versprechen müssen . Im Grunde hatte diese Beziehung wenig Erhebendes für Monika ; ja die Gräfin ließ an ihr , wie an allen Menschen , nur an denen nicht , die zu Hugo ' s Intimität gehörten , ihren steten Bekehrungs- und Erziehungseifer aus ; nie kam ein Scherz , ein Lachen , eine enthusiastische Freude an Kunst oder Natur bei ihr zum Vorschein ; das Theater existirte nicht für sie ; alles das entsprach glücklicherweise im allgemeinen auch der Stimmung Monika ' s und so folgte sie der greisen Frau , die sich schon an sie gewöhnt hatte , auf Tritt und Schritt , jetzt auch hierher und vielleicht nach England , obgleich sie für letzteres noch nicht ganz entschlossen gewesen war und vorläufig nur bis Antwerpen hatte mitgehen wollen ... Seitdem von Porzia ' s Onkel Hedemann genannt worden war , fühlte sie sich von räthselhaften Geistern bestürmt , die sie mahnten , ganz zurückzubleiben und die Gräfin morgen allein abreisen zu lassen . Die hohe Gestalt der Greisin trat ein . Sie war mit einem weiten schweren Pelz bedeckt , den ihr der Diener abnahm . Ihre scharfen mageren Gesichtszüge verhüllte ein einfacher Sammethut , den sie noch nicht abgebunden hatte , als sie schon eine Anzahl Briefe , die sie sich selbst vom Postamte mitbrachte , an den Schirm der Lampe hielt und hastig nacheinander erbrach ... Ohne Brille konnte sie nur mit Schwierigkeit lesen . Sie mußte daher innehalten , ihren Hut abbinden und sich ' s bequemer machen ... Porzia bediente sie dabei . Monika ordnete die Zurüstungen zum Thee ... Ich komme vom Doctor Abadonna ! sagte die Gräfin . Ich wollte nicht verfehlen , vor meiner Abreise dem armen , geschlagenen Sohne der Finsterniß wenigstens diese Aufmerksamkeit zu bezeigen ! Dem Herrn sei Lob und Ehre ; denn Terschka schreibt ja - Nun hatte sie das Futteral ihrer Brille geöffnet , das ihr Porzia auf einen stummen Wink Monika ' s gereicht , hatte den Eckplatz des Sophas eingenommen , den Tisch sich näher rücken lassen , dann auch die Lampe näher gezogen und die Brille auf ihre vom Feuer der Erwartung glänzenden Augen gesetzt und einen der Briefe geöffnet ... Der Courier legte mancherlei inzwischen Angekommenes in ihre Nähe , einige Bücherpackete , einige Einkäufe , die schon vorausgeschickt waren , auch ein großes Papier , in dem sofort Monika , und nicht ohne einen gewissen Anflug von Verlegenheit - die Rechnung des Hotels erkannte ... Alles um die lesende Gräfin her war still und bewegte sich auf den Zehen . Nur sie allein sprach sich laut und mit Interjectionen aus , die ihre Zufriedenheit mit allem ausdrückten , was Terschka und ihre andern Correspondenten berichteten . Die Siegesgewißheit über den gewonnenen Proceß , wie die Aufregung über die bevorstehende Reise nach dem von ihr so lange ersehnten England , wo sie acht Wochen bleiben wollte , erhöhten die Kundgebungen ihrer Stimmung und weckten eine alte Lebendigkeit ihres Wesens , die sie durch ihre trübe Religionsauffassung schon seit so langen Jahren zu dämpfen verstanden hatte . Vor den Dienern schwieg sie . Porzia aber , die ohnehin der Sprache nicht ganz folgen konnte , hinderte sie nicht , an Monika , die sich zuletzt ruhig vor der siedenden Theemaschine niedergelassen hatte und bald auf die Gräfin , bald auf die sinnend sich zu schaffen machende Italienerin sah , von den Eindrücken , die sie im Lesen empfing , einzelnes bruchstückweise mitzutheilen ... Ja , dieser gute Terschka ! sagte sie in abgebrochenen Sätzen ... Wenn einer geschickt war , diese Aenderung mit den Verhältnissen in Westerhof in Güte auszugleichen , so war er es ! ... Eine Parcellirung ... im größten Maßstabe ... wie vorsichtig , sich an einen einfachen , uneigennützigen Mann zu wenden ... einen Juden , Namens Löb Seligmann ... » Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon ! « ... Aber die Offerten der Fuld ' s lehnt er ab ... das ist schön ! ... Diese Helfer in der Noth haben wir in Wien genugsam kennen gelernt ! ... Die Lotterie ist nicht erlaubt , wie bei uns ... Also Verkauf ! ... so gern - ja so gern ich gewünscht hätte , wir hätten die Burg Gottes aufgerichtet im Lande der Edomiter und das Evangelium gepredigt denen , die noch unter dem Gesetze leben - Terschka grüßt Sie , Baronin ! unterbrach sie sich selbst ... Monika dankte leise nickend ... Die Gräfin hatte unter der Brille ein wenig aufgeblickt , um zu beobachten , wie dieser Gruß auf die junge Frau wirken würde ... Ihre Stimme , die schon an sich wohllautend war , nahm einen besondern Ausdruck von Innigkeit an , als sie das Wort sprach : » Terschka grüßt Sie , Baronin ! « Ein Purpurroth war auf Monika ' s Wangen getreten ... Das sah die Gräfin wol und seufzte ... Monika gedachte , ob Terschka nichts von Armgart schriebe , wie er schon oft gethan ... doch auch das Seufzen der Gräfin , das völlig anderes im Sinne hatte , verstand sie ... sie wich Fragen und Erörterungen aus und hielt fast den Athem an , jetzt aus andern Gründen noch , als deshalb , die Gräfin nicht in ihrer Spannung zu stören ... Diese erzählte zwischendurch vom Doctor Abadonna ... Er wand sich doch wie der Fürst der Finsterniß ... sagte sie . Kriechend höflich war er ... wie einst die Verdammten vor dem ew ' gen Richter stehen müssen ... Der liebenswürdige junge Herr von Asselyn geht morgen nach Westerhof , um die letzte Abwickelung zu erleichtern ... O mein Sohn ! ... Wie gespannt er schreibt ! ... Nur so kurz ! ... So kurz ! ... Was ? Angiolina ist krank ? Das entschuldigt ihn ! Monika behielt Zeit , die Gedanken zu sammeln , die ihr doch die Brust in fast hörbaren Schlägen heben und wieder sich senken ließen ... Geht Benno jetzt nach Westerhof