit zu Grabe ging . Dem schönen Weibe gehört die Welt mit ihren Königen und Helden ; der Verblichenen ein Altar und hinter demselben ein spätes Grab . Und ich vollends .... ich , übermannt von der Last von Vorwürfen , die die Welt auf mich geschleudert , weil böse Zufälle und ein tückisches Geschick mich zu Boden warfen ; ... ich sollte wieder hinaustreten in diese Welt ? Nimmermehr ! Ich werfe mich in die Arme der Kirche , - doch nicht als reuige , bußfertige Sünderin : eher würd ' ich sterben . Aber segnen , benedeien müssen mich noch diejenigen , die ich hasse , und bis zum Grabe hassen werde . Die Hand müssen sie noch küssen , die sie züchtigt , und laut ausrufen : Sie ist unsere Wohlthäterin geworden ! Wir haben sie verkannt . Indem ich mich also aufopfere für das Beste dieses Bruders , so bereite ich mir einen Heiligenschein , und jenen in der Brust eine glimmende Hölle . Bleibt Dagobert im Vaterhause , so baut des Argwohns Schlange wieder dort ihr schwer zerstörbares Nest , Eifersucht und Trug werden dort wieder heimisch , und Dagobert selbst , der in seiner Schwärmerei im Kloster glücklich geworden wäre , wird der Unglücklichste der Sterblichen . Durch diesen Schritt werfe ich dem Prälaten , der sein früheres Wohlseyn nicht benutzt hat , wieder den Maierhof zurück , den er mir einstens überlassen ; und mich ergötzt ' s , daß er , der mich an alle Fürsten verkauft haben würde , um seinen Beutel zu füllen , jetzo mir ein dürftiges Almosen danken muß . Die nichtswürdige Frucht meiner Ehe mit dem von der Rhön weise ich somit gänzlich an die Mildthätigkeit der Blutsfreunde , und bin freier in meinem Kloster , als ich es vielleicht jemals außer demselben war , lebe meiner Behaglichkeit , und der Hoffnung auf schwere Rache an allen meinen Feinden . « - » Hör ' auf ! « bat Walburg : » mir zittern die Glieder , so ich Dich anhöre . « - » Meiner Freundschaft verdanckst Du diese seltne Aufrichtigkeit ; « entgegnete Wallrade ernst : » von Deiner Freundschaft hingegen erwarte ich Geduld , Verschwiegenheit und ehrliche Behandlung . Eine andre Lebensfrist beginnt hierin für mich . Herab vom Himmel will ich Rache flehen , und wie die Ritterdame vom Söllen einem Turniere , so aus dem Klosterfenster ruhig dem Wirrsal zusehen , das ein unbeugsam Geschick über meine Feinde verhängen wird ; ... und somit , Freundin , Oberin , laß die Kirche schmücken zum Empfange einer neuen Braut , raube mir die Locken , in welchen sich schon manch Gewaltiger hing , ziere mich mit dem Kranze , und dann : Salve Regina ! « - Elftes Kapitel . Die weite Stadt faßt nicht die Zahl der Gäste , ..... Schiller . So sehr lieblich auch der Lenz gewesen war , so stellte sich doch der Sommer ein , als ein glühender Gast , der Fluren und Matten versengte , Bäche austrocknete , und den verschmachtenden Menschen und Pflanzen kaum einige kühle Nachtstunden zur Erholung gönnte . Indessen , je mehr er andauerte , je mehr ließ er wieder nach , von seiner brennenden Strenge , und ein heiterer gewitterleerer Spätsommer entschädigte für des Augustmonats entsetzliche Hitze . Darum strömten auch , wie neubelebt , aus allen Gegenden des Vaterlandes und der Fremde , zahlreiche Schaaren zu der alten Herbstmesse , die zu Frankfurt wieder eingeläutet wurde , und sie versprach , weit glänzender zu werden , als in vielen vergangenen Jahren . Die Züge der Kaufherren , die nach einander unterm Geleite der Reichsstadt , des Erzbischofs von Mainz und des Pfalzgrafen bei Rhein eintrafen , überboten sich an Zahl und Reichthum . Nicht bloß die Städte am mächtigen Rheinstrome , von Basel beginnend bis gen