mit der Bitte , ihn zu der nahen Kreuzkapelle zu begleiten , um welche mehrere Laternen standen . Er hatte beide Medaillons immer bei sich und war jetzt so begierig , das Angesicht seiner Mutter durch das Objektivglas zu sehen , so wie das Papier zu lesen . Bei der äußersten Laterne hielten sie , Albano nahm das Medaillon der veralteten Gestalt hervor , worunter stand : Nous nous verrons un jour , mon frère , er besah es durch das Okularglas : siehe , das alte Gesicht war das junge seiner Julienne . Vertrauend und ungestüm hielt er das altmachende Glas ans junge Bild , worunter stand : Nous ne nous verrons jamais , mon fils , - ein freundliches , aus einem langen Leben herüberlächelndes altes Gesicht erschien , dessen erblicktes Urbild ihm in einer tiefen , dunkeln Erinnerung lag , aber namenlos ; von Lindas Mutter hatt ' es indes keinen Zug . Auf einmal hört ' er eine bekannte Stimme : » Ecco ecco ! - Mein Neveu , mein Herr ! « Es war Albanos Oheim , der den schwarzgekleideten , wehklagenden Schoppe zu ziehen schien und weinerlich den Neffen anredete : » Ach , Neveu ! O ich sage die Wahrheit , nur Wahrheit pour jamais . « Er sah lachend aus und glaubte zu weinen . Der Schwarzrock trat näher , wurde ein Grünrock und sagte : » Herr Graf , täuschen Sie sich keine Minute , unsre Bekanntschaft beginnt mit einem gemeinschaftlichen Verlust . « - » Mein Schoppe , « ( sagte Albano erschüttert ) » kennst du mich nicht mehr ? « - » O wär ' ich es jetzt ! Ich heiße Siebenkäs « , versetzte der Grünrock und hob jammernd die Hände in die Höhe . » Er liegt aber da in der Kapelle , « ( sagte der Spanier ) » ich will alles so wahrhaftig erzählen , daß es schön ist . Ich glaube nicht , daß der Finstere kommt . « - Albano warf einen Blick in die Kapelle , und mit einem Schrei des Schmerzens stürzt ' er darnieder . 139 . Zykel Schoppens Geschichte war nach Wehrfritzens und des Oheims Aussagen diese : er war aus dem Notschlummer glühend aufgefahren , auf dem schnaubenden Streitroß der Rachsucht gegen den Spanier wurd ' er fortgerissen . Im Gasthofe des letztern wies ihn der Bediente mit einer Lüge nach dem Schlosse . Hier gelangt ' er , im verworrenen Getümmel um den leidenden Fürsten , ungefragt , ungesehen in das Spiegelzimmer , wo er einmal die Gräfin Linda um Idoinens Friedenswort für den wahnsinnigen Freund gebeten hatte . Als der Zylinder-Spiegel , der die langen Jahre des Alters auf das junge Gesicht gräbt und Moos und Schutt der Zeit darauf schüttet , ihm sein Bild vermooset und verraset entgegen warf , sagt ' er : » Ho ho , der alte Ich steckt wo in der Nähe « und schauete grimmig umher . Aus den Spiegeln der Spiegel sah er ein Ichs-Volk blicken . Er sprang auf einen Stuhl , um einen langen Spiegel loszumachen . Indem er den Nagel desselben rückte , schlug in der Wand eine Uhr zwölfmal . Hier fiel ihm die Weissagung Gaspards ein , die sein Freund ihm anvertrauet hatte , und alle Regeln , die diesem zur Lösung der Rätsel vorgeschrieben waren . In der Weissagung war zwar die Rede von einem Bilderkabinette , aber ein Spiegelzimmer ist auch eines , nur flüssiger und tiefer hinter der Wand . Er nahm ( folgsam den von Gaspard gegebnen Regeln ) den Spiegel herab - fand und öffnete die Tapetentür in der Größe des Spiegels - die hölzerne weibliche Gestalt mit dem offnen Souvenir in der Linken und dem Crayon in der Rechten saß darhinter - er drückte ( nach der Vorschrift ) den Ring am linken Mittelfinger - die Gestalt stand , innen rollend , auf - trat in das Zimmer hinaus - hielt an der entgegengesetzten Wand still , zeichnete daran mit dem Crayon in der Hand eine Linie herab , er zog die Wandleiste auf - das Perspektiv und der wächserne Abdruck des Sargschlüssels lagen in einem Fach darhinter - Jetzt drückt ' er den Ringfinger , die Figur setzte den Crayon aufs Souvenir und schrieb : » Sohn , gehe in die Fürstengruft in der Blumenbühler Kirche und öffne den Sarg der Fürstin Eleonore , so findest du die schwarze Stufe . « Wenn das geschehen , hatte der Ritter zu Albano gesagt , und die Marmorstufe doch nicht im Sarge gefunden sei : so soll ' er den dritten Ring am Ohrfinger drücken , worauf etwas geschehe , was er selber nicht vorauswisse . Schoppe versuchte vorher , eh ' er in die Blumenbühler Kirche ging , den Druck dieses Fingers - die Figur blieb stehen - aber innen fing es zu rollen an - die Arme dehnten sich aus und fielen ab - Räder rollten heraus - endlich zerlegte sich die ganze Gestalt durch einen mechanischen Selbstmord , und ein alter Kopf von Wachs erschien . Hier ging Schoppe davon , um nach Blumenbühl zu laufen und aus der Gruft die Leuchte für dieses Nachtstück zu holen . Eben waren mittags Kirche und Gruft - vielleicht weil man dem neuen sterbenden Höhlen-Gast Raum vorbereitete - offen gelassen . Ohne erst den wächsernen Schlüssel in einen eisernen zu verwandeln , erbrach er ungestüm mit einem Arbeitseisen den Sarg und holte die Marmorstufe und Albanos Porträt schnell heraus . Er zerschlug jene hinter einem Busch . Als er die Aufschrift las , untersucht ' er nicht weiter ; er eilte in Albanos Haus , um alles zu übergeben . Beide aber suchten sich wechselseitig umsonst . Indes traf er den rechtschaffenen Wehrfritz an , durch welchen allein er eine so wichtige Beute abschicken konnte ; er selber war jetzt dem Todfeinde , dem Spanier , auf der Spur , und keine Gewalt konnt ' ihn aus der