der Ebene emporgestiegen , und sehen , rückwärts blickend , die Stadt , die sie umgebenden Gärten , den wunderbaren Berg der heiligen Rosalie , zu seinen Füßen die ruhige , dunkle Bucht , und weiter hinaus das gewaltige Meer , tiefblau und nur an einem Streifen am Horizont bedeckt von Sonnenglanz und Flimmer . Hier sind wir auch am Ziele . Wir stehen vor einem großen Thor , das halb von überhängenden Bäumen verdeckt ist , einem Thor mit Eisengittern und tadellosen Wappenschildern . Hinter dem Thore beginnt ein weitläufiger Park , in dem Parke liegt ein großes Schloß und in dessen prachtvollsten Zimmern ward ich seiner Zeit geboren . » Ah ! « machte Herr Beil , aber so leise , daß es nur wie ein Seufzer klang . Er war mit halb geschlossenen Augen träumend der lebendigen Schilderung gefolgt , er hatte Palermo mit gesehen , er war aus der heißen Sonne in den schattigen Park getreten und sah das Schloß , ja selbst das bezeichnete Zimmer . Der Baron fuhr sich mit der Hand über die Augen und sagte lächelnd , wie aus einem Traume erwachend : » Ach ja , wir sind Beide noch hier . - War mir doch , als zeigte ich Ihnen die Herrlichkeiten meiner Heimath , knirschte doch ordentlich der Sand unter meinen Füßen ; hörte ich doch den Wind durch die Zweige rauschen wie damals . « » Mir war auch so , « meinte Herr Beil ; » doch ist es das Holz im Ofen , das knirscht und stöhnt , und wenn es auch mit dem Sausen des Winds seine Richtigkeit hat , so streicht er doch leider nicht durch blüthenreiche Zweige , sondern spielt mit den ächzenden Windfahnen und den wackeligen Schornsteinen . « » Und mir ist diese wilde Scenerie lieber , « fuhr der Baron fort : » ich mag nicht weich gestimmt sein . - Daß ich also geboren wurde , wissen Sie , vorher aber folgten einige für mich nicht unwichtige Ereignisse . Meine Mutter war die Tochter einer der mächtigsten Familien Palermo ' s , mein Vater aber ein Engländer , der auf einer großen Vergnügungsreise eines Tages mit seiner Yacht in der Bucht ankerte , an ' s Land stieg , sich durch gute Empfehlungsbriefe in den besten Häusern einführte , meine Mutter sah , sich in sie verliebte und nicht eher ruhte , bis ihr Vater , der Marchese von B. , zu einer Heirath mit dem Fremden willigte . Die Geburt meines Vaters stand übrigens der meiner Mutter nicht nach ; er war der älteste Sohn des Lord K. , einer reichen schottischen Familie , deren Einwilligung zu der Verbindung mit meiner Mutter zu erhalten er als sehr leicht darstellte . Der alte Marchese , dessen Gunst er sich zu erringen gewußt hatte , gab die Heirath zu und etablirte das junge Paar auf dem Schlosse , von dem ich Ihnen sprach . Wenn auch mein Vater von seinem Vermögen noch nichts erhalten hatte , so besaß er doch Gelder genug , um bis zur erlangten Einwilligung seiner Eltern glänzend leben zu können . Diese Einwilligung aber blieb aus , ja , auf viele Briefe , welche sowohl der Marchese als mein Vater nach Schottland schrieben , erfolgte keine Antwort , und als man sich endlich eines Geschäftsmannes bediente , berichtete dieser , Lord K. habe sich in Folge dieser Heirath von seinem ältesten Sohne losgesagt , ihn enterbt und er existire für ihn gar nicht mehr in der Welt . Das muß ein harter Schlag für meine Eltern gewesen sein ; die Schwestern und Brüder meiner Mutter , in ihrem Stolze gekränkt , zogen sich von ihr zurück , der Marchese von B. starb bald darauf , und da nur ein geringer Theil seines Vermögens meiner Mutter zufiel , auch die Gelder meines Vaters ziemlich aufgezehrt waren , so mußte man sich einschränken . Uebrigens schien das dem jungen Paar keinen Kummer zu verursachen , sie liebten sich herzlich ; ihre Kinder - das war ich und eine Schwester - wuchsen zu ihrer Freude gesund und kräftig heran , kurz , es war immer noch eine glückliche Familie . Ob und welche Schritte nun während dieser Zeit mein Vater in Schottland gethan , weiß ich nicht ; genug aber , plötzlich kam die Nachricht , Lord K. wolle sich mit seinem Sohne aussöhnen , er sandte Gelder und Briefe , er schrieb , das Geschehene soll vergessen sein , nur stellte er die Bedingung , meine Eltern sollten Sicilien verlassen und nach der Heimath meines Vaters zurückkehren . So sehr meine Mutter auch ihre schöne Insel liebte , so hatte sie doch in der letzten Zeit so viele Kränkungen erfahren , daß sie ihre Vaterstadt , ihre Familie , nicht ungern verließ . Wir schifften uns also ein ; ich zählte damals zehn Jahre , meine Schwester vier . Unser Beider einziger Kummer war , daß wir die alte bekannte Dienerschaft unseres Hauses zurücklassen mußten ; so hatte es Lord K. gewünscht . Die Abreise aus Sicilien schmerzte uns Kinder nicht besonders ; uns freute das schöne Schiff , welches wir bestiegen , die bevorstehende Reise , - und als wir Neapel gesehen , Rom und die hohen schneebedeckten Berge der Schweiz , dachten wir nicht mehr an unsern Monte Pellegrino , nicht mehr an die schöne Bucht Palermo ' s und noch viel weniger an die thränenerfüllten Augen der alten Diener unseres Hauses . Die Erinnerung an Sicilien trat auch nicht eher wieder lebendig vor uns , als bis wir uns der Küste Schottlands näherten . Es war ein frostiger und unheimlicher Herbstabend , das Meer bewegt , die grauen Wellen schwankten hin und her , und wo sie zusammen stießen , bildeten sich weiße Schaumkronen auf dem schmutzigen Wasser . Vor uns wurde das Land sichtbar , die hellen , zerklüfteten Felsen blickten unbestimmt und geisterhaft aus dichtem Nebel hervor . Schwer zerrissene Wolkenmassen hingen am