Philosophen zu Regenten habe , realisirt werden könne , « hatte den Platonischen Sokrates auf die verschiedenen Untersuchungen und Erläuterungen geführt , die den Inhalt des sechsten Buchs ausmachen . Die allegorische Dichtung zu Anfang des siebenten sollte das , was er über ächte und unächte Philosophie , über Irrthum , Wahrheit und Meinung ( die zwischen beiden liegt ) vorgebracht hatte , durch ein passendes Phantasiebild begreiflicher machen . Das Resultat davon ist : daß nur der , dessen Geist aus der Sinnenwelt ( die uns andern gemeinen Menschen die wirkliche scheint ) in die Welt der Ideen empor gestiegen , und durch diese sich endlich bis zum unmittelbaren Anschauen der Idee des Guten erhoben hat , den Namen eines Philosophen verdiene . Da nun unsre Republik lauter solche Philosophen zu Vorstehern haben soll , so fragt sich : durch was für eine Erziehung diese letztern zu ihrer Bestimmung zubereitet , auf welchen Stufen sie zu ihr empor geführt , und welchen Prüfungen sie unterworfen werden sollen , bevor sie für fähig und würdig zu erkennen sind , in unsrer Republik das zu seyn , was die Vernunft in dem Mikrokosmos der menschlichen Seele und die Idee des Guten im Weltall ist ? Diese Aufgaben beschäftigen unsern Philosophen durch das ganze siebente Buch , und geben ihm , indem er von den Wissenschaften spricht , wodurch seine künftigen Archonten sich den Eingang in die übersinnliche Ideenwelt eröffnen sollen , Gelegenheit , manches Brauchbare zu sagen , aber auch manches , das mir und vermuthlich seinen meisten Lesern ziemlich unverständlich ist , und uns den Argwohn abnöthigt , daß er uns entweder absichtlich tantalisiren27 , oder eine Unwissenheit , die er mit uns und allen andern Sterblichen gemein hat , hinter die vielversprechende geheimnißvolle Miene , womit er uns - nichts offenbart , verstecken wolle . Die Wissenschaften , welche seine künftigen Archonten mit besonderm Eifer treiben sollen , sind die Arithmetik , Geometrie , Astronomie und Musik . Aber daß du dir ja nicht einbildest , der Platonische Sokrates denke über diese Wissenschaften wie der Sohn des Sophroniskus , der seinen jungen Freunden zu rathen pflegte , sich nicht tiefer in sie einzulassen , als zu ihrem Gebrauch im Rechnen , Feldmessen , in der Schifffahrt , und zum Singen , Citherspielen und Tanzen nöthig ist ! Gerade das Widerspiel ; er spricht von dem praktischen Theil derselben mit einer Art von Verachtung , und empfiehlt sie seinen Zöglingen nur , insofern sie die Seele durch Betrachtung des Uebersinnlichen reinigen und zum Anschauen des Wesens der Dinge und der Idee des Guten tüchtiger machen . In dieser Rücksicht räumt er der Dialektik28 ( die ihm etwas ganz anders ist als was gewöhnlich unter diesem Namen verstanden wird ) die oberste Stelle unter allen ( in Vergleichung mit ihr nur uneigentlich so genannten ) Wissenschaften ein , weil sie sich ( wenn ich ihn anders recht verstehe ) zu den übrigen verhält , wie in seinem vorigen Gleichnißbilde von den Gefesselten in der unterirdischen Höhle das Anschauen der Sonne selbst zum Anschauen des Feuers , welches den Gefesselten die Schatten der zwischen ihnen und dem Feuer vorübergetragenen Dinge sichtbar macht ; daher denn auch niemand als der wahre Dialektiker im Stande ist , die übrigen Wissenschaften so zu veredeln , daß sie zu Stufen werden , worauf die Seele , nachdem sie sich von allem was ästhetisch ist losgewunden29 hat , » vermittelst eines Organs , das mehr als zehntausend körperliche Augen werth ist , « zur unmittelbaren Anschauung des Auto-Agathon , als dem höchsten Endpunkt alles Reindenkbaren , sich erheben kann . Mehr verlange nicht , daß ich dir von diesen übersinnlichen Geheimnissen sagen soll ; denn ich gestehe dir unverhohlen , daß mein Geistesauge ( mit Plato zu reden ) noch zu sehr mit barbarischem Schlamm ( borborô barbarikô ) überzogen ist , um von dem unendlich subtilen dialektischen Licht , womit dieses siebente Buch erfüllt ist , nicht geblendet zu werden . Beinahe möchte man den wackern Glaukon beneiden , der , wie es scheint , als ein ächter junger Adler mit heilen Augen in diese Sonne schauen kann , und dem alles , was er bloß hört , auf der Stelle so klar einleuchtet , als ob er es aus Platons eigenen Augen sähe . Ernsthaft von der Sache zu reden , Eurybates , glaube ich , trotz der Blödigkeit meines Gesichts für unsichtbare Dinge , ziemlich klar zu sehen , daß es nur auf den guten Willen unsers Mystagogen angekommen wäre , die erhabenen Lehren , die er uns , bald in die seltsamsten Bilder verschleiert , bald in einer nur ihm und seinen Eingeweihten verständlichen Sprache , als eine Art von Räthsel zu errathen gibt , in der Sprache der Menschen deutlich genug vorzutragen , daß jeder nicht gänzlich im Denken ungeübte Leser sie ohne große Anstrengung hätte verstehen und beurtheilen können . Aber vielleicht würden sie dann auch nicht wenig von dem hohen Werth , den er ihnen beilegt , verloren haben , und es wäre beim ersten Blick in die Augen gefallen , daß wir durch die Verwandlung bloßer ausgeweideter Gedankenformen in das was er Ideen nennt , und sogar durch das Aufschauen zu seinem Auto-Agathon , - in welches unser geistiges Auge , eben so wenig als unser leibliches in die Sonne , länger als einen Augenblick ( und auch da nicht ohne zu erblinden ) schauen könnte , - bei weiten nicht so viel gewinnen als er uns zu versprechen scheint . Denn es hat ( menschlicherweise von der Sache zu reden ) mit diesem Auto-Agathon , diesem König der unsichtbaren Welt , diesem ersten unergründlichen Grund alles dessen was wahrhaftig ist , so ziemlich eben dieselbe Bewandtniß wie mit der Sonne , dem Herrscher in der sichtbaren . Was wir von beiden wissen , ist sehr wenig , und wir reichen nicht weit damit , wenn es darum zu thun ist , uns eine reelle , d.i. im praktischen