zurechtzumachen für den Nachtisch . Sie hatte nämlich die Gewohnheit , immer ein solches Körbchen unter ihrem Verschluß zu halten , das mit feinem Zuckerwerk angefüllt war und das sie in buntes Papier wickelte , nachdem sie eine selbstgeschriebene Devise dazugelegt . Hiezu verwendete sie schöne und graziöse Verse aus allen Sprachen und alten und neuen Dichtern , am liebsten kleine gute Sinngedichte , welche geeignet waren , angenehme und witzige Vorstellungen zu erregen und eine heitere Fröhlichkeit zu verbreiten . Auch trieb sie allerhand Schwank damit , indem sie oft zwei verschiedene Zeilen aus verschiedenen Dichtern zu einem Distichon zusammenfügte , so daß man glaubte , Bekanntes zu lesen , und doch nicht klug daraus wurde , indessen die neue zierliche Wendung , der entgegengesetzte Sinn , welchen das Unbekannt-Bekannte abgab , ergötzte und vielfältig in die Irre führte . Dortchen wickelte jetzt rasch und nachdenklich den ganzen Vorrat auf , warf die alten Zettelchen beiseite und schrieb auf neue Streifchen feinen Papieres zwanzig- oder dreißigmal dasselbe Sinngedicht eines alten schlesischen Poeten . Dann wickelte sie diese Zettel mit dem Zuckerwerke wieder ein , wozu sie neues , nur weißes Papier nahm , schloß ihre Türe wieder auf und trug ihr Körbchen nach dem hübschen Schränkchen , das sie im Familienzimmer ebenfalls unter ihrem Verschluß hatte . Heinrich hatte unterdessen endlich ausgetobt , die Schluchzerei , deren er sich schämte , und der Scherz hatten ihn erleichtert und ruhiger gemacht , und er nahm sich nun zum allerletzten Mal bestimmt vor , Dortchen gut zu sein , ohne an etwas Weiteres zu denken noch sich zu bekümmern , und seine Gedanken nach anderen Dingen und nach seiner Zukunft zu richten . Desnahen war er ziemlich zufrieden am Abendtisch , und weil er , als der Abreisende , der Gegenstand des Gespräches war , seine Zukunft mit Wohlwollen besprochen wurde und außerdem der Graf , als sich von selbst verstehend , erklärte , abermals mit ihm zu reisen nach der Hauptstadt , da Heinrich das nicht gehofft hatte , so befand er sich zuletzt so glücklich und lustig wie je und lachte Dortchen freundschaftlich an , als sie endlich mit ihrem Körbchen zu ihm trat . » Heut bekommen Sie zum letzten Mal ein Bonbon von mir ! « sagte sie , » suchen Sie sich ein recht gutes aus ! « Heinrich suchte unbefangen einige Sekunden lang und nahm doch das erste beste , was ihm in die Hände kam , da er es vorzog , die Spenderin inzwischen anzusehen , da dies auch ein letztes Bonbon war . Als er das Ergriffene aufmachte und den Zettel las , errötete er und vermochte nicht denselben laut zu lesen , denn es stand darauf : Hoffnung hintergehet zwar , Aber nur , was wankelmütig ; Hoffnung zeigt sich immerdar Treugesinnten Herzen gütig ; Hoffnung senket ihren Grund In das Herz , nicht in den Mund ! Der Pfarrer nahm das Papier und las das Gedicht . » Allerliebst ! « rief er , » sehr hübsch ! Sie haben eine allerliebste Devise zum Abschied bekommen . Lassen Sie sehen , Fräulein Dortchen ! was ich zum Dableiben erhalten werde ! « Er griff begierig nach dem Körbchen , denn es juckte ihn auf der Zunge , etwas Süßes darauf zu legen . Dortchen zog aber das Körbchen weg und sagte : » Nächsten Sonntag bekommen Sie was zum Dableiben , Herr Pfarrer ! Heute bekommt nur der , welcher geht ! « Heinrich sah sie verwirrt und zweifelhaft an , die aufregenden Verse im Herzen ; aber mit der unergründlichen Halbheit der Weiber stand sie da und verzog keine Miene . Rasch verschloß sie den Korb wieder in den Schrank , und der arme Heinrich hatte keine Vermutung , daß in allen dreißig Bonbons die gleichen Worte standen . Vierzehntes Kapitel Der Wagen stand in aller Frühe bepackt und bereit ; Dortchen begleitete die Abreisenden bis an denselben , umgeben von den übrigen Leuten , so wie auch Apollönchen und der alte Gärtner herbeikamen . Heinrich gab den zutraulichen Dienstleuten allen die Hand und zuletzt auch der Dorothea , welche ihm freundlich die ihrige gab und nun sagte » Adieu , Herr Lee ! « Von Wiedersehen oder dergleichen sagte sie gar nichts ; ebensowenig als Heinrich , und so fuhren der Graf und er rasch von dannen . Die Bilder kamen in zwei Tagen nach und waren bald zur öffentlichen Ausstellung hergerichtet . Der Graf beschäftigte sich so munter mit der Sache , als ob er selbst der Künstler wäre , und hatte die größte Freude daran , überall dabeizusein und seinen Schützling zu bevormunden . Wie er es gewünscht , so kam es auch , als die Bilder endlich in dem Saale hingen , wo die Künstler und die wohlhabenden Liebhaber ab-und zugingen . Sie sprangen ziemlich anspruchsvoll in die Augen , hielten aber die erregte Aufmerksamkeit tapfer aus ; alte Bekannte wunderten sich über das plötzliche Auftauchen des verschollenen Heinrich und drückten ihm mit Achtung und aufrichtigen Glückwünschen die Hand ; der Graf unterließ nicht , vornehm aussehende Herren und Damen vor die Bilder zu führen , so daß sich der Beifall herumsprach und immer ein Trüppchen elegantes Publikum davorstand , kurz , Heinrich konnte nun doch noch mit Ehren und mit leichtem Sinne von dem Handwerk scheiden , und dieser Abschied erhielt dadurch einen vollern und schwerern Gehalt . Als Heinrich endlich bei den Aufsehern der Säle den Preis der Bilder angeben wollte , drängte sich der Graf dazwischen und schrieb den betreffenden Zettel selbst auf . Aber er schrieb eine so ausgiebige Summe hin , daß Heinrich laut auflachte und rief » Da werden wir lange warten können , bis wir die Fahnen an den Mann bringen ! « - » Das werden wir schon sehen « , erwiderte der Graf , » nur nicht blöde , mein Freund ! « Und in der Tat wurden die Bilder in einigen Tagen gekauft , aber vom